Champions League

Hut ab! Mehr war leider nicht drin

Champions League, Halbfinal-Rückspiel, Bayern München - Real Madrid 2:1 (1:1)

Hut ab! Mehr war leider nicht drin

Auch wenn das Fleisch allmählich schwach wurde, so war der Geist doch willig bis zum Abpfiff; genützt hat es nichts: Der FC Bayern schaffte es nicht, sich wie im vergangenen Jahr für das Endspiel in der Champions League zu qualifizieren. Immerhin gewannen die Effenberg und Kollegen das Halbfinal- Rückspiel mit 2:1 Toren, doch dieser Sieg reichte nach der 0:2- Niederlage in Madrid nicht. Der deutsche Rekordmeister ist aus Europas Königsklasse ausgeschieden. Die Strategien: Der FC Bayern war in seiner Grundordnung im 4-4-2- System formiert, das freilich sehr flexibel interpretiert wurde. Die eigentliche Deckung bildeten lediglich Andersson und Kuffour, während sich Babbel (rechts) und Lizarazu (links) entlang der Seitenlinie nach vorne einschalten sollten.

Jeremies´ Spezialjob: Die richtige Lösung Dazu hatten sie viel Freiraum, weil Sergio und Scholl ihre Position oft verließen und nach innen drängten oder die Flügel wechselten. Jeremies war für Rauls Beschattung abgestellt, Effenberg mühte sich um Strukturierung des Spiels.

Real Madrid verteidigte mit einer Dreierreihe, die bei Bedarf von Geremi oder Roberto Carlos zur Viererkette verbreitert wurde. Redondo ordnete und prägte in der defensiven Mittelfeldzentrale die Aktionen der Seinen, der diesmal von Jeremies lahm gelegte Raul und Savio stießen gelegentlich in den Angriff vor.

Spieler des Spiels
Bayern

Carsten Jancker Sturm

2
Spielnote

2
Tore und Karten

1:0 Jancker (12', Rechtsschuss, Elber)

1:1 Anelka (31', Kopfball, Savio)

2:1 Elber (54', Kopfball, Effenberg)

Bayern
Bayern

Kahn 3,5 - Babbel 4 , Andersson 3, Kuffour 4, Lizarazu 3 - Jeremies 4 , Effenberg 2,5, Paulo Sergio 3, Scholl 3 - Elber 3,5 , Jancker 2

Real Madrid
Real Madrid

Casillas 4 - Ivan Campo 3,5, Helguera 3, Julio Cesar 3,5 - Geremi 4 , Redondo 2, Roberto Carlos 4, McManaman 3 , Raul 4, Savio 2,5 - Anelka 2

Schiedsrichter-Team

Graham Poll England

4
Spielinfo

Stadion

Olympiastadion

Zuschauer

60.000 (ausverkauft)

Die Dramaturgie: Die Ouvertüre des Spiels gestaltete sich für die Münchner wie ersehnt: Nach Elbers Kopfballablage wuchtete der kopfball- und zweikampfstarke Jancker den Ball volley unter die Latte, 12. Minute: ein optimaler Start. Janckers Volleytreffer: Der optimale Start Die Bayern, vom Publikum gepusht wie lange nicht, versuchten, sofort nachzulegen: Effenberg probierte es immer wieder mit Pässen in die direkte Spitze, Elber, Sergio und Scholl setzten Distanzschüsse an; vergebens! Alles Bemühen wirkte freilich irgendwie gehetzt, der Rhythmus und die Selbstverständlichkeit in den Aktionen fehlten. Zudem wurde das Brachland auf den Außenbahnen wenig genutzt.

Anelkas Ausgleichstor: Die totale Lähmung Der Knackpunkt: Wie sieben Tage zuvor in Madrid der frühe Gegentreffer zum 1:0 (4. Minute) ließ diesmal der 1:1-Ausgleich (Anelka, 31.) die Münchner taumeln, bis zur Pause waren sie wie paralysiert. Real verlagerte das Geschehen in die Münchner Hälfte, der beeindruckende Regisseur Redondo durfte in aller Gemächlichkeit die Bälle weiterreichen, Geremi (zwei Mal) und Anelka gezielt schießen.

Das Hauptproblem: Den ungemein willigen, kämpferisch unermüdlichen Münchnern gelang es nicht, den nötigen Zusammenhang in ihr Tun zu bringen. Sie vermittelten einen getriebenen und hektischen Eindruck. Vor allem das finale Zuspiel in die Spitze kam selten, noch unpräziser waren die Flanken und Standardsituationen angesetzt.

Fazit: Mögen die "Königlichen" aus Madrid auch technisch wunderbare Ausnahmekönner wie Ballstreichler Redondo, den Torschützen Anelka oder den diesmal schwachen Raul in ihrer Elf vereinigen, so konnte sich der FC Bayern zu Hause verdient durchsetzen. Hut ab! Mehr war leider nicht drin. Dass die Münchner das Finale in Paris nicht erreichten, haben sie ihrer miserablen Vorstellung im ersten Teil des Halbfinales zuzuschreiben!