Tennis

Boris Becker über Alexander Zverev: "Er hat gemerkt, dass das nicht geht"

Deutschlands Tennis-Ikone spricht in Berlin

Becker über Zverev: "Er hat gemerkt, dass das nicht geht"

Boris Becker

Fand lobende Worte für Alexander Zverev: Boris Becker. GES-Sportfoto/Mercedes-Benz

Nachdem Boris Becker am Sonntagnachmittag all die Tennis-Turniere in diesem Jahr aufgezählt hatte, kam er, leicht scherzend, zu einem einfachen Schluss: "Ich bin froh, dass ich heute nicht mehr Tennis spielen muss."

Laut dem 52-Jährige müssen die Top-Tennisspieler für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio "unglaubliche Strapazen" auf sich nehmen. Dies sagte der Goldmedaillengewinner von 1992 am Rande der Vergabe des Laureus Awards in Berlin. "Es wird etwas unterschätzt. Das ist eine unglaubliche Anstrengung, die die Tennisspieler in einem olympischen Jahr auf sich nehmen müssen, um alle zu befriedigen", sagte Becker. "Das ist schwierig."

Die deutsche Tennis-Ikone äußerte sich zu den Großereignissen wie den French Open im Mai, Wimbledon von Ende Juni bis Mitte Juli, Olympia von Ende Juli bis Anfang August und den European Open am Hamburger Rothenbaum "irgendwo dazwischen". Nicht nur Alexander Zverev könne sich auf einen "vollen Sommer" einstellen.

Zur deutschen Nummer 1 fand Becker nach dessen bisher bestem Grand Slam in Melbourne lobende Worte. "Ich glaube, das war schon ein Quantensprung für ihn", sagte Becker über Zverevs ersten Vorstoß ins Halbfinale.

Für die "schwierigen Wochen vorher", als Zverev beim ATP-Cup in Brisbane ausgerastet, seinen Schläger wüst zertrümmert und auch seinen Vater verbal attackiert hatte ("Halt die Klappe, was zum Teufel redest du da"), "gab es Gründe". Zverev habe in der Winterpause "zu wenig trainiert" und sei "unvorbereitet" nach Australien gekommen.

Zverev "kann sich nicht alles erlauben"

Deswegen hatte Becker vor den Australian Open mit Zverev geredet. "Wir haben offene Worte jenseits des Platzes gefunden, und die hat er sich zu Herzen genommen." Zverev, so Becker weiter, "hat die zwölf Tage", also jene Zeit zwischen dem Ausscheiden beim ATP-Cup und dem Auftaktmatch bei den Australian Open, "gut genutzt und hart trainiert."

Der Erfolg sei zwar eine Bestätigung für den nach wie vor erst 22-Jährigen, trotzdem mahnte Becker angesichts der vorausgegangenen Ereignisse: "Er kann sich nicht alles erlauben. Er spielt gerne für Deutschland und hat auch großen Respekt vor mir. Sowas (der Ausraster, d. Red.) vor meinen Augen ist für ihn und für mich nicht gut - und für Deutschland auch nicht gut. Er hat gemerkt, dass das nicht geht, hat es sich zu Herzen genommen und die Konsequenz für sich gezogen, dass er wieder mehr Gas geben muss. Das war gut. Ich glaube, da ist was entstanden."

mkr

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