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Mit Fragezeichen, aber ohne PSG: Die Ligue 1 gibt den Startschuss

Bordeaux eröffnet Saison mit einer Nullnummer

Mit Fragezeichen, aber ohne PSG: Die Ligue 1 gibt den Startschuss

Stade Matmut-Atlantique

Dunkle Wolken als Omen? Im Stade Matmut-Atlantique von Bordeaux begann am Freitag die neue Saison in der Ligue 1. imago images

Die Corona-Krise hat auch in Frankreich weiterhin tiefgreifende Folgen. Diese waren am Freitagabend mal wieder sichtbar sein, als Girondins Bordeaux und der FC Nantes die neue Saison eröffneten - und sich 0:0 trennten. Nur 5000 Zuschauer sind momentan in Frankreich zugelassen - und so gab auch das Stade Matmut-Atlantique, die EM-Arena in der Nähe der Garonne, die wenige Kilometer weiter in den Atlantik mündet, ein trauriges, weil karges Bild auf den Rängen ab.

Dass der Ball an diesem Abend in Bordeaux überhaupt rollte und "Les marine et blanc" die Saison mit einem Heimspiel gegen den FC Nantes eröffnen durften, war dabei gar nicht geplant.

Eigentlich hätte das Traditionsduell zwischen Olympique Marseille und der AS St. Etienne den Anfang machen sollen, doch weil OM gleich mehrere positive Corona-Befunde gemeldet hatte, wurde das Spiel vor wenigen Tagen in den September und das Eröffnungsspiel vom Mittelmeer an den Atlantik verschoben. Der Vorfall zeigt, unter welch schwierigen Bedingungen Frankreich zu einem geregelten Spielbetrieb zurückfinden möchte. Schließlich bestätigte auch Nizza Ende der Woche positive Tests, folglich steht der OGC-Auftakt gegen Aufsteiger Lens ebenfalls auf der Kippe.

Die Sehnsucht nach Fußball ist groß

Die Sehnsucht nach Fußball ist in der Grande Nation jedoch groß, schließlich war die Ligue 1 nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie schnell abgebrochen worden. Zwei Pokalendspiele, die Paris gegen St. Etienne und Lyon jeweils für sich entscheiden konnte, stillten kaum den Hunger. Vielmehr wurde dieser durch das unerwartet gute Abschneiden von Paris und Lyon in der Champions League noch befeuert.

Beide Königsklassen-Vertreter dürfen natürlich später in die Saison starten, erst recht das Team von Thomas Tuchel, das erst am kommenden Sonntag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) im Finale auf den FC Bayern trifft und die Chance hat, zum ersten Mal seit 1993 den Henkelpott wieder nach Frankreich zu bringen.

PSG fehlt somit zwar beim Start an diesem Wochenende, präsent ist der Serienmeister trotzdem. Wie auch in der Bundesliga ist die Hoffnung auf Abwechslung nach sechs Meisterschaften in sieben Jahren groß - und durchaus zugetraut wird dem einen oder anderen Klub, die Vormachtstellung der Hauptstädter endlich zu brechen, so wie es zuletzt Monaco 2017 gelang. Da ist zum einen Lyon, das zwar aus einer unbeständigen Saison kommt, jedoch mit vielversprechenden Akteuren wie Kapitän Memphis Depay, Maxwel Cornet oder Houssem Aouar gespickt ist - und sich nach vielen Jahren voller internationaler Teilnahmen erstmals voll auf die nationale Liga fokussieren kann.

Und die größte Enttäuschung der Rhone-Städter könnte dabei zum Vorteil werden, nämlich erstmals seit 16 Jahren nicht im internationalen Geschäft vertreten zu sein. Die Entschlossenheit ist entsprechend groß, die Ligue 1 aufzumischen und das eigene Image wieder aufzupolieren. Dieser Antrieb führte schon in der Champions League bis ins Halbfinale.

Kovac im Fürstentum - wird Monaco wieder ein Meisterschaftsfavorit?

Niko Kovac

Wurde knapp einen Monat vor dem Saisonstart in Monaco als neuer Trainer vorgestellt: Niko Kovac. imago images

Eine ähnliche Zielsetzung verfolgt auch die AS Monaco. Mit Niko Kovac auf dem Trainerstuhl, Torschützenkönig Wissam Ben Yedder und Vorjahres-Transfercoup Gelson Martins, der jedoch manches schuldig blieb, plant man im Fürstentum nach einer weiteren enttäuschenden Saison den Angriff. Zwar hielt sich Monaco anders als 2019 von den Abstiegsrängen fern, aber auch Platz 9 entsprach keineswegs den hohen Ansprüchen im Schatten des Mont Agels. Der Kader des ehemaligen Champions-League-Teilnehmers ist kräftig durchgemischt worden und soll im Kräftemessen mit der nicht minder ambitionierten Konkurrenz aus Marseille, Rennes und Lille die Oberhand behalten.

Gerade der OSC steht dabei im Fokus, will der Klub aus Hauts-de-France seine vergangenen Leistungen mit Platz 2 und 4 doch bestätigen. Zwar gehen "Les Dogues" anders als im Vorjahr nur in der Europa League an den Start, was Lilles Position auf dem Transfermarkt leicht einschränkte und wohl auch den Abgang von Victor Osimhen - den Stürmer zog es für rund 60 Millionen Euro nach Neapel - zur Folge hatte. Für große Befürchtungen sorgt das jedoch nicht. Der von mehreren Topklubs nachhaltig umworbene Sportdirektor und Mastermind Luis Campos hat es schließlich immer wieder geschafft, dem Team um den Ex-Münchner Renato Sanches vielversprechende Talente hinzuzufügen, wie Boubakary Soumaré (22) und Jonathan Ikoné (22).

Mal wieder tummeln sich viele Talente in der Ligue 1

Überhaupt dürfte die Ligue 1 auch in der kommenden Saison ihrem Ruf als Talente-Reservoir alle Ehre machen - und das auch außerhalb der PSG-Akademie. Wie schlagen sich zum Beispiel Jonathan David (20), der von Gent zu Lille wechselte und neben Alphonso Davies als eines der größten Versprechen des kanadischen Fußballs gilt, Axel Disasi (22, Monaco), Ibrahima Diallo (21, Brest), Kasper Dolberg (22, Nizza), Aouar (22, Lyon), Eduardo Camavinga (17, Rennes), Rayan Cherki (17, Lyon), Bruno Guimaraes (22, Lyon), Adam Lewis (20, Amiens) oder Imran Louza (21), der am Abend wohl in Nantes' Startelf gegen Bordeaux stehen wird?

Viele Fragen und Fragezeichen - und trotzdem ist die Vorfreude groß, dass der Ball endlich wieder rollt in der Ligue 1.

pau

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