Champions League

"Spektakulär": Arturo Vidal lobt die Bayern - und warnt sie zugleich

Chilene sieht Barça als "beste Mannschaft der Welt"

"Spektakuläre Entwicklung": Vidal lobt die Bayern - und warnt sie zugleich

Arturo Vidal

Er sieht Barça keineswegs als Außenseiter gegen die Bayern: Ex-Münchner Arturo Vidal. imago images

Aus Lissabon berichtet Jörg Wolfrum

Natürlich, Arturo Vidal. Ist ja in den letzten Tagen schon genug geschrieben worden und interpretiert zum Duell der beiden Torhüter, auch in Spanien. Heute erst machte "El Pais" eine ganze Seite zu Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen. Die beiden deutschen Nationaltorhüter, der eine bei Bayern, der andere bei Barça. Die Katalanen schickten daher im Bauch des Estadio Da Luz einen anderen vor, für den aktuell strauchelnden FC Barcelona zu sprechen: Vidal, den Kämpfer und Grenzgänger, der 2018 nach drei Jahren in München für 18 Millionen Euro zu Barça gewechselt war.

Er kennt also beide Seiten und Klubs. Und als "Guerrero", als Kämpfer, als der er sich selbst bezeichnet, kann Vidal momentan auch wunderbar für Barça sprechen: mit dem ihm innewohnenden Optimismus und der Angriffslust, die ihn auch mit der Nationalmannschaft Chiles immer so ehrlich wie etwas unrealistisch antrieb. Den WM-Titel hat er da früher immer ausgerufen. Ob 2014 in Brasilien oder im Vorfeld der WM 2018 in Russland - dass es Chile dann in der Qualifikation in der Endphase auf den Hosenboden setzte. Nun ja, das überraschte zugegebenermaßen nicht nur Vidal.

Aber das Lautsprecherische macht den 33-Jährigen ja durchaus sympathisch. Konformismus und Stromlinienform gibt es sonst genug, womit jetzt aber nicht Vidals diverse disziplinarische Verfehlungen von rasanten Autofahrten bis hin zu Schlimmerem goutiert werden sollen.

Bringt Setien den "Guerrero" überhaupt?

Vidal also sprach am Tag vor dem Viertelfinale gegen seinen Ex-Klub für die Katalanen und das war durchaus Programm, denn bei Barça kommen sie gefühlt so malade wie eingeschüchtert daher. Unabhängig vom 3:1 im Achtelfinal-Rückspiel vergangene Woche gegen Napoli, als man mehr Probleme hatte, als das Ergebnis offenbart und man gar den Ballbesitz mehrheitlich abgeben musste. Vidal war da gesperrt. Nun könnte er gegen seinen Ex-Klub im Da Luz auflaufen - sollte ihn Trainer Quique Setien, für den es nach verlorener Meisterschaft um die eigene Zukunft geht, bringen.

Denn Frenkie de Jong gehörte gegen die Italiener zu den Besten und der zweite Rückkehrer, Sergio Busquets, gilt als Sechser gesetzt. Busquets war gegen Napoli ebenfalls gesperrt. Der Ex-Schalker Ivan Rakitic könnte daher aus der Mannschaft rutschen oder auch Sergi Roberto.

Warten wir ab, wer das Spiel an sich reißen wird.

Arturo Vidal

Vidal tat am Donnerstag auch gleich das, was er mit Chile immer tat: Er griff verbal an. "Wir haben große Hoffnungen, die Champions League zu gewinnen." Schließlich sei er "in der besten Mannschaft der Welt". Da könne es Bayern unter Trainer Hansi Flick noch so gut gemacht haben mit zwei Titeln und einer "spektakulären Entwicklung". Auch für Vidal ist es keine Frage, dass "Bayern immer Favorit ist". Aber Barça sei eben "die beste Mannschaft der Welt... Warten wir ab, wer das Spiel an sich reißen wird."

Gefragt, woher der Pessimismus rund um den FC Barcelona komme, wenn scheinbar alles so wunderbar laufe, wie er es hier rosarot male, meinte der Chilene: "Klar, wir haben die Meisterschaft verloren, wir haben zuletzt auf dem Platz nicht gezeigt, dass wir die beste Mannschaft sind. Aber wir haben Leo und die besten Spieler und wir wollen es zeigen."

Im Übrigen gefalle ihm der Modus dieser aktuellen Königsklassen-Endphase in Lissabon. "Es ist wie bei der Copa America, man geht raus und zeigt sich von der ersten Minute." Das passt zu Vidal, der gerne auf den Putz haut, nicht nur verbal. Auch auf dem Platz. Mit acht Ligatoren war er in dieser Saison übrigens Barças treffsicherster Mittelfeldspieler, er netzte nur einmal weniger ein als Weltmeister Antoine Griezmann.

Lewandowski? "Ihn mit Messi zu vergleichen, ist unmöglich"

Und der Superstürmer auf der Gegenseite? "Lewandowski ist außergewöhnlich, sehr gefährlich, ein unersättlicher Torjäger. Es wird schwierig sein, ihn zu stoppen", gab Vidal zu. Doch dann hob er auch gleich den Zeigefinger: "Ihn mit Messi zu vergleichen, ist unmöglich. Messi ist von einem anderen Planeten." Das müsse man so sagen, betonte der Mittelfeldmann. Und schickte nach, indem er gleich ein Lob für einen anderen Mannschaftskollegen bei Barça verteilte: "Selbst dann, wenn Lewandowski gemeinsam mit Suarez der beste Stürmer sein sollte", Messi spiele nun mal in einer anderen Liga.

Überhaupt und nochmal: Bayern spiele im Da Luz "nicht gegen ein Team aus der Bundesliga, sondern gegen die beste Mannschaft der Welt". Optimismus pur. A la Vidal. Dann war er weg. Abwarten, ob man ihn am Freitag in der Startelf sieht.

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