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Topfavorit Kanada: Es zählt nur Gold!

Torhüter als Problem?

Topfavorit Kanada: Es zählt nur Gold!

Zwei Superstars, die Gold für Kanada holen sollen: Connor McDavid (li.) und Sidney Crosby.

Zwei Superstars, die Gold für Kanada holen sollen: Connor McDavid (li.) und Sidney Crosby. IMAGO/ZUMA Press

Die Diskussionen um die Kadernominierung nahmen in Kanada Ausmaße an, die hierzulande schwer vorzustellen sind. Ein Vergleich: Natürlich wird debattiert werden, wenn Julian Nagelsmann sein Aufgebot für die Fußball-WM bekannt gibt. Doch dort geht es nur um hintere Kaderplätze, Ergänzungsspieler mit nationaler, mal auch internationaler Klasse. Oft Geschmackssache. Und ganz so groß ist Nagelsmanns Auswahl dann doch nicht.

Kanada hätte die 25 freien Plätze für Mailand doppelt vergeben können, auch einn fiktives B-Team hätte mindestens Medaillenchancen. Dafür genügt ein Blick auf Stars, die es nicht ins Team von Headcoach Jon Cooper (Tampa Bay Lightning) geschafft haben: Jungstar Connor Bedard von den Chicago Blackhawks, Mark Scheifele von den Winnipeg Jets als neuntbester Scorer der NHL, Travis Konecny (Philadelphia Flyers), Morgan Geekie (32 Saisontore) von den Boston Bruins oder Connor McDavids treuer Sturmpartner Zach Hyman von den Edmonton Oilers.

Gruppe a, 1. Spieltag

Stichwort Oilers: Kanada verzichtet mit Evan Bouchard auch auf den punktbesten Verteidiger der gesamten Liga, einen Playoff-Performer und Powerplay-Spezialisten, weil er den Kaderplanern defensiv zu anfällig ist. Dennoch unverständlich. Im Großen und Ganzen bauen die Ahornblätter auf den Kader, der vor einem Jahr den Probelauf für die Winterspiele gewonnen hat, das 4-Nations-Turnier. Allerdings wurde dort nach NHL-Regeln und in Nordamerika gespielt.

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Die Goalies: Zählt die Form oder der Verdienst?

Hier kehrt nur einer von drei Goalies vom Four Nations zurück, Jordan Binnington von den St. Louis Blues. Der 32-Jährige hatte seinen Anteil am Turniersieg, vor allem im 3:2-Overtime-Finale gegen die USA. Das Problem: Binnington konnte diese Form nicht halten und spielt eine schwache Saison, was seine Save Percentage von 86,4 Prozent und der Gegentorschnitt von 3