Regionalliga

Regionalliga-Reform: Fast alles auf Anfang

Koch: "Die Diskussion ist noch nicht zu Ende"

Regionalliga-Reform: Fast alles auf Anfang

Rainer Koch

"Es ist nicht verantwortbar, die regionale Identität der Regionalliga Nordost zu zerstören": Rainer Koch. imago

Um 18:28 Uhr kam Ingo Kahlisch aus dem Tagungsraum. "Jetzt haben wir es geschafft", vermeldete der Trainer des Nordost-Regionalligisten Optik Rathenow. Wie das Ergebnis aussah, wollte der 62-Jährige nicht verraten, das tat dann anschließend Dr. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), Vizepräsident des DFB und am Dienstag Sitzungsleiter, auf der offiziellen Pressekonferenz. "Es ist nicht möglich, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, ohne dass es irgendwo in Fußball-Deutschland große Probleme gibt", sagte Koch. Für den Erhalt der Staffeln Nord, Nordost und Bayern votierte deshalb die deutliche Mehrheit von 47 Klubs (bei null Gegenstimmen, vier Enthaltungen), berichtete Koch, der erklärte: "Es ist nicht verantwortbar, die regionale Identität der Regionalliga Nordost zu zerstören."

Seit 14:30 Uhr hatten die Vertreter der drei Regionen in einem Hotel in der Nähe von Halle getagt. Koch sprach von einer "sehr intensiven und sachlichen Diskussion", berichtete aber auch von "kontroversen Meinungen", denn "die Interessen sind so unterschiedlich". Mit dem Votum vom Dienstag soll nun ein Vorschlag gefunden sein, für den sich auf dem DFB-Bundestag Ende September eine Mehrheit finden lässt. Obwohl die drei Regionen weniger als ein Drittel der Stimmen auf dem Bundestag stellen ist Koch dennoch "guter Dinge, dass sich niemand über ein so klares Votum hinwegsetzen wird", und erwartet, "dass mit dieser klaren Positionierung respektvoll umgegangen wird".

Rundum zufrieden mit dem gefundenen Kompromiss, der nicht bindend ist (Koch: "Bindend ist nur das, was der Bundestag beschließt."), zeigte sich jedoch niemand. Schließlich bliebe bei dem präsentierten Vorschlag das Problem ungelöst, dass nicht alle fünf Regionalliga-Meister aufsteigen. Genau diese Forderung aber hatte den Prozess der Regionalliga-Reform seit Jahren geprägt und den DFB-Bundestags im Dezember 2017 dazu veranlasst, eine Reduzierung von fünf auf vier Regionalligen zu beschließen.

Koch: "Ich erwarte keine Zufriedenheit"

Das am Dienstag präsentierte Modell beinhaltet, dass die drei Meister aus dem Norden, Nordosten und aus Bayern künftig zwei Aufsteiger ausspielen (je einen stellen ab der Saison 2020/2021 die Staffeln West und Südwest). Sprich: Einer aus diesem Trio schaut am Ende in die Röhre. Wie das ganze Prozedere über die Bühne gehen soll, stehe noch nicht fest, sagte Koch, der einräumte: "Ich erwarte keine Zufriedenheit, wir sind ja auch nicht wirklich zufrieden. Viele Fragen bleiben. Die Diskussion ist noch nicht zu Ende."

Zweigleisige 3. Liga?

Die "Quadratur des Kreises", wie es Drittliga-Sprecher Sven-Uwe Kühn ausdrückte, dürfte den deutschen Fußball in den kommenden Jahren also weiter beschäftigen. Eine Lösung könnte eine zweigleisige 3. Liga ermöglichen. Oder aber eine Aufstockung der höchsten Klasse unter dem Dach des DFB auf 22 Teams (bei fünf Absteigern). Dafür aber müsse die Finanzierung der 3. Liga, die seit Jahren ohnehin unterfinanziert ist, verbessert werden. Dieses Problem wird wohl auch in den Verhandlungen zum neuen Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL, der ab 2021 gilt, eine Rolle spielen. "Wir müssen der 3. Liga mehr Masse zur Verfügung stellen durch den DFB und die DFL, damit sie wirtschaftlich besser ausgestattet ist", sagte Reenald Koch aus dem norddeutschen Fußballverband.

Jan Reinold