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13.05.2019, 17:24

Deutsche Reisemobile prägen auch in Neuseeland die Szene

Expansionskurs am anderen Ende der Welt

Neuseeland gilt als Traumland für Wohnmobilfahrer. Und immer mehr deutsche Urlauber erfüllen sich diesen Traum. Das animiert auch deutsche Reisemobil-Hersteller, ihr Engagement in dem pazifischen Inselstaat zu verstärken. Allen voran die Erwin-Hymer-Gruppe.

Reisemobil Mount Cook
Atemberaubender Ausblick: Dethleffs-Reisemobil am Fuße des Mount Cook, des höchsten Berges von Neuseeland.
© Lennartz

Christchurch/Auckland. Irgendwo im Nirgendwo, kaum fünf Kilometer vom internationalen Flughafen in Christchurch entfernt, liegt das Gelände des Reisemobil-Vermieters McRent. Die Mietfahrzeuge, allesamt aus der Modellpalette des Allgäuer Herstellers Dethleffs, stehen aufgereiht auf noch staubigem Untergrund. Und das Büro von Oliver Maurer, der hier der Kundschaft aus dem fernen Europa, meist aus Deutschland, ihre rollenden Ferienwohnungen für den Traumurlaub in Neuseeland übergibt, ist noch in einem Container untergebracht. In der kargen Umgebung eines gerade erst entstehenden Gewerbegebiets wirkt alles noch ein bisschen provisorisch.

Das muss nicht verwundern. Denn McRent, wie Dethleffs ein Unternehmen der Erwin-Hymer-Gruppe und ebenso wie der Traditionshersteller in Isny ansässig, ist zwar seit über einem Jahrzehnt erfolgreich auf dem europäischen Markt tätig, auf dem pazifischen Inselstaat aber erst seit eineinhalb Jahren aktiv und demzufolge noch im Aufbau.

Bisher gibt es zwei Stützpunkte. Einen in der Hauptstadt Auckland und einen in Christchurch. Denn die meisten Wohnmobil-Urlauber, die sich nicht selten vier Wochen, sechs Wochen oder gar noch länger Zeit für die Rundreise über beide Inseln nehmen, starten auf der Südinsel in Christchurch und geben ihr Mietfahrzeug dann in der größten Stadt Neuseelands am oberen Ende der Nordinsel wieder ab - oder umgekehrt.

Im Naturparadies brummt das Geschäft

Reisemobil Neuseeland
Der Weg ist das Ziel: Dethleffs "Trend" vor beeindruckenden Berg- und Landschaftskulissen.
© LennartzZoomansicht

Dass die Erwin-Hymer-Gruppe ihr Engagement am anderen Ende der Welt verstärkt, kommt nicht von ungefähr. Denn auch auf dem Inselstaat, der für viele Urlauber die heile Welt schlechthin repräsentiert, brummt das Reisemobil-Geschäft. Neuseeland ist ein Naturparadies und Traum-Reiseland, das zwar nicht erst seit der Verfilmung des Tolkien-Epos Herr der Ringe Sehnsüchte weckt, mit der Filmkulisse von "Mittelerde" aber einen regelrechten Tourismus-Boom ausgelöst hat.

Und der hält an, weil es tatsächlich kein anderes Land auf der Erde gibt, in dem Gletscher und Regenwald, Vulkane und Geysire, Sandstrände und Fjorde oder Seenlandschaften und Weinbauregionen eine derart grandiose Vielfalt an Berg- und Landschaftspanoramen auf einer Fläche bieten, die in etwa gerade mal so groß ist wie Deutschland ohne Bayern und Sachsen.

Das Wohnmobil ist ein idealer Begleiter auf diesen Erkundungstouren. Auch weil freies Campen (Freedom Camping) in Neuseeland - von entsprechend beschilderten Ausnahmen abgesehen - erlaubt ist, sofern es sich um einen ausgewiesenen "self-contained" Camper mit eigener Toilette handelt. Oder weil passionierte Wohnmobilfahrer gern auch am anderen Ende der Welt in einem Stück Heimat unterwegs sind.

Kein billiges Vergnügen

Billig ist das freilich nicht. Ein 7,40 Meter langer Teilintegrierter Dethleffs Trend T7057 mit Einzelbetten im Heck und einem zusätzlichen Hubbett für Zwei über der vorderen Sitzgruppe kostet in der Family-Standard-Klasse, der zweithöchsten Preisklasse hinter den noch größeren Alkoven-Modellen, für einen Fünf-Wochen-Zeitraum, halb Hoch- und halb Nebensaison, umgerechnet stolze 8500 Euro Miete. Mit unbegrenzten Freikilometern zwar, aber am Ende fällt in Neuseeland noch die Dieselabgabe RUC (road user charge) von 7 NZ-Cent pro Kilometer an, die sich bei rund 5000 Kilometern auf 350 NZ-Dollar oder etwa 220 Euro summiert. Bei einem Kastenwagen Sunlight Cliff reduziert sich der vergleichbare Mietpreis auf knapp über 6000 Euro.

