Ex-Nationalspieler über seinen Rücktritt

Özil verteidigt Erdogan-Foto: "Es war die richtige Entscheidung"

Mesut Özil

Mesut Özil vor seinem letzten von 92 Länderspielen - dem 0:2 gegen Südkorea bei der WM 2018. imago images

Auch mit einem Jahr Abstand steht Mesut Özil zu seiner Entscheidung, seine Nationalelfkarriere nach der WM 2018 zu beenden, und zu seinem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. In einem Interview mit "The Athletic" wiederholt der 31-Jährige stattdessen die Rassismusvorwürfe, die schon seinen Rücktritt begleitet hatten.

"Erdogan ist der amtierende Präsident der Türkei, und ich würde dieser Person immer meinen Respekt erweisen, egal, wer sie ist", erklärt Özil unter anderem. "Obwohl ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist die Türkei ein Teil von mir." Hätten der Bundespräsident oder Kanzlerin Angela Merkel in London um ein Treffen gebeten, hätte er dem "natürlich" ebenso zugestimmt. "Es geht einfach darum, dem höchsten Amt eines Landes Respekt zu zollen. Mit etwas Abstand weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war."

"Jeder hat es geschehen lassen"

Viele sahen und sehen das anders; Erdogan gilt als Autokrat, der türkischen Regierung werden seit Jahren Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Aktuell wird ihr Militärangriff in Nordsyrien weltweit scharf kritisiert. Der DFB und viele Fans hofften damals vergeblich auf eine Distanzierung Özils.

"Nach dem Foto habe ich mich nicht mehr respektiert, nicht mehr geschützt gefühlt", sagt der Arsenal-Profi heute. Er habe rassistische Beleidigungen ertragen müssen - "sogar von Politikern und öffentlichen Personen". Und niemand rund um die Nationalelf habe ihn dagegen verteidigt, behauptet er: "Jeder hat es geschehen lassen." Die Leute hätten die Situation als Vorwand genutzt, um dem Rassismus, "der immer da war", freien Lauf zu lassen. "Ich habe das Gefühl gehabt, dass man eine Entschuldigung von mir erwartet, dass ich zugebe, dass es ein Fehler war. Dann wäre alles wieder gut gewesen. Wenn nicht, wäre ich nicht mehr willkommen gewesen."

"Ich bin kein Opportunist"

Doch das "würde ich niemals tun". Und so habe er sich nach neun Jahren im DFB-Trikot ("Meine Generation hat den deutschen Fußball verändert, es hat mehr Spaß gemacht, zuzuschauen") zum Rücktritt entschlossen. "Ich musste meinem Herzen folgen." Er sei eben stark genug, um zu seinen Überzeugungen zu stehen. "Ich bin kein Opportunist", sagt Özil.

Was Özil über seine Reservistenrolle bei Arsenal, seine Kritiker und seine Zukunft sagt, lesen Sie hier.

jpe

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