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Alberto Mendez: Der Mann, der Arsène Wenger nach Franken lockte

Einst Arsenal London, jetzt TSG Roth

Alberto Mendez: Der Mann, der Arsène Wenger nach Franken lockte

imago images / Colorsport

Die Voraussetzungen hätten unterschiedlicher nicht sein können bei Marc Overmars und Alberto Mendez, als sie im Juli 1997 zum FC Arsenal wechselten. Der eine war zwei Jahre zuvor Champions-League-Sieger mit Ajax Amsterdam geworden, der andere spielte beim mittelfränkischen Klub 1. SC Feucht in der 5. Liga. Warum Mendez? Die technischen Fähigkeiten des Deutsch-Spaniers hatten es dem damaligen Arsenal-Trainer Arsene Wenger offenbar angetan, der Mendez bei einem Landesliga-Spiel des 1. SC Feucht beim ESV Nürnberg-Rangierbahnhof höchstpersönlich scoutete - und für gut befand.

"England? - Nee, da will ich nicht hin, da regnet es zu viel", so der erste Impuls bei Mendez, als er vom Interesse aus London hörte. Und sowieso: "Ich hatte schon im April gute Gespräche mit dem SC Freiburg, wollte ja eigentlich da hin." Doch als Mendez zum ersten Mal das Trainingsgelände sah, war es um ihn geschehen: "Nur Rasenplätze, keine Löcher im Spielfeld, wie im Amateurfußball, und dann stehst du vor Highbury (damalige Spielstätte Arsenals, d. Red.)…"

Geld spielte ob dieser ganzen Reize keine Rolle, zumindest für Mendez nicht. Feucht bekam eine deutlich höhere Ablöse, als sie Freiburg bereit gewesen war zu zahlen (knapp eine Million Deutsche Mark), und so klappte der Deal. Da das Training in London jedoch wesentlich fordernder als in Feucht war, fiel der damals 22-Jährige bald in ein körperliches Loch. Zwar wurde es mit der Zeit besser, aber den großen Durchbruch schaffte er bei Arsenal nicht.

Die Jahre darauf ließ er sich, in London mit seinem Sechsjahresvertrag ausgestattet, ausleihen. Erst zum AEK Athen, dann zur SpVgg Unterhaching. Doch auch hier hatte es der Deutsch-Spanier schwer: "In Athen wurde sich an Absprachen nicht gehalten, man musste häufig seinem Gehalt hinterherrennen. Und in Unterhaching hatte ich ein schwieriges Verhältnis zu Trainer Lorenz-Günther Köstner."

"Je weiter runter du gehst, desto schwieriger wird es"

Danach gab ihn Arsenal an den spanischen Zweitligisten Racing Ferrol ab, ehe sich der Verein nach dem Abstieg das Gehalt von Mendez nicht mehr leisten konnte. Weiter ging es beim Terrassa FC. Dort, so Mendez, "gab es ein ständiges Hü und Hott. Trainer und Manager wechselten häufig, und dann spielten auch oft ihre Lieblinge. Selbst war man dann plötzlich außen vor." Ganz generell sagt Mendez rückblickend: "Je weiter runter du gehst, desto schwieriger wird es. Große Vereine wie Arsenal wissen einfach, was sie wollen, wie sie planen müssen. Dazu verstehen große Vereine einfach viel besser, wie man mit Menschen umgeht."

Da seine Frau das Heimweh plagte, wechselte Mendez 2004 zurück nach Feucht, ehe auch in Deutschland vieles nicht rund lief: Der SC schlitterte in die Insolvenz, sein nächster Klub SpVgg Bayreuth bekam keine Regionalliga-Lizenz, in Darmstadt herrschte nach dem Abstieg in die Viertklassigkeit viel Unruhe, und in den anderthalb Jahren in Sandhausen fehlte wie bei so vielen vorherigen Karrierestationen die Kontinuität. "Mal warst du König, dann wieder ein Niemand", so Mendez.

Danach hatte er die Nase voll vom Profigeschäft, in Weiden und Amberg ließ er im Amateurfußball seine Karriere ausklingen, beim FCA fungierte Mendez nach seiner Zeit als Spieler zwischen 2011 und 2013 auch als Trainer.

Beruflich war Mendez aber wieder ganz oben im Fußballgeschäft unterwegs, arbeitete nach einem abgeschlossenen Studium der Sportökonomie bei der Firma "OptaPro", die Scouting-Systeme entwickelt. "Ich war schon bei jedem Bundesligisten", erzählt Mendez. Seine Vita sei ihm dabei eine Hilfe: "Ich weiß, von was ich spreche, habe alles gesehen, von der Landesliga bis zur Premier League."

Die dort geknüpften Kontakte verhalfen ihm im Sommer 2018 zu einer Anstellung als Scout beim FC St. Pauli. Beim Kiezklub war Mendez für Spielersichtungen in Spanien und Portugal zuständig. "Eine spannende Aufgabe und ein interessanter Markt", so Mendez, der nunmehr viel unterwegs war und somit die C-Jugend des Nürnberger Stadtteilklubs TSV Katzwang, in der sein Sohn damals spielte, nicht mehr trainieren konnte.

Ziel: "Amateurfußball wie früher"

Obwohl Mendez bei St. Pauli einen Zweijahresvertrag unterschrieb, war nach einem Jahr wieder Schluss. Grund: Die Verantwortlichen am Millerntor verpflichteten ganz andere Spieler als diejenigen, die die Scouts vorschlugen. "Man war bei den Transfers überhaupt nicht involviert. Und wenn du im Monat nur acht, neun Tage zu Hause bist und dann wird man nicht wirklich ernstgenommen, dann ist das einfach frustrierend", blickt Mendez zurück.

Frustriert war Mendez zwischenzeitlich vom unterklassigen Fußball, wie er 2018 noch mit den Worten "meine Trainertätigkeit beim FC Amberg hat mich gesättigt. Im Amateurfußball hast du einfach zuviel unnötiges Theater" deutlich machte. Doch nun übernimmt der 45-Jährige als Trainer beim mittelfränkischen Bezirksligisten TSG Roth. Wie passt das zusammen? Mendez: "Die TSG macht auf mich einen vernünftigen Eindruck, weil sie sich nicht mit den Verhältnissen im Profifußball gleichsetzt." Das heißt konkret, dass man in Roth nicht um jeden Preis den maximalen sportlichen Erfolg anstrebt, sondern vielmehr darauf achten möchte, dass sich die Leute im Verein wohlfühlen, dass Spieler länger bleiben, ein Gemeinschaftsgefühl entsteht.

"Amateurfußball wie früher, als Spieler bei einem Verein ihre Karriere begannen und dort auch aufhörten", will der Siebtligist mit Mendez auf die Beine stellen. "Klar wird man auch mal einen Spieler von außerhalb holen, aber es sollen nicht nach einer Saison zehn Spieler gehen und zehn Spieler kommen. Das Gros des Kaders wollen wir halten", sagt Mendez.

Stefan Wölfel