Regionalliga

Sehnsucht, Solidarität, Wucht, Neidhart: RW Essen will nach 13 Jahren endlich hoch

Traditionsklub lechzt nach dem Aufstieg

Sehnsucht, Solidarität, Wucht, Neidhart: RW Essen will nach 13 Jahren endlich hoch

Uhlig, Neidhart, Nowak

Geballte sportliche Kompetenz: Essens Vorstandsboss Marcus Uhlig, Coach Christian Neidhart und der Sportliche Leiter Jörn Nowak (v. l.). imago images

Die Saison 2019/20? Keine zum "ganz vergessen", aber doch ein erneuter vergeblicher Versuch, den ersehnten Aufstieg in die 3. Liga zu realisieren. Dabei hatte Marcus Uhlig nach dem sportlichen Anlauf - Essen beendete die angebrochene Saison auf Platz 3 - noch lange um den Aufstieg gekämpft. Doch weder das Konzept des Vorstandsvorsitzenden für eine Aufstiegsrunde oder ein Antrag auf eine zweigleisige 3. Liga fruchteten, zwischenzeitliche Gedanken über rechtliche Schritte gegen den Verband wurden wieder verworfen. In die Relegation durfte nach dem Verzicht von Rödinghausen der Zweite SC Verl - und spielt nun eine Liga höher.

Uhlig aber hatte zumindest Zeichen gesetzt, seinen unbedingten Willen veranschaulicht, den Traditionsklub aus der Regionalliga nach oben zu führen. Ein weiteres untrügliches Zeichen folgte danach - mit der Verpflichtung von Trainer Christian Neidhart, der nach sieben Jahren beim SV Meppen freiwillig von der dritten in die vierte Liga geht und seit dem letzten Drittliga-Abstieg der 16. Trainer beim Ruhrpottverein ist.

Rot-Weiss Essen - Vereinsdaten
Rot-Weiss Essen

Gründungsdatum

01.02.1907

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Trainersteckbrief Neidhart
Neidhart

Neidhart Christian

Du kannst nicht nach Essen gehen und sagen, du willst Zweiter oder Dritter werden.

Christian Neidhart

Seine Mission ist dem 51-Jährigen, der fast komplett auf Urlaub verzichtete, klar: "Du kannst nicht nach Essen gehen und sagen, du willst Zweiter oder Dritter werden." Den Trainer erachtet Uhlig als wichtiges Puzzleteil bei den Aufstiegsambitionen: Er stehe "stark im Wind, auch wenn es mal nicht so läuft", äußert sich der Vereinsboss gegenüber der dpa, und "genau so jemanden brauchen wir hier".

Sieben Jahre Bundesliga-Tradition hat RWE, mehr als alle anderen, aktuell unterhalb der 3. Liga spielenden Vereine. Klangvolle Namen spielten für die Rot-Weissen: Otto Rehhagel, "Ente" Lippens, Horst Hrubesch, Frank Mill, Mario Basler oder Mesut Özil. Und natürlich Helmut Rahn, der Schütze des Siegtores beim "Wunder von Bern" 1954, an den eine Statue vor dem Stadion an der Hafenstraße erinnert.

Ein Verein mit einer solchen Tradition hat unglaubliche Wucht. Wucht, die auch beeindruckende Zuschauerzahlen verdeutlichen: Rund 11.000 Fans zählten die Essener im Vorjahr durchschnittlich bei ihren Heimspielen - bei einem Ligaschnitt von 1400 ...

Auch was das Zuschauervolumen anbelangt, wäre der Klub also eine echte Bereicherung für die 3. Liga - wenn denn auch die Fans wieder ins Stadion strömen dürfen. In Corona-Zeiten ist somit die Rückkehr in den Vollprofi-Bereich noch mal elementarer, man werde auch in der kommenden Saison die Unterstützung von Fans und Partnern brauchen, weiß Uhlig.

Uhlig: "Wahnsinnige Solidarität"

Es ist wohl auch diese Fan-Sehnsucht nach dem Aufstieg, warum der 49-Jährige in der abgelaufenen Saison auf eine "wahnsinnige Solidarität" bauen konnte, die sich unter anderem in einer 94-prozentigen Verzichtsquote bei der Ticketrückerstattung zeigte. Das Minus von "nur" 700.000 Euro blieb so überschaubar. "Es ist keineswegs so, dass hier die Lichter ausgehen, wenn wir nicht aufsteigen sollten." Harakiri jedenfalls werde es bei Essenern nicht geben: "Wir setzen hier nicht alles auf eine Karte. Wir geben definitiv nur Geld aus, das wir haben", sagt Uhlig.

Es gibt also keine "Alles-oder-Nichts-Situation" für die Essener. Alles wäre sicherlich nicht nur Uhlig am liebsten.

jch

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