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Hartwig: "Bei der Torhymne verhandle ich gerade"

Bochum-Leihgabe im Interview

Hartwig: "Bei der Torhymne verhandle ich gerade"

Luis Hartwig ist in St. Pölten angekommen.

Luis Hartwig ist in St. Pölten angekommen. GEPA pictures/Johannes Friedl

Herr Hartwig, Sie haben in den letzten drei Spielen fünf Tore gemacht, im Herbst im Schnitt alle 91 Spielminuten einen Treffer erzielt und sind damit der effizienteste Zweitliga-Stürmer. Warum lief es zuletzt wieder so gut für Sie?

Es lief schon in der Anfangszeit recht gut mit drei Toren und einer Vorlage in den ersten vier Spielen. Dann hat es mich ein wenig mitgerissen, dass ich 1.000 Kilometer von zu Hause weg bin, zehn Stunden entfernt. Ich habe die ersten 19 Jahre meines Lebens immer daheim gelebt. Dann habe ich wieder mehr den Kontakt zu meinen Freunden und meiner Familie gesucht und als dann meine Familie und Freunde zu Besuch kamen, habe ich gleich drei Tore gegen die Young Violets gemacht. Das hat mir dann einen Push gegeben. Ich bin jetzt auch mehr privat mit Mannschaftskollegen zusammen und würde sagen, dass ich endlich angekommen bin in St. Pölten.

Sie haben sechs Mal mit rechts und zwei Mal mit dem Kopf zugeschlagen. Ist der linke Fuß noch ausbaufähig?

Ich habe sogar zwei, drei Tore mit links gemacht! Aber die wurden immer wegen Abseits aberkannt. So schlecht ist mein linker Fuß nicht, aber mit dem rechten fühle ich mich wohler. Wenn ich jetzt darüber nachdenke - extra auf rechts habe ich mir den Ball eigentlich bei keinem meiner Tore gelegt, es hat einfach immer gepasst in diesem Moment.

Bedauern Sie es, dass die Herbstsaison nun schon vorbei ist?

Drei Monate Pause bis zum nächsten Pflichtspiel ist schon eine lange Zeit. Aber wir haben jetzt auch gute Testspielgegner wie den LASK zum Beispiel. Da kann ich die Zeit nutzen, um vielleicht meine Torausbeute in der Rückrunde nochmal zu steigern. Außerdem ist es ein Privileg, Fußballer zu sein. Da machen zwei, drei Monate Spielpause mit viel Trainingsarbeit nichts aus.

In Bochum waren Sie lange im Nachwuchs, aber auch schon bei den Profis im Einsatz. Wie groß war die Umstellung vom VfL zum SKN?

Es ist ziemlich ähnlich. Die Intensität ist hier manchmal sogar ein bisschen höher, aber dafür ist die individuelle Klasse in Bochum größer. Da hast du etablierte Leute, die teilweise über 100 Bundesliga-Spiele gemacht haben. Die sparen sich vielleicht mal zwei, drei Meter, stehen aber besser im Raum und machen viel mit Auge und mit Kopf, was für Junge manchmal schwierig zu begreifen ist. In der 2. Liga hier ist Michael Liendl vom Grazer AK so ein Spieler, auf den du höllisch aufpassen musst. Das Niveau in Deutschland ist natürlich weit höher. Uns würde ich derzeit in der oberen Hälfte der deutschen 3. Liga ansiedeln.

In Österreich gibt es gefühlt nur drei Fanlager: Rapid Wien, Austria Wien und Sturm Graz.

Luis Hartwig lobt aber auch die Wolfbrigade

Wie ist es, vom fußballbegeisterten Ruhrpott ins Mostviertel zu wechseln?

Der Ruhrpott lebt ja viel von seinen Fans. Der VfL hat unfassbare Fans. Da ist jedes Spiel ausverkauft, egal gegen wen es geht. In Österreich gibt es gefühlt nur drei Fanlager: Rapid Wien, Austria Wien und Sturm Graz. Da bleibt nicht viel übrig. St. Pölten hat jetzt auch nicht viele Einwohner. Meine Stadt, Witten, hat auch keine 100.000 Einwohner. Wenn ich mir denke, die würden weit oben spielen, da kämen dann auch nicht mehr Leute. Unsere Fans von der "Wolfbrigade" machen hier schon eine super Stimmung, geben immer alles, und die leben auch für den Fußball und ihren Verein.

Welche Einlaufhymne ist die bessere, die vom VfL oder die vom SKN?

Da geht die Tendenz klar zu Bochum. Ich bin ja auch schon lange Bochum-Fan und früher oft auf der Tribüne gestanden. Wenn Herbert Grönemeyer 'Bochum' singt, blüht alles auf. Ich würde sagen, das kann wahrscheinlich auch in Deutschland keiner toppen.

Die Torhymne passt? Die lösen Sie ja selbst ständig aus.

Da verhandle ich gerade. (lacht, und dreht sich zum gerade anwesenden Geschäftsführer Wirtschaft, Matthias Gebauer) Die Jungs hätten gerne, dass ich meine eigene Hymne bekomme, weil es hier so ein Lied gibt, das 'Luis von do' heißt. (Gebauer wirkt amüsiert, aber vom Almhit wenig überzeugt) Aber da werden wir wohl noch länger diskutieren müssen, ob sich das einrichten lässt. Nein, Scherz! Mir ist egal, was als Hymne kommt, Hauptsache die Tore fallen.

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Sind Sie mit Bochum regelmäßig in Kontakt?

Ja, wir sind ständig in Kontakt. Auch mit einigen Spielern und mit Reha-Trainer Benedikt Oppenhäuser, mit dem ich ja letztes Jahr viel zu tun hatte. In den letzten Wochen waren die Telefonate wieder länger. Meine Spieler-Statistiken sind jetzt nicht gerade unsichtbar (lacht).

Ist der VfL Bochum dann Ihr primäres Ziel?

Bochum ist meine Heimat. Dort vor ausverkauftem Haus zu spielen, ist schon ein Ziel, etablierter Stammspieler wäre ein Traum. Aber im Fußball ist es halt immer schwierig, sich langfristige Ziele zu stecken. Mein Leihvertrag mit dem SKN läuft jetzt mal bis Sommer.

Ihr Vater, Knut Hartwig, hat im Film 'Wunder von Bern' mitgewirkt. Wie oft haben Sie sich das anschauen müssen?

(lacht) Wir habe es in allen möglichen Varianten, als CD, auf Kassette. Im Videoplayer lief es bei uns ziemlich häufig und immer wenn es irgendwo im Fernsehen ausgestrahlt wird, läuft der Fernseher. Es ist schon komisch, wenn man da den eigenen Vater als Fritz Walter sieht, und das mit einer anderen Stimme. Aber es ist ein sehr cooles Gefühl. Viele sprechen mich darauf an, warum mein Vater nicht Schauspieler geworden ist, weil er das so gut gemacht hat.

Hat Sie das so geprägt, dass sie auch deswegen Fußballer geworden sind?

Ich habe sehr viele Sportarten gemacht, vor allem auch Handball und Tennis. Mit meinem Papa Fußball zu spielen, hat als Kind aber immer am meisten Spaß gemacht. Mit zwölf Jahren war es dann soweit, dann bin ich zum VfL Bochum. Auch da habe ich mir am Anfang schwer getan, viel von daheim weg zu sein. Meine Eltern und Großeltern haben mich hin- und hergeführt, und Papa hat kein einziges Spiel ausgelassen, selbst wenn wir mal in München gespielt haben.

Haben Sie eine familieninterne Wette laufen, wer mehr Profispiele schafft?

Das nicht, aber ein Battle haben wir ständig. Wer schneller ist. Mein Dad war immer ein superschneller Spieler. Über 100 Meter hab ich ihn schon geschlagen, aber beim Topspeed noch nicht, kommt aber bald. Wenn ich die 71 Spiele in der 2. Bundesliga von ihm knacken würde, würde das in der Familie aber schon einiges auslösen. (überlegt kurz) Bei den Profitoren habe ich ihn ja schon geschlagen.

Der SKN befindet sich offiziell in einem "Übergangsjahr", hat den Aufstieg in den nächsten zwei, drei Jahren im Visier. Als Tabellenführer werden Sie wohl schon jetzt darüber nachdenken?

Ich bin ein sehr ehrgeiziger Spieler, möchte das Maximum herausholen. Unser Trainerteam und meine Mitspieler brennen auch vor Leidenschaft. Soviel kann ich schon sagen: Ich werde alles dafür geben, dass der SKN nächstes Jahr in der Bundesliga spielt.

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