Brasilien: Die Sehnsucht nach "Jogo Bonito"

Dunga ist nicht mehr Trainer

Felipe Melo bei der Ankunft in Rio de Janeiro

Diese Rückkehr hatte er sich anders vorgestellt: Felipe Melo zurück in Rio. imago

Angeführt vom völlig verbitterten Kapitän Lucio bahnten sich die Brasilianer wortlos den Weg zu ihren Familien und verschwanden so schnell es ging zu ihren Autos. Kaka und Robinho flogen unterdessen weiter nach Sao Paolo. Um Ausschreitungen der aufgebrachten Fans zu verhindern, ließ die Polizei die Spieler erst gar nicht ins Flughafen-Gebäude, sondern gab die Heimfahrt vom Außengelände frei.

Spielbericht

Während zahlreiche Profis wie Inter-Torwart Cesar ihren Tränen nach der Ankunft freien Lauf ließen, hatte Verbandspräsident Ricardo Teixeira nach dem 1:2-Viertelfinal-K.o. gegen die Niederländer die Sehnsucht nach dem schönen Spiel, dem "Jogo Bonito", gepackt. "Wir müssen es in vier Jahren besser machen und den Titel holen. Denn wir haben bei der Heim-WM 2014 eine große Verantwortung gegenüber unseren Fans. Brasilien hat eine Siegermentalität, das soll die Selecao der Welt auf dem Platz wieder zeigen", sagte Teixeira vor der Abreise in Port Elizabeth.

Scolari hat Interesse - aber erst ab 2012

Die Diskussion über die Nachfolge von Dunga ist voll entbrannt. Topkandidat Luiz Felipe Scolari wird frühestens 2012 zur Verfügung stehen. "Meine Gedanken gehören erst einmal nur Palmeiras", sagte der 61-Jährige, der in Kürze beim Erstligisten aus Sao Paulo einen bis Dezember 2012 datierten Job antritt. Anschließend könnte sich der Weltmeistercoach von 2002 aber durchaus vorstellen, den fünfmaligen Champion erneut zu übernehmen: "Natürlich, nach dem Ende des Vertrages, würde ich mich freuen, wenn ich meine Karriere bei einer WM ausklingen lassen könnte."

Dunga hatte nach dem WM-Aus bereits seinen Abschied angekündigt. "Man wusste vom Beginn meiner Arbeit an, dass es vier Jahre sein werden", sagte der Weltmeister-Kapitän von 1994, der 2006 seinen Job angetreten hatte.

Als Nachfolger wird auch Leonardo (zuletzt AC Mailand) gehandelt. Wahrscheinlicher ist die Variante, dass der frühere Bundesligaprofi Jorginho (Leverkusen/Bayern), bislang Co-Trainer von Dunga, den Zuschlag erhält - als Platzhalter für Scolari.

Kaka

Wie geht's weiter? Kaka weiß es noch nicht. imago

Auf den neuen Trainer wartet mit Blick auf die WM 2014 im eigenen Land reichlich Arbeit. Neben dem 32-jährigen Kapitän Lucio werden eine ganze Reihe älterer Nationalspieler bis dahin keine Rolle mehr spielen. Kaka soll erste Wahl für die Kapitänsbinde sein. Doch der Star von Real Madrid weiß selbst noch nicht so genau, ob er dann überhaupt noch zum Kader zählt: "Ich weiß jetzt noch nicht, wie es weitergeht. Meine Karriere, mein Leben. Es ist ein heikler Moment. Ich habe eine starke Bindung zur Selecao. Aber im Moment weiß ich noch nicht, ob ich 2014 dabei sein werde. Das Turnier ist noch weit weg, die Enttäuschung nach der Niederlage zu frisch."