3. Liga

3. Liga: Geisterspiele oder Abbruch? Ein Konsens ist nicht in Sicht

Gemeinsame Erklärung der bayerischen Klubs: "Fortsetzung alternativlos"

3. Liga: Geisterspiele oder Abbruch? Ein Konsens ist nicht in Sicht

Hitzige Diskussionen: Wie soll mit der Drittliga-Spielzeit 2019/20 verfahren werden?

Hitzige Diskussionen: Wie soll mit der Drittliga-Spielzeit 2019/20 verfahren werden? imago images

Während manchem Verein bei einem Abbruch der Saison die Insolvenz droht, sehen andere dieses Schicksal im Falle von Geisterspielen auf sich zukommen. Kein Wunder also, dass sich die Klubs mit dem DFB - anders als in den ersten beiden Ligen, wo die Fernsehgelder deutlich stärker ins Gewicht fallen - bisher nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen konnten. Nur eines ist seit dem Mittwochnachmittag klar: Mindestens für die nächsten knapp fünf Monate können höchstens Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Darauf verständigten sich die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch. Doch Sportveranstaltungen waren dabei noch "kein Thema", so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Ob und wann im Profifußball Partien ohne Publikum möglich sind, müsse "man noch diskutieren."

13:7 für eine Fortsetzung

Bei einem zeitnah beschlossenen Saisonabbruch würde Klarheit für die Vereine herrschen. Eine Fortsetzung hingegen würde weiter von der Zustimmung der Behörden abhängen. Diese wird wohl - wenn überhaupt - noch einige Wochen auf sich warten lassen. Die Mehrheit der Liga will dennoch weitermachen: 13 der 20 Vereine sollen sich auf der Managertagung in der vergangenen Woche für eine Fortsetzung der Spielzeit ausgesprochen haben, sieben entsprechend für ein vorzeitiges Ende.

3. Liga - Torjäger 2019/20
Bayern München II Wriedt Kwasi Okyere
17
FC Viktoria Köln Bunjaku Albert
16
Chemnitzer FC Hosiner Philipp
16
3. Liga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
MSV Duisburg MSV Duisburg
47
2
Waldhof Mannheim Waldhof Mannheim
44
3
SpVgg Unterhaching SpVgg Unterhaching
44
3. Liga - Topspieler (Tor) 2019/20
Hansa Rostock Kolke Markus
2,65
SpVgg Unterhaching Mantl Nico
2,69
MSV Duisburg Weinkauf Leo
2,76
3. Liga - Topspieler (Abwehr) 2019/20
Hallescher FC Mai Sebastian
2,81
SV Meppen Puttkammer Steffen
2,85
SV Meppen Amin Hassan
2,92
3. Liga - Topspieler (Mittelfeld) 2019/20
MSV Duisburg Stoppelkamp Moritz
2,78
Waldhof Mannheim Christiansen Max
2,91
Bayern München II Kern Timo
2,91
3. Liga - Topspieler (Sturm) 2019/20
SV Meppen Undav Deniz
2,50
1860 München Lex Stefan
2,80
Chemnitzer FC Hosiner Philipp
2,84

Bayerns Drittligisten stimmten sich ab

Die fünf bayerischen Klubs - der TSV 1860 München, der FC Ingolstadt, die SpVgg Unterhaching, der FC Bayern München II und die Würzburger Kickers - gaben an diesem Donnerstag eine gemeinsame Erklärung ab, man sehe die "Fortsetzung der Saison als alternativlos an". "Es gibt für uns gar keine andere Lösung als die Saison zu Ende zu spielen, weil nur dann ein sportlich faires Endergebnis zustande kommt. Ansonsten sehe ich eine große Gefahr, dass der Fortbestand dieser ohnehin wirtschaftlich problematischen 3. Liga auf dem Spiel steht", sagte Unterhachings Präsident Manfred Schwabl.

Es gibt für uns gar keine andere Lösung als die Saison zu Ende zu spielen, weil nur dann ein sportlich faires Endergebnis zustande kommt.

Unterhachings Präsident Manfred Schwabl

"Wer jetzt den freiwilligen Abbruch der 3. Liga fordert, sollten die Gesundheitsbehörden zu dem Schluss kommen, unter bestimmten Auflagen Spiele ohne Zuschauer zu genehmigen, gefährdet die zukünftige Existenz der 3. Liga. Denn bis dato habe ich bei all den Diskussionen noch kein Sachargument gehört, dessen Bewertungsgrundlage sich nach Aussagen renommierter Experten in den nächsten sechs bis acht Monaten zum Thema Geisterspiele verändern wird. Wer sich folglich jetzt gegen Geisterspiele ausspricht, wird zu Ende gedacht auch in sechs bis acht Monaten keine geänderte Bewertungsgrundlage vorfinden", begründet Löwen-Geschäftsführer Günther Gorenzel die Forderung des Quintetts.

Abbruch für das "wirtschaftliche Überleben" am sinnvollsten?

Anders bewertet man die Lage im Osten der Republik. Der Hallesche FC, Carl Zeiss Jena und der FSV Zwickau forderten gemeinsam bereits einen Abbruch der Saison. Dieser Meinung hat sich inzwischen auch Mario Kallnik, Geschäftsführer der 1. FC Magdeburg Spielbetriebs GmbH und Mitglied des DFB-Drittliga-Ausschusses, angeschlossen. "Im Sinne der Gesundheit und für das wirtschaftliche Überleben möglichst vieler Vereine wäre ein Abbruch der Drittligasaison die sinnvollste Lösung", erklärte der 45-Jährige in der "Magdeburger Volksstimme".

Auch beim Tabellenvorletzten Sonnenhof Großaspach klingt dies ähnlich. "Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs, so sehr wir uns diese auch wünschen, kann nur im gesellschaftlichen Kontext stehen. Den sehen wir Stand heute nicht, ganz unabhängig von wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen. Die Gesundheit steht über allem", so Vorstandsmitglied Philipp Mergenthaler. Doch in diesem Fall blieben zahlreiche Fragen zu klären. Wie wird die Tabelle gewertet? Wer steigt auf? Gibt es Absteiger? Oder wird die Spielzeit gar annulliert? Klagen von am Ende benachteiligten Klubs dürften kaum zu vermeiden sein.

Die Tabellenposition ändert die Perspektive

Neben den oben genannten Vereinen sprechen sich auch die Verantwortlichen von Waldhof Mannheim und Preußen Münster für einen Saisonabbruch aus. Doch unabhängig von der individuellen wirtschaftlichen Situation könnten diese Klubs von einem Abbruch auch profitieren. Während Mannheim (Tabellen-2.) auf den Aufstieg pochen wird, hätten die abstiegsbedrohten Klubs aus Magdeburg (15.) und Halle (16.) in jedem Fall den Klassenerhalt sicher. Und Zwickau (17.), Münster (18.) und insbesondere Jena (20.), das bei 16 Punkten Rückstand aufs rettende Ufer im Normalfall ein sicherer Absteiger wäre, dürften darauf hoffen, dass die Abstiegsregelung ausgesetzt wird. Denn der Gang in die 4. Liga wäre finanziell deutlich verheerender als die Austragung von Geisterspielen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die SpVgg Unterhaching (3.), der SV Meppen (4.), der FC Ingolstadt (5.), 1860 München (6.), Hansa Rostock (8.), Eintracht Braunschweig (9.) und die Würzburger Kickers (10.) - alle mit maximal drei Zählern Rückstand auf die Aufstiegsplätze - sich für ein Saisonende mit Geisterspielen aussprechen, um ihre realistische Chance auf einen der Top-Drei-Plätze zu wahren.

Schießbude, Spätzünder, ruhende Bälle: So fielen die Tore und Gegentore

Doch die Frage der sportlichen Gleichberechtigung muss auch bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs gestellt werden. Schon jetzt zeigt sich, wie unterschiedlich die Kontaktbeschränkungen nicht nur von den verschiedenen Bundesländern gehandhabt werden. Selbst innerhalb eines Landes liegt es an den Kommunen, in welcher Art und Weise der Trainingsbetrieb wieder freigeben wird. Während beim TSV 1860 München, Viktoria Köln, Hansa Rostock und dem MSV Duisburg etwa das Training in Kleingruppen bereits wiederaufgenommen wurde, sieht die Lage in Jena ganz anders aus.

Dort herrscht ein striktes Kontaktverbot bis zum 19. April inklusive Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Durch die jüngste Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz dürfte dies ebenso bis zum 3. Mai verlängert werden. Die Folge: Jegliches gemeinsame Training auf dem Vereinsgelände wäre untersagt. "Das ist ein Nachteil für uns und die Vereine, die aktuell zuhause sind. Da kann man von einer gewissen Wettbewerbsverzerrung sprechen", monierte Jenas Coach René Klingbeil jüngst. "Wenn nicht alle Mannschaften die gleichen Bedingungen haben, ist das eine Wettbewerbsverzerrung", formulierte Kallnik im kicker-Interview noch etwas deutlicher.

Vor der möglichen Fortsetzung der Spielzeit hätte der eine Verein somit wohl mehrere Wochen Vorbereitungszeit, während sich andere mit deutlich weniger Einheiten zufriedengeben müssten. Ähnlich wie in Thüringen gestaltet sich die Situation auch in Baden-Württemberg, wo das Training für die Teams aus Mannheim und Großaspach untersagt ist.

Unabhängig von den lokalen Gegebenheiten wäre der organisatorische Aufwand in jedem Fall immens. Ähnlich wie im Plan der DFL für die 1. und 2. Bundesliga müssten Spieler und Betreuer regelmäßig auf das Corona-Virus getestet werden.

Moritz Kreilinger

Die Trikots der Drittligisten 2019/20