Junioren

FC Ingolstadt - Sabrina Wittmann arbeitet erfolgreich im NLZ des FCI

28-Jährige arbeitet erfolgeich im NLZ des FC Ingolstadt

FCI-Trainerin Sabrina Wittmann: Lob vom Chef - und von Ralph Gunesch

Sabrina Wittmann

Trainerin im Ingolstädter NLZ: Sabrina Wittmann. Foto: Lüger

Aber nein, langweilig ist ihr deswegen nicht. Wann immer die alte Saison fortgesetzt oder die neue beginnen wird, es gilt beide schon zu planen, gerade für Wittmann, die aktuell nicht nur die U 16 als Cheftrainerin leitet, sondern auch den Grundlagen- und Aufbaubereich des Nachwuchsleistungszentrums am Audi Sportpark mitverantwortet. Ihr Tätigkeitsfeld erstreckt sich also von den jüngsten Perspektivteams bis hin zu "ihrer" U 16. Dazu gehört insbesondere, derzeit eben telefonisch und schriftlich, der intensive Austausch mit den Kollegen.

Sabrina Wittmann, "Schanzerin durch und durch", wie die 28-Jährige über sich selbst sagt, hat schon viele Jugendmannschaften des FCI durchlaufen - und sie kann sich eines auf die Fahnen schreiben, was noch keine andere Frau erreicht hat: Im vergangenen Jahr, als es in der turbulenten Zweitligasaison der Profis zu einigen Personalrochaden kam, avancierte sie zur ersten U-19-Bundesligatrainerin in Deutschland.

Wenn mir das von jemandem prophezeit worden wäre, hätte ich ihn für verrückt erklärt.

Sabrina Wittmann zu ihrer Beförderung

"Wenn mir das von jemandem prophezeit worden wäre, hätte ich ihn für verrückt erklärt", sagt sie rückblickend. Doch Roland Reichel, als einer der Leiter des Ingolstädter NLZ ihr Chef, handelte keineswegs aus einer Laune heraus, als er Wittmann diesen verantwortungsvollen Posten gab, sondern aus Überzeugung: "Ich bin wegen ihrer Kompetenzen im fußballerischen und menschlichen Bereich ein großer Fan von ihrer Arbeit bei uns."

Starke Bilanz - und ein "Nebenjob" als Spielertrainerin

Und so kam es, dass die Assistentin von Roberto Pätzold schon während dessen Fußballlehrer-Lehrgangs mehr Verantwortung übernahm, als sie ursprünglich in ihrem "Lehrjahr" bei der U 19 gedacht hatte, und dann zur Chefin aufstieg, als ebenjener Pätzold kurzfristig die U 17 in deren Abstiegskampf übernahm. "Diese acht Wochen waren dann extrem intensiv", sagt Wittmann - und erfolgreich: Der Punkteschnitt von 2,4 verrät, wie gut sie gearbeitet hat, aber auch, wie das Verhältnis zur Mannschaft war. Denn so eine starke Bilanz erreicht kein Trainer oder keine Trainerin, die das Team nicht hinter sich weiß.

So ist es auch aktuell in der U-16-Landesligatruppe der Schanzer. Ihre Aufgabe dort empfindet Wittmann keinesfalls als Zurückstufung, war doch die interimsmäßige U-19-Aufgabe noch gar nicht im Karriereplan der Sportwissenschaftsstudentin vorgesehen.

"Durch die Verantwortung für den Grundlagen- und Aufbaubereich hat man mir großes Vertrauen geschenkt. Für mich ist die Leitung der U 16 kein Rückschritt, sondern die nächste Entwicklungsstufe. Im Fußball kann man schnell aufsteigen, aber auch schnell fallen", weiß Wittmann, die - sofern es die Zeit ihr erlaubt - privat gerne auch gesellschaftskritische Literatur konsumiert. Diese Zeit ist knapp, denn wann immer es ihre Arbeit in Ingolstadt zulässt, hilft sie als Spielertrainerin beim Frauen-Landesligisten SC Amicitia München aktiv aus.

DAZN-Experte-Gunesch: "Wenn der Schiri anpfeift,..."

Mittel- bis langfristig will sie neben dem Erwerb weiterer Trainerausbildungszertifikate - als nächstes steht die A-Lizenz an - tatsächlich U-19-Cheftrainerin werden. Ralph Gunesch, Ex-Profi und DAZN-Experte, hat Wittmann bei ihrer Arbeit der U 19 aber auch U 16 unterstützt. Er sagt über sie: "Für mich ist sie so der klassische Typ von 'Wenn der Schiri anpfeift, wird ein Schalter umgelegt'." Gunesch schätzt ihre Arbeit, weist dabei aber auch auf ihre Impulsivität hin. "Ja", muss sie lachend eingestehen, "da hat er Recht. Ich versuche noch, die Balance zu finden." Einerseits wolle sie ihren Jungs Emotionalität und Intensität vorleben, anderseits sei eine gewisse Ruhe an der Seitenlinie "schon ausbaufähig". Aber da sei sie eben "im Tunnel".

Wie bei allen guten Jugendtrainern steht bei ihr auch der Ausbildungsgedanke an erster Stelle. Dass sie dennoch "immer gewinnen will", beiße sich damit nicht. "Wir leben beides vor, aber wichtig sind natürlich, vor allem in den unteren Jahrgängen, gleichmäßige Einsatzzeiten." Wenn sie dann, wie in der U 16 und U 19 zwei Spielern am Wochenende sagen muss, es reiche nicht für den Kader, "ist das das Schwierigste überhaupt für mich". Sie musste lernen, damit umzugehen.

Woher ihre Liebe zum Fußball kommt, kann sie gar nicht mehr so ganz genau nachvollziehen, ihre Eltern seien zwar "auch interessiert, aber nicht mega verrückt nach Fußball". Eher schon schreibt sie ihr großes Interesse an diesem Sport ihrem jüngeren Bruder zu, dem sie oft beim Kicken zusah. So begann sie selbst in der C-Jugend und behauptete sich schon dort gegen die Jungs erfolgreich.

Akzeptanzprobleme? Fehlanzeige

Klar ist auch: Wenn es noch als etwas Besonderes gilt, dass Sabrina Wittmann als Frau solch besondere Aufgaben im Jugendbereich eines sehr guten Nachwuchsleistungszentrums erfüllt, spricht das für sie, aber eben auch für ein nicht immer hohes Standing, das Frauen im Fußball genießen, auch wenn Imke Wübbenhorst nun als Trainerin des Regionalligisten SF Lotte verpflichtet wurde.

"Im Verein war das noch nie ein Thema, und auch in meinen Mannschaften nicht", verrät sie. Akzeptanzprobleme gab es nie. Aber sie weiß auch, dass es in ihren U-16- und U-19-Teams schon gesitteter zugeht, weil die Jungs ihr Gegenüber zuweilen im Umgang eine respektvolle Zurückhaltung an den Tag legen. "Wichtig ist, dass man ehrlich und authentisch ist. Das Geschlecht spielt keine Rolle", so Wittmann über ihren Führungsstil. Und genau diese Eigenschaften kommen bei ihrem Chef Reichel gut an: "Als Persönlichkeit ist sie unheimlich klar und direkt, sie scheut sich nicht vor Diskussionen und kann sich behaupten."

Am liebsten bald schon wieder da, wo sie besonders gerne ist - auf dem Fußballplatz.

Thomas Böker