EM

Spielabbruch in Podgorica: Russland legt Protest ein

Russlands Keeper Akinfeev gibt Entwarnung

Spielabbruch in Podgorica: Russland legt Protest ein

Igor Akinfeev

Wurde von einem Feuerwerkskörper am Kopf getroffen: Russlands Torwart Igor Akinfeev, in der Champions League noch mit ZSKA Moskau Gruppengegner von Bayern München. Getty Images

Akinfeev wurde am Samstag auf der Website des russischen Fußball-Verbandes RFS wie folgt zitiert: "Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben." Der Keeper zeigte sich hinsichtlich der Ereignisse gefasst: "Unglücklicherweise passieren manchmal solche Dinge im Fußball, aber ich hoffe, dass so etwas in Montenegro oder in einem anderem Land nicht wieder passiert."

Der Moskauer Schlussmann war nach dem Treffer durch den Leuchtkörper zusammengebrochen, nach einer Behandlung mit einer Trage vom Feld getragen und direkt ins örtliche Krankenhaus gebracht worden. Wie ein russischer Sprecher zunächst mitteilte, soll sich der 28-Jährige bei Bewusstsein befunden haben. Die genaue Diagnose folgte am späteren Abend nach der Untersuchung: Nackenblessur sowie kleinere Brandverletzungen.

Trainersteckbrief Capello
Capello

Capello Fabio

Spielersteckbrief Akinfeev
Akinfeev

Akinfeev Igor

Spielersteckbrief Lodygin
Lodygin

Lodygin Yuri

Geleitet wurde die Begegnung von Bundesliga-Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach), der das Spiel sofort nach dieser Aktion für rund 35 Minuten unterbrach und die Teams in die Katakomben schickte. Laut der Deutschen Presse-Agentur soll ohnehin eine aufgeheizte Stimmung während der Partie geherrscht haben, inklusive einiger Auseinandersetzungen zwischen beiden Fanlagern.

Nach der Unterbrechung hütete Yuri Lodygin von Zenit St. Petersburg das russische Gehäuse. Doch nur bis zur 67. Minute, als sein Landsmann Roman Shirokov einen Elfmeter verschoss und sich direkt danach weitere schwere Auseinandersetzungen abspielten - scheinbar auch zwischen den Spielern auf dem Feld. Die Begegnung wurde danach von Referee Aytekin beim Stand von 0:0 abgebrochen.

Inzwischen kündigten die Russen an, dass sie nach diesem Skandalspiel Protest einlegen wollen. Dies sagte Nikolai Tolstych, Chef des russischen Fußballverbandes RFS gegenüber dem TV-Sender Rossija-2. "Das Spiel hätte nicht fortgesetzt werden dürfen, nachdem Akinfeev von dem Feuerwerkskörper getroffen wurde", kritisierte Russlands Nationaltrainer Fabio Capello. Die UEFA hätte das Spiel abbrechen müssen, meinte er. Diese wartet unterdessen auf den Bericht des Unparteiischen und des UEFA-Delegierten und wird voraussichtlich anschließend en Ermittlungsverfahren gegen den montenegrinischen Fußball-Verband einleiten. Man kann davon ausgehen, dass die Partie wohl 3:0 für Russland gewertet wird. Darüberhinaus könnten Montenegro weitere Sanktionen in Form einer Platzsperre für Heim-Landerspiele drohen.

Igor Akinfeev

Igor Akinfeev hält sich den Kopf, der Gegenstand liegt ein Stück weit hinter ihm. Getty Images

Es ist nicht der erste Fall

Die Attacke gegen Akinfeev war nicht der erste Skandal in der laufenden EM-Qualifikation. Im Oktober 2014 war bereits das Spiel zwischen Serbien und Albanien abgebrochen worden . Auslöser war hierbei eine ferngesteuerte Drohne, an der eine Fahne mit einer Abbildung Großalbaniens befestigt war. Danach kam es zu heftigen Ausschreitungen inklusive eines Platzsturms. Die UEFA wertete die komplett abgebrochene Partie nachträglich mit 3:0 für Serbien, zog aber gleichzeitig den Gastgebern diese drei Punkte wieder ab. Beide Verbände wurden außerdem mit einer Geldstrafe von jeweils 100.000 Euro belegt.

zum Thema

Erst in dieser Woche hatte sich zudem UEFA-Präsident Michel Platini in Wien besorgt über die immer weiter steigende Gewalt in Stadien und den damit einhergehenden Rassismus gezeigt: "Aufgrund seiner Beliebtheit, ist unser Sport ein Gradmesser für die Probleme auf unserem Kontinent. Und dieser Gradmesser zeigt Beunruhigendes an."

aho/mag/jch/dpa