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Acht Fakten, die zeigen: Elche ist kein ganz normaler Aufsteiger

Nach kuriosem Weg über die Play-offs

Acht Fakten, die zeigen: Elche ist kein ganz normaler Aufsteiger

Saul Niguez, Ex-Trainer Pacheta und Legende Nino

Figuren, die zum FC Elche passen: Saul Niguez, Ex-Trainer Pacheta und Legende Nino (v.l.). imago images (3)

Fakt 1: Selten war ein Aufstieg unwahrscheinlicher

Dass am Ende der FC Elche als letzter von drei Klubs (Huesca und Cadiz schafften es direkt) in La Liga aufgestiegen ist, kann man schon fast nicht mehr als faustdicke Überraschung bezeichnen. In der am Ende 372 (!) Tage andauernden Zweitliga-Saison setzte sich Elche in den Play-offs durch. In diese hatte es der Klub aus der Nähe von Alicante als Tabellensechster überhaupt erst geschafft, weil Fuenlabrada (zuvor 6.) am allerletzten Spieltag in der 95. Minute das 1:2 bei Depor kassiert hatte. Elches beste Platzierung in der gesamten Saison war Rang fünf - für zwei ganze Spieltage. In den vier Aufstiegsspielen (je zwei gegen Real Saragossa und Girona) erzielte Elche dann nur zwei Tore, kassierte dafür aber kein einziges. Im Play-off-Finale in Girona erzielte Pere Milla in der 96. Minute das alles entscheidende 1:0.

Fakt 2: Eine bewegte Geschichte in Spaniens Oberhaus

Elche wurde bereits 1923 gegründet, doch es dauerte bis zur Saison 1959/60, ehe der Klub von der dritten in die erste Liga durchmarschierte. Ein fünfter Platz 1964 ist bis heute die beste Platzierung der Vereinsgeschichte. Im Jahr 1966 stellte Elche mit Luciano Sanchez Rodriguez (Spitzname Vava, nicht zu verwechseln mit dem brasilianischen Weltmeister) zum ersten und bis dato einzigen Mal den Torschützenkönig des spanischen Oberhauses (19 Treffer). Zur Saison 2012/13 kehrte Elche schließlich nach 24 Jahren Abstinenz in La Liga zurück. Sportlich lief es durchaus gut, doch trotz Rang 13 in der Saison 2014/15 musste der Verein aufgrund finanzieller Verbindlichkeiten erneut den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Nun aber ist Elche zurück.

Fakt 3: Palmen brachten den Streifen aufs Trikot

Auf der iberischen Halbinsel ist das Team von Elche auch als "Franjiverdes" (zu deutsch: die Grüngestreiften) bekannt. Doch woher kommt das eigentlich? Eine genaue Überlieferung gibt es nicht, mehrere Quellen berufen sich aber auf die gleiche Geschichte. Die ersten fünf Jahre nach Gründung trug Elche weiße Trikots, weiße Hosen und schwarze Stutzen. Bis der tschechische Trainer Anton Fivebr kam: Er soll aus der Spitze des Turms der Basilica Santa Maria den wunderbaren Blick auf die Stadt genossen haben, wobei ihm insbesondere die Palmen ins Auge stachen, die eine grüne, horizontale Linie bildeten - die Idee für neue Trikots war geboren. Fivebr veranlasste, dass die Jerseys fortan einen dicken, grünen Balken in der Mitte des Trikots tragen sollten.

Fakt 4: Elche spielt in einem WM-Stadion

Das Stadion, in dem Elche seine Heimspiele austrägt, ist ebenfalls kein ganz normales. Das Estadio Manuel Martinez Valero weist eine Kapazität von 36.000 Zuschauern auf, wurde am 8. September 1976 eröffnet und mit einem Freundschaftsspiel gegen die mexikanische Nationalmannschaft eingeweiht. Sechs Jahre später wurde es sogar Schauplatz von drei WM-Vorrundenspielen. Im 1982 noch 53.000 Zuschauer fassenden Stadion stieg unter anderem die historische Begegnung zwischen Ungarn und El Salvador - das 10:1 vom 15. Juni 1982 ist bis heute und womöglich auf ewig der höchste Sieg der WM-Geschichte.