Im Gegensatz zum nordamerikanischen Markt mit seinen Motorhomes in XXL-Format ist die Reisemobil-Szene in Neuseeland stark europäisch geprägt. Mit teil- und vollintegrierten Fahrzeugen, Kastenwagen und Alkoven in Dimensionen, wie wir sie vom alten Kontinent her kennen. Ja, es sind sogar exakt die gleichen Modelle, die auch in Deutschland angeboten werden. Wegen des Linksverkehrs haben die Fiat-Ducato-Basisfahrzeuge zwar das Lenkrad auf der rechten Seite, der Wohnraum wird allerdings nicht spiegelverkehrt angefertigt, so dass sich die Aufbautür der Wohnkabine im Gegensatz zu neuseeländischen Modellen auf der Fahrerseite befindet.

Starker Auftritt der Deutschen

Neuerdings versucht auch Hobby mit dem Kastenwagen Vantana am Pazifik Fuß zu fassen. Den starken deutschen Auftritt verkörpert aber in erster Linie die Erwin-Hymer-Gruppe mit ihren Marken. Bürstner, Carado, Sunlight und Hymercar kommen im Mietgeschäft zum Einsatz. Vorrangig aber fallen die Dethleffs-Fahrzeuge auf. "Für die kommende Saison werden wir unsere Flotte von 95 Dethleffs-Fahrzeugen komplett erneuern", erklärt Claudia Schoushkoff. Die aus Gießen stammende Verkaufsleiterin der McRent-Zentrale in Auckland hält es für wichtig, eine aktuelle Flotte am Start zu haben - auch um sich von der Konkurrenz abzuheben. Denn die Mietfahrzeuge der Wettbewerber sind oft bis zu drei Jahren im Einsatz - und nicht immer in Topzustand.

Jucy Camper
Hauptsache auffallen: Jucy-Camper auf Toyota-Basis in markanter Grün-Lila-Einfärbung.
© LennartzZoomansicht

Die Konkurrenz ist groß in dem Inselstaat. Am auffälligsten sind zwar die in Grün-Lila (!) lackierten Jucy-Hochdachcamper auf Toyota-Basis oder die mit schrillen Graffitis besprühten Escape-Campingbusse, jeder für sich ein Unikat. Es dominieren allerdings die Campervans der Marken Britz und Maui. Letztere baut ausschließlich auf dem (alten) Mercedes Sprinter auf. Beide Labels gehören zum neuseeländischen Tourismus-Konzerns THL, der auch in Australien stark vertreten ist und pikanterweise vor wenigen Monaten ein Joint-Venture mit dem US-Unternehmen Thor Industries abgeschlossen hat.

Auf dem Weg zur Welt-AG?

Thor hatte zu Beginn des Jahres die Erwin-Hymer-Gruppe übernommen. Durch diesen Zusammenschluss entstand der weltweit größte Hersteller von Freizeitfahrzeugen mit einer führenden Marktposition in Nordamerika und Europa. Ist die Hymer-Gruppe, die ja auch schon längst ihre Fühler nach China ausgestreckt hat, über den Thor-THL-Deal also jetzt auf dem Weg zu einer Art "Welt-AG" im Caravaning-Bereich? Martin Brand, Vorstandschef der Hymer-Gruppe, zuckt mit den Schultern: "Im Moment sehen wir noch nicht, welche Auswirkungen die THL-Verbindung für uns haben könnte". Dabei ginge es ja in erster Linie um Buchungs-Plattformen fürs Vermietgeschäft, das bisher bei Thor eher unterbelichtet war. Bei dem zuletzt angeschlagenen Expansionstempo der Erwin-Hymer-Gruppe lässt die Fantasie allerdings auch engere Kooperationen möglich erscheinen.

Michael Lennartz

Traumland für Reisemobilisten - Deutsche Hersteller zeigen Präsenz
Im Rolling Home durch Neuseeland
Reisemobil Neuseeland
Achtung "Wildwechsel"

Hier könnten tatsächlich blaue Zwergpinguine die Wege des Reisemobilisten kreuzen.
© Lennartz

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