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Hall of Fame: Vogts führt den Jahrgang von 2020 an

Auch Ballack, Möller, Fischer und Völler berufen

Hall of Fame: Vogts führt den Jahrgang von 2020 an

Stets ein unangenehmer Gegenspieler: Berti Vogts bei der WM 1974.

Stets ein unangenehmer Gegenspieler: Berti Vogts bei der WM 1974. imago images

Natürlich gab es Angreifer, die an Berti Vogts vorbeikamen. Offensiv vorstoßende Mittelfeldstrategen wie Johan Cruyff, clevere Stürmer wie Hans Krankl, robuste Flügelflitzer wie Steve Heighway. Die Mehrheit der Angreifer verstand er jedoch abzuwehren, im Verbund mit seinen Nebenleuten oder eben auf eigenes Tackling. Und selbstverständlich kam auch die Jury, die über die Mitglieder der Hall of Fame befindet, jetzt nicht an ihm vorbei.

Hans-Hubert Vogts, Generationen von Fußballfans nur als Berti und den über 50-Jährigen unter ihnen als "der Terrier" bekannt, wird in die Ruhmeshalle des deutschen Fußballs aufgenommen. "Damit habe ich nicht gerechnet", sagt Vogts dazu, der "besonderen Stolz" empfindet, weil er damit eine Ehre erfahre wie Weltmeister von 1954, "die ich immer bewundert habe".

Aufnahme in die Hall of fame

Völler, Vogts und Co: So reagierten die neuen Hall-of-Famer

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Mit der Mönchengladbacher Legende ziehen Andreas Möller, Michael Ballack, Klaus Fischer und Rudi Völler dort ein. Das ist das Ergebnis der virtuellen Jury-Sitzung in der vergangenen Woche, in der 22 von 29 Mitgliedern des Gremiums berieten, diskutierten und abstimmten, also entschieden.

Kohler und Co. müssen warten

Aus der Shortlist für die Abwehr hatte sich eine Stichwahl ergeben, daraus wiederum ein klares Votum für Vogts. Einer wie Jürgen Kohler muss damit auf die nächste Nominierungsrunde warten.

Für Vogts sprach neben seinen Erfolgen als Nationalspieler - Europameister 1972, Weltmeister 1974 - vor allem, dass er als idealtypischer Verteidiger seiner Zeit eine überragende Ära des deutschen Fußballs mitgeprägt hat, dabei vor allem die Gladbacher Fohlenelf, mit der er den ersten Meistertitel 1970 ebenso feierte wie 1975 und 1979 den Gewinn des UEFA-Cups. Dass Vogts 1996 noch einen weiteren EM-Titel als Bundestrainer erreichte, fiel weniger ins Gewicht.

Möller und Ballack setzen sich gegen Schuster durch

Ausgeprägte Diskussionen und drei Stichwahlen waren in Sachen Mittelfeld erforderlich, ehe Andy Möller und Michael Ballack, zwei Vertreter einer jüngeren Generation, den Zuschlag erhielten - knapp vor Bernd Schuster, der weniger im DFB-Team, aber bei den drei spanischen Top-Klubs Real und Atletico Madrid sowie FC Barcelona eine künstlerisch wertvolle und prägende Figur war. International hinterließen auch Andy Möller (Juventus Turin) und Michael Ballack (Chelsea) nachhaltig Spuren.

Andreas Möller

Legendäre Pose: Andreas Möller nach seinem entscheidenden Elfmeter gegen England im EM-Halbfinale 1996. imago images

Für den 1990er Weltmeister Möller sowie Ballack mit seiner besonderen deutschen Karriere (Chemnitz, Kaiserslautern, Leverkusen, FC Bayern) sprachen zudem zahlreiche Titel auf Klubebene sowie ihre anhaltend außergewöhnlichen, wenngleich stilistisch unterschiedlich ausgeprägten Weltklasse-Leistungen. Und wie sich Ballack 2002 im WM-Halbfinale gegen Südkorea im Dienst der Mannschaft eine Gelbe Karte "abholte", was ihm das Endspiel verbaute, war der Jury ein weiteres Argument.

Heynckes: Spieler oder Trainer?

Was für die Kohlers, Buchwalds oder Schwarzenbecks in der Abwehr gilt, hat auch im Mittelfeld Bestand - Bonhof, Schuster, Häßler oder Littbarski kommen sicher auf Wiedervorlage. Ebenso wird in der Jury weiter darüber zu sprechen sein, ob Jupp Heynckes einmal als Spieler oder als Trainer in die Hall of Fame berufen werden muss.

Diesmal erhielten im Sturm Klaus Fischer und Rudi Völler den Vortritt. Auf Fischer - den Schalker mit den Fallrückziehern, dem Jahrhunderttor und insgesamt sechs Toren des Monats, und Völler entfiel jeweils eine klare Mehrheit der Stimmen, gefolgt von Joachim Streich. Der Rekordspieler und Rekordtorschütze der DDR bleibt ein heißer Anwärter für die nächsten Neuaufnahmen.

