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eSport studieren? Schweden macht's möglich!

Ein Tag mit Arseny 'zirken' Lysenko

eSport studieren? Schweden macht's möglich!

eSport studieren? Für diese fünf Jungs wurde der Traum Realität.

eSport studieren? Für diese fünf Jungs wurde der Traum Realität. Dead Pixels

Es ist Montagmorgen, 9 Uhr. Wenn die Schüler der Strömbäcks Folkhögskola langsam aus ihren Betten steigen, ist die Sonne noch nicht aufgegangen. Das Thermometer zeigt -24 Grad und draußen ist es stockduster: Ein ganz normaler Wintertag an der schwedischen Ostküste. Während einige verschlafen mit dem Wecker ringen, freut sich Arseny 'zirken' Lysenko auf die kommenden Stunden. Denn um 11 Uhr beginnt das Counter-Strike-Training.

Studierter eSportler - das ist die Strömbäcks Folkhögskola

Seit Herbst 2016 bietet die Strömbäcks Folkhögskola das Fach eSport an. Insgesamt 15 Schülerinnen und Schüler konnten sich für das Studium einschreiben, um Teil des Pilotprojekts zu sein. Bisher wurden nur klassische Fächer wie Journalistik oder Integrationspädagogik an der schwedischen Volkshochschule angeboten. Jetzt wohnen auch eSportler in dem Internat, welches aus verschiedenen Häusern besteht. Zwischen fünf und neun Leute wohnen gemeinsam in einem Haus. In den Zimmern leben die Schüler alleine - nur in seltenen Fällen gibt es Doppelzimmer. Tatsächlich ist die Ausbildung für schwedische Verhältnisse erschwinglich: eSportler müssen bei Einschreibung eine einmalige Grundgebühr von 400 Euro zahlen. Diese beinhaltet außerdem Schulausflüge und Frühstückskaffee. Die eSportler sind aufgrund des Teambuildings verpflichtet, in dem Internat zu wohnen und zahlen somit noch einmal zwischen 410 und 440 Euro im Monat – Verpflegung und Miete sind hier inklusive.

Das Aufnahmeverfahren

Arseny 'zirken' Lysenko nach seinem ersten Offline-Sieg für Team Dead Pixels.

Arseny 'zirken' Lysenko nach seinem ersten Offline-Sieg für Team Dead Pixels. Arseny Lysenko

Der Weg zum eSport-Schüler ist aber nicht leicht. Es muss ein Bewerbungsschreiben inklusive Dokumentation des Gaming-Hintergrunds angefertigt werden. "Danach gab es Testspiele und verschiedene Prüfungen, um die eigenen Fähigkeiten zu beweisen", erinnert sich Arseny. Infolgedessen werden die Teams nach Skill-Level zusammengestellt. Der Schwede hatte Glück, er kam zu den vier besten Spielern. "Nach der Einteilung mussten wir von Grund auf neu anfangen und arbeiten jetzt dran, eines der besten Teams der Welt zu werden." Bisher fokussiert sich die Schule nur auf Counter-Strike: Global Offensive, doch die Kurse sind breit gefächert. "Wir haben allgemeine eSport-Kurse, in denen wir über die Industrie lernen. Sollten sich einige gegen eine Profikarriere entscheiden, können sie trotzdem in der Szene arbeiten", erzählt uns Arseny.

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Andere Alternativen bleiben den Schülern auch nicht. Die Ausbildung wird außerhalb nicht offiziell anerkannt. Sollte es im eSport also nicht klappen, muss eine neue Ausbildung oder ein anderes Studium her. Aber in Strömbäcks Folkhögskola dreht sich nicht alles um den elektronischen Sport. Die eSportler belegen Kurse bezüglich Ernährung, Psychologie und Gesundheit. Auch die körperliche Betätigung kommt nicht zu kurz, denn es muss mindestens zwei Mal die Woche trainiert werden.

Es ist mittlerweile 12 Uhr mittags. Das Counter-Strike-Training ist vorbei. Auch die Sonne steht mittlerweile am Himmel, und Arseny macht sich auf den Weg in die Küche, denn endlich gibt es Mittagessen. Viel Zeit zum Schlemmen hat er aber nicht. Für Arseny geht in einer Stunde der Unterricht weiter. "Mein Lieblingsfach ist auf jeden Fall eSport-Theorie. Es bietet spannende Informationen über die Szene und wie sie in Zukunft besser werden könnte", erzählt uns Arseny. Danach folgt eine kurze Verschnaufpause, doch der Terminkalender ist vollgepackt. Die nächste CS:GO-Session steht an. "Wir besprechen dann Taktiken, gucken uns gemeinsam Replays an oder überlegen, woran wir noch arbeiten müssen."

Der große Traum vom eSport-Profi

So sieht die Strömbäcks Folkhögskola von außen aus.

So sieht die Strömbäcks Folkhögskola von außen aus. Strömbäcks Folkhögskola

Doch das harte Training zahlt sich aus: Anfang Oktober 2016 wurde Dead Pixels auf 'zirken' und sein Team aufmerksam. Unter der Flagge der schweizerischen eSport-Organisation trat die Mannschaft auf der Rendezvous Lan in Schweden an – und gewann. Gegen zwölf Teams setzten sich die Jungs durch und sicherten sich so 1.600 Euro Preisgeld. "Ich bin wirklich dankbar über diese großartige Chance. Dead Pixels unterstützt uns so gut sie können und wir sind einfach total glücklich darüber", freut sich der Schwede. Bis Juni dieses Jahres lebt Arseny noch mit seinem Team in Umea, wo die Strömbäcks Folkhögskola ihren Sitz hat. Das Ziel der Jungs ist deutlich: "Wir wollen eines der Topteams in Schweden werden." Aber mit Mannschaften wie Godsent, Fnatic oder Ninjas in Pyjamas ist die Konkurrenz hart.

Es ist kurz vor Mitternacht. Die letzte Trainingspartie CS:GO haben Arseny und sein Team gerade beendet. Endlich ist Schulschluss angesagt. Doch viel Freizeit bleibt den fünf Jungs kaum: Denn morgen um 9 Uhr klingelt schon wieder der Wecker.

Kristin Banse

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