Fakt 5: Eine Frau ist am Ruder

Alles andere als gewöhnlich ist auch, dass in Elche eine Frau am Ruder ist: Geschäftsführerin Patricia Rodriguez. Schon im Jahr 2018 staunten sie in Spaniens Oberhaus nicht schlecht, als Eibar in seiner Führungsriege fast ausschließlich mit Frauen aufwartete. Hinter Präsidentin Amaia Grostiza war Patricia Rodriguez ebenfalls Geschäftsführerin. Im vergangenen Juni übernahm die 37-Jährige dann das gleiche Amt bei Zweitligist Elche und feierte direkt nach ihrer ersten Saison den Aufstieg. Und nicht nur, dass Patricia Rodriguez die erste Geschäftsführerin überhaupt in La Liga war - seit Juni 2020 ist sie auch zweite Vizepräsidentin der Primera Division.

Fakt 6: Saul Niguez' Arm ziert ein Elche-Tattoo

Ein treuer Anhänger Elches wird in der kommenden Saison versuchen, dem Aufsteiger - wohl schweren Herzens - sechs Punkte abzuluchsen. Denn es gibt einen prominenten La-Liga-Profi, der sogar ein Elche-Tattoo auf dem Oberarm trägt: Saul Niguez. Der 25-Jährige wurde am 21. November 1994 in Elche geboren und kickte dort, ehe er mit elf Jahren zu Real Madrid wechselte und von dort später zu Stadtrivale Atletico weiterzog. Saul Niguez aber hat Elche nicht vergessen, am 24. August schickte er via Twitter Glückwünsche ("Elche war immer erstklassig") und schob ein Bild von sich aus jungen Jahren hinterher - mit Elche-Trikot, Kapitänsbinde und einem stolzen Lächeln auf den Lippen. Das Tattoo auf dem Oberarm zeigt zur Hälfte das Wappen von Atletico, zur Hälfte das von Elche.

Fakt 7: Ikone Nino ist schon 40

Keine alltägliche ist auch die Geschichte von Klub-Ikone Nino, der mit 17 für Elche debütierte und nun im Alter von 40 (!) Jahren nochmal in La Liga aufläuft. Von 1998 bis 2006 spielte der nur 1,69 Meter große Angreifer für "seinen" Klub, ehe er zu Levante, Teneriffa (80 Tore in 162 Spielen) und Osasuna weiterzog. 2016 kehrte er schließlich zu Elche zurück und hat nun noch Vertrag bis 2021. Nino ist mit 194 Treffern der Allzeit-Rekordtorschütze und Rekordspieler (über 560 Einsätze) im spanischen Unterhaus - und will es nun nochmal eine Liga höher wissen. 122 La-Liga-Auftritte stehen in seiner Vita, in denen er 24 Tore erzielte und sechs weitere vorbereitete. Im kuriosen Play-off-Halbfinale gegen Saragossa - samt fatalem Panenka-Elfmeter - erzielte Nino aus 16 Metern das entscheidende 1:0.

Fakt 8: Nach dem Aufstieg kam erstmal ein neuer Trainer

Eine achte und letzte Geschichte gibt es aber noch, denn Elche installierte zwei Tage nach dem Aufstieg erstmal einen neuen Trainer: Jorge Almiron übernahm für Juan Jose Rojo Martin, genannt Pacheta ("Ich gehe, aber mein Herz bleibt hier"). Dieser hatte im Februar 2018 bei Elche angeheuert und das Team nun durch die Play-offs bis zum Aufstieg geführt. Die Trennung kam überraschend und war auch in Spanien als "paradox" (El Mundo) bezeichnet worden. Ein "Geschmäckle" bekommt die Geschichte beim näheren Blick auf den neuen Trainer. Dieser wird nämlich vom mächtigen argentinischen Berater Christian Bragarnik vertreten - der gleichzeitig Elches Inhaber ist. Es sei nicht seine Idee, "Pacheta vergessen zu machen", betonte Almiron bei seiner Vorstellung. Zumindest verdrängt aber hat er ihn.

Maximilian Schmidt

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