100 Jahre kicker

1933 - Bensemann und das bittere Ende

kicker-Meilensteine aus 100 Jahren Verlagsgeschichte

1933 - Bensemann und das bittere Ende

Walther Bensemann, der Gründer des kicker (5. v. li.)

Auf dem Weg in die Schweiz: Walther Bensemann, der Gründer des kicker (5. v. li.). kicker

Dann ging alles grausam schnell. Nur 20 Tage später übernahmen die Nationalsozialisten die Macht, und Bensemann bekam von der ersten Stunde an zu spüren, dass er aufgrund seiner jüdischen Abstammung in Deutschland nicht mehr erwünscht war.

Im kicker Nummer 13 vom 28. März 1933 erschien die letzte seiner berühmten Glossen, in denen er sich stets vehement und engagiert für eine pazifistische und grenzüberschreitende Sportidee eingesetzt hatte. Zum Schluss hieß es: "Seit etwa sechs Monaten verlangen meine Ärzte dringend, daß ich mich einer Kur unterziehe." Diese werde er nun antreten, zumal die Leser wüssten "daß auch in meiner Abwesenheit die Redaktion der Zeitung in guten Händen liegt".

Bensemann reiste in den Urlaub ins Schweizerische Montreux. Und auch wenn er erklärte, seine Arbeit schon sehr bald wieder aufnehmen zu wollen, wusste er zu diesem Zeitpunkt längst, dass er in dieses Deutschland nicht zurückkehren werde. Am 30. Mai gab sein Nachfolger Hanns J. Müllenbach, der der Redaktion ebenfalls seit 1920 angehörte, bekannt: "Mit dem heutigen Tag ist der Begründer des kickers, Herr Walther Bensemann, aus der Redaktion des Blattes ausgeschieden." Diese "bedauerliche Notiz" werde auf Wunsch Bensemanns "ohne jeden Kommentar" veröffentlicht.

Ebenfalls ohne Kommentar, kurz und stillos, meldete der Kicker eineinhalb Jahre später, am 13. November 1934, dass Bensemann am Tag zuvor verstorben sei und einen Tag später in Montreux beerdigt werde. Ein mehr als bitteres Ende.

Harald Kaiser

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