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Urteil vertagt - Was Fritz Keller an der Verhandlung "genossen hat"

Ethikkammer entscheidet erst in der kommenden Woche

Urteil vertagt - Was Keller an der Verhandlung "genossen hat"

Lange Anhörung: Fritz Keller am Freitag in Frankfurt.

Lange Anhörung: Fritz Keller am Freitag in Frankfurt. picture alliance

Nach seinem wohl letzten Auftritt als DFB-Präsident verließ Fritz Keller die Verbandszentrale in Frankfurt ohne Urteil über seinen Nazi-Vergleich. Die Ethikkammer des DFB-Sportgerichts unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz vertagte am Freitag die Entscheidung im Verfahren gegen Keller auf Abruf. "Für Mitte nächster Woche ist mit einer Entscheidung zu rechnen", erklärte Lorenz nach der rund dreieinhalbstündigen nicht-öffentlichen Verhandlung.

Keller nahm vor dem dreiköpfigen Gremium um Lorenz, Dr. Wolfgang Otten und Dr. Holger Schindler, das erstmals überhaupt zusammengekommen war, ausführlich Stellung zu seiner verbalen Entgleisung gegen den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch, den er bei der Präsidiumssitzung am 23. April mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte. Die DFB-Ethikkommission hatte deswegen beraten und ihr Ergebnis dem Sportgericht zur Entscheidung vorgelegt.

"Es war sein großes Anliegen, vor einem objektiven Gremium seine Sichtweise darzulegen. Für ihn war es sehr wichtig, dies machen zu können", sagte Kellers Anwalt Christoph Schickhardt am Freitag. "Er war sehr berührt und betroffen durch die Umstände der letzten Wochen."

"Wir sind hochzufrieden über den Verlauf der Verhandlung und die Qualität des Gerichts"

Die Anhörung habe in sehr vertrauenswürdigen Atmosphäre stattgefunden, so Schickhardt. "Wir wurden genau angehört, was wir zu den Vorwürfen und den Umständen zu sagen haben. Es wurde auch ausführlich über die Rahmenbedingungen im DFB gesprochen." Es brauche auch im Fußball "vertraute Räume, in denen man offen sprechen kann. Wo man Kritik üben kann, ohne das gleich etwas durchgestochen wird. Das hat Fritz Keller genossen. Wir sind hochzufrieden über den Verlauf der Verhandlung und die Qualität des Gerichts und der gestellten Fragen."

Unabhängig vom Urteil dürfte Keller am kommenden Montag wie angekündigt von seinem im September 2019 übernommenen Amt zurücktreten. Der 64-Jährige hatte unter dem Druck der massiven öffentlichen Kritik und dem Misstrauensvotum der Chefs der Länder- und Regionalverbände bereits am vergangenen Dienstag seine "grundsätzliche Bereitschaft" zum Rückzug nach Abschluss des Verfahrens erklärt. Interimsweise soll Koch zusammen mit dem zweiten ersten Vizepräsidenten Peter Peters die DFB-Führung übernehmen.

kon/dpa

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