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Onuegbu über Zypern: "Es gibt viele Praktiken, die mir nicht zusagen"

Der langjährige MSV-Stürmer im Interview

Onuegbu über Zypern: "Es gibt viele Praktiken, die mir nicht zusagen"

Kingsley Onuegbu bei seiner Verabschiedung vom MSV Duisburg 2018

Als König gegangen: Kingsley Onuegbu bei seiner Verabschiedung vom MSV Duisburg 2018. imago images

Herr Onuegbu, in Duisburg waren Sie der Publikumsliebling, das Feierbiest. Wie sind die Partys auf Zypern?
Kingsley Onuegbu: Nicht so gut. Da bin ich aus meiner Zeit im Ruhrgebiet mehr gewohnt.

Sie sind jetzt seit eineinhalb Jahren bei Famagusta am Ball. Vermissen Sie den MSV?
Onuegbu: Es war eine großartige Zeit. Und mit einigen Spielern wie Moritz Stoppelkamp und Ahmet Engin stehe ich noch in Kontakt. Wir schreiben uns oft. Aber aktuell gebe ich 100 Prozent für Famagusta.

Wo Sie mit neun Toren in 16 Spielen in dieser Saison zu den Top-Scorern gehören. Was ist diese Saison noch möglich?
Onuegbu: Famagusta ist ein kleiner Verein. Die Saison geht noch bis Mai und wir versuchen, wieder unter die ersten Sechs zu kommen.

Und dann? Sehen wir Sie nochmal in Deutschland? Vielleicht beim Aufsteiger in Duisburg?
Onuegbu: (lacht) Ich weiß nicht. Ich habe Spielpraxis, bin 100 Prozent fit und fühle mich konditionell sehr gut. Man soll nie nie sagen. Aber erstmal werde ich mich um meine Fußballschule kümmern.

In Nigeria läuft es anders als in Deutschland.

Kingsley Onuegbu über den Plan, eine Fußballschule in seiner Heimat zu bauen.

Die möchten Sie in Ihrem nigerianischen Heimatort Kaduna aufbauen. Wie geht es voran?
Onuegbu: Es ist nicht einfach. Ich habe das Konzept, die richtigen Leute und Trainer und das Invest steht auch. Aber wir suchen immer noch das passende Bauland, wo wir die Schule bauen können.

Sie hatten doch bereits einen Ort gefunden?
Onuegbu: Ja, das stimmt. Aber in Nigeria läuft es anders als in Deutschland. Es gibt viele korrupte Menschen und wenn du Pech hast, musst du wieder bei Null anfangen.

Aber wie im Fußball sind Sie ein Kämpfer und ziehen das durch.
Onuegbu: Auf jeden Fall. Ich denke, dass wir diesen Sommer durchstarten und dann die Schule auch schnell eröffnen können. Das ist wichtig für die Kinder in Kaduna. Ich möchte ihnen eine Chance geben, etwas aus ihrem Leben zu machen. Das ist mein Teil, den ich zurückgebe. Denn ich bin sehr dankbar für mein Leben als Fußballprofi.

Der Aufbau einer Fußballschule erfordert mehr als nur Fußball-Sachverstand. Es geht um Sportbusiness, Betriebswirtschaft, Management - wie haben Sie sich vorbereitet?
Onuegbu: Ich habe gerade am IST-Studieninstitut mein Diplom in Sportmanagement absolviert. Damit bin ich gut ausgebildet und habe auch die Weichen schon für meine Karriere nach der Karriere gestellt. Vielleicht werde ich mich noch in Fußballmanagement oder Spielanalyse und Scouting weiterbilden.

Nicht alle Fußballer haben diesen Weitblick. Was empfehlen Sie jungen Kollegen?
Onuegbu: Es ist enorm wichtig, sich frühzeitig weiterzubilden. Im Fußball kann man schnell viel Geld verdienen. Aber es kann auch schnell vorbei sein und manche verlieren ihr Geld auch schnell wieder. Deswegen ist es so wichtig, sich ein Standbein für die Zeit nach der aktiven Karriere aufzubauen.

Es ist nicht so leicht, damit umzugehen.

Kinglsey Onuegbu über Praktiken in Zypern

Was nehmen Sie mit aus Ihrer Zeit auf Zypern?
Onuegbu: Auch diese Station ist eine wichtige Erfahrung für mich. Ich bin froh, bei einem guten Verein gelandet zu sein. Das hätte auch anders kommen können.

Wie meinen Sie das?
Onuegbu: Der Fußball ist anders als in Deutschland. Das Spielniveau ist schlechter. Und auch abseits des Platzes gibt es viele Praktiken, die mir nicht zusagen. Auch in der ersten Liga. Das ist nicht schön und es ist auch nicht leicht, damit umzugehen. Umso glücklicher bin ich, dass das bei meinem Klub nicht so ist.

Vielleicht ein Beweggrund mehr, noch einmal in Deutschland zu spielen. Die Fans würden sich freuen.
Onuegbu: Ich mich auch, ist doch klar. Wir werden sehen.

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