"Riesen Ehre", "Tolle Sache"

Fischer und Möller zeigten sich beide "überrascht" und "stolz", nun unter den Größten der Großen zu sein. Möller, quasi der erste hier berufene Frankfurter, empfindet "eine riesen Ehre". Für Fischer, den ersten Schalker im Kreis der Auserwählten, ist es eine "tolle Sache" somit auf einer Stufe zu stehen mit Uwe Seeler: "Er war immer mein Vorbild."

Klaus Fischer

Der personifizierte Fallrückzieher: Klaus Fischer bei der WM 1982 gegen Frankreich. imago images

Völler, der frühere DFB-Teamchef und heutige Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, der als Torjäger in Bremen, Rom und Marseille glänzte, kann an diesem Wochenende auf diese Berufung anstoßen, wenn sich die Weltmeister von Rom gemeinsam in der Toskana an ihren großen Triumph vor 30 Jahren erinnern.

Die Karriere muss seit fünf Jahren beendet sein

"Der dritte Jahrgang knüpft nahtlos an die beiden ersten Jahrgänge an. Unsere Jury hat wieder fünf herausragende Persönlichkeiten aufgenommen, die für große deutsche Fußballmomente stehen. Die kontroverse Diskussion in der Jury über die gewählten und nicht gewählten Spieler hat die Relevanz der Hall of Fame wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt", sagte Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußballmuseums und Initiator der Aktion.

Die 29 Jurymitglieder waren im Vorfeld aufgerufen, eine persönliche Vorschlagsliste einzureichen. Nominiert werden konnten deutsche Fußballspieler von 1900 bis heute, die ihre Karriere mindestens fünf Jahre beendet haben. Zu berücksichtigen waren insbesondere herausragende Leistungen in der Nationalmannschaft vor und nach dem Krieg, in der ehemaligen DDR-Auswahl sowie im nationalen und internationalen Vereinsfußball.

Jörg Jakob

Die Hall of Fame

Die Hall of Fame ist Teil der Dauerausstellung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Die Aufnahme der Jahrgänge 2019 und 2020 erfolgt im Rahmen einer Preisverleihung im kommenden Jahr. Die nächste Jurysitzung findet im Herbst 2021 statt. Die nächsten Neuzugänge bei den Frauen werden 2021 berufen und dann vor der Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2022 in England feierlich in die Ruhmeshalle aufgenommen.

Bislang wurden gewählt:

Männer, Jahrgang 2020: Berti Vogts (Abwehr), Andreas Möller, Michael Ballack (beide Mittelfeld), Klaus Fischer, Rudi Völler (beide Angriff).

Männer, Jahrgang 2019: Oliver Kahn (Tor), Hans-Jürgen Dörner (Abwehr), Wolfgang Overath (Mittelfeld), Jürgen Klinsmann (Angriff), Helmut Schön (Trainer).

Frauen, Jahrgang 2019 (Gründungself): Silke Rottenberg (Tor), Steffi Jones, Doris Fitschen, Nia Künzer (Abwehr), Renate Lingor, Silvia Neid, Martina Voss-Tecklenburg, Bettina Wiegmann (Mittelfeld), Inka Grings, Birgit Prinz, Heidi Mohr (Angriff), Tina Theune (Trainerin).

Männer, Jahrgang 2018 (Gründungself): Sepp Maier (Tor), Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Andreas Brehme (Abwehr), Günter Netzer, Lothar Matthäus, Fritz Walter, Matthias Sammer (Mittelfeld), Uwe Seeler, Gerd Müller, Helmut Rahn (Angriff), Sepp Herberger (Trainer).

Die Jury bilden:

Frederik Ahrens (Hamburger Morgenpost), Gernot Bauer (Eurosport), Michael Bracher (DAZN), Gianni Costa (Rheinische Post), Alfred Draxler (BILD), Ralph Durry (SID), Stefan Frommann (WELT/WELT am SONNTAG), Thomas Fuhrmann (ZDF), Pit Gottschalk (Sport1), Anno Hecker (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Christian Hollmann (dpa), Jörg Jakob (kicker), Sascha Klaverkamp (Ruhr Nachrichten), Erich Laaser (VDS), Alexander Laux (Hamburger Abendblatt), Christian Löer (Kölner Stadt-Anzeiger), Manfred Loppe (RTL), Tino Meyer (Sächsische Zeitung), Peter Müller (FUNKE Sport), Mario Nauen (Sky), Manuel Neukirchner (Deutsches Fußballmuseum), Heiko Ostendorp (RND), Dirk Preiß (Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten), Katrin Schulze (Der Tagesspiegel), Dirc Seemann (Sport1), Steffen Simon (WDR/ARD-Fernsehen), Sabine Töpperwien (WDR-Hörfunk), Martin Volkmar (SPOX, Goal), Mark Weishaupt (Saarbrücker Zeitung).

Die 22 Legenden in der Hall of Fame