Das ultimative Endspiel um den Stanley Cup

Spiel 7! Glanz oder Gloria?

Boston Bruins - St. Louis Blues

Glanz oder Gloria? Boston Bruins und St. Louis Blues vor dem ultimativen Showdown. imago images

Boston kann sich zum insgesamt siebten Mal und zum ersten Mal seit 2011 wieder zum Champion küren. Schon beim letzten Triumph benötigten die Bruins sieben Spiele (4:3 gegen die Vancouver Canucks). Auf heimischem Eis holten die B's den Stanley Cup zuletzt vor 49 Jahren. Damals erzielte ein gewisser Bobby Orr den goldenen Treffer in der Overtime. Der Gegner damals: die St. Louis Blues. Welchen Stellenwert dieser Treffer in der Bruins-Historie hat, zeigt eine Statue vor dem TD Garden, die Orr bei dessen Sprung-Jubel zeigt. Auch das Tor selbst ist in der Arena ausgestellt. Nun soll sich die Geschichte wiederholen. Wer führt Boston zu neuem Glanz?

St. Louis steht erstmal seit besagter Serie im Jahr 1970 wieder in einem Stanley-Cup-Finale. Den "Heiligen Gral" konnten die Blues noch nie gewinnen, es wäre also eine Premiere in der Klub-Historie. Das Motto der Truppe aus "Gateway City" ist Gloria (deutsch: Ruhm). Ein Thema mit Hintergrund: Am 3. Januar 2019 war St. Louis das schlechteste Team der gesamten NHL, startete daraufhin aber eine furiose Aufholjagd, die sie bis einen Sieg vor den Gewinn des Stanley Cups führte. Zum Erfolgsrezept zählt der 80er-Jahre-Hit "Gloria" von Laura Branigan, der seit dem Jahreswechsel in der Blues-Kabine gespielt wurde. Bei den bekanntermaßen abergläubischen Eishockey-Spielern wurde der Song schnell zur Tradition. Der Slogan "Play Gloria!", also "Spiele Gloria!" wurde zum Renner bei zahlreichen Fanartikeln. Wird Gloria auch nach Spiel 7 in der Kabine laufen?

Die Hockey-DNA der Teams

Zdeno Chara & Ryan O'Reilly

Kampfstark gegen formstark: Bruins-Kapitän Zdeno Chara (l.) steht Blues-Center Ryan O'Reilly gegenüber. Getty Images

Für Boston spricht vor allem die spielerische Klasse und das Tempo im Team. Gerade rechtzeitig scheint auch die Top-Reihe um Patrice Bergeron, Brad Marchand und David Pastrnak den Knoten gelöst zu haben (vier Scorerpunkte in Spiel 6). In der Tiefe können die Bruins ohnehin jede Menge "Secondary Scoring" vorweisen. In der Abwehr ist Top-Verteidiger Zdeno Chara fit genug für einen Einsatz. In Spiel 4 bekam der slowakische Hüne (2,05 Meter groß) einen Puck ins Gesicht und brach sich dabei den Kiefer. Dieser wurde offenbar verdrahtet, um spielfähig zu sein. Der 42-jährige Kapitän jedenfalls kann seinen Mund kaum bewegen, nur murmeln statt sprechen, schnürt aber trotz großer Schmerzen die Schlittschuhe. Ein starkes Zeichen für seine Mitspieler und die Fans, die Chara seitdem noch lauter feiern als ohnehin schon. Beeindruckend sind die Special Teams der Bruins: Boston hat ein brandgefährliches Powerplay (30,4 Prozent im Stanley-Cup-Finale) sowie ein klinisches Penalty Killing (94,4 Prozent).

St. Louis kommt vor allem über seine Physis: Der Kader ist groß und kräftig, die Taktik genau darauf abgestimmt. Im Offensivdrittel wollen die Blues den Gegner mit aggressivem und hartem Forechecking zermürben. Die neutrale Zone wird an der eigenen blauen Linie regelrecht abgeriegelt. Dabei wird das Spiel stets an die Banden gezwungen, wo die Blues ihre körperlichen Vorteile ausspielen können. Mit bereits 783 Checks in den Play-offs, darunter 225 Hits in der Finalserie, hat St. Louis bereits bleibenden Eindruck beim Gegner hinterlassen. Die Verteidiger-Kolosse (im Schnitt 1,91 Meter groß und 95,7 Kilogramm schwer) sind nur schwer zu umspielen und aus der Position zu bringen. Vorne rollt St. Louis alle vier Reihen gleichmäßig aus. Besonders formstark ist Mittelstürmer Ryan O'Reilly (vier Tore, ein Assist in den letzten drei Partien).

Das Goalie-Duell

Tuukka Rask & Jordan Binnington

Routinier gegen Rookie: Bostons Goalie Tuukka Rask (o.) und St. Louis' Torwart Jordan Binnington. Getty Images

Eine bedeutende Rolle wird auch den beiden Torhütern zukommen: Bostons Routinier Tuukka Rask (32) und St. Louis' Rookie Jordan Binnington (25). Rask hatte in jedem einzelnen Play-off-Spiel in dieser Saison eine Fangquote von über 90 Prozent. Insgesamt kommt er auf starke 93,8 Prozent sowie 92,5 Prozent im Finale. Der kühle Finne strahlt viel Ruhe und Sicherheit aus, die sich auf seine Vorderleute überträgt und parierte auch schon den einen oder anderen unhaltbaren Schuss. Binnington ist der Senkrechtstarter bei den Blues: Seitdem er im Januar dieses Jahres zur Nummer 1 befördert wurde, eilt seine Mannschaft von Sieg zu Sieg. In seinen ersten Play-offs überhaupt kommt er auf eine Fangquote von 91,1 Prozent - im Finale sind es 90,1 Prozent. Anders als Rask, der als Favorit für die "Conn Smythe Trophy" für den wertvollsten Spieler der Play-offs gilt, hatte Binnington auch schon das eine oder andere "Soft Goal" (haltbare Gegentore) dabei.

Heimvorteil oder Heimnachteil?

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (2 Uhr MESZ) kommt es zum Showdown: Es ist definitiv das letzte Spiel in einer langen Saison 2018/19. Der Sieger in diesem finalen Duell gewinnt den Stanley Cup. Gespielt wird im TD Garden in Boston. Doch ist das Heimrecht ein Heimvorteil oder ein Heimnachteil? Immerhin haben die Bruins in den Play-offs 2019 "nur" eine 7-5-Bilanz auf eigenem Eis, während die St. Louis Blues auf eine starke 9-3-Auswärts-Ausbeute kommen. Glanz oder Gloria? Eine Mannschaft wird mit ihren Namen auf dem 90 Zentimeter hohen und 20 Kilogramm schweren Stanley Cup verewigt werden.

Christian Rupp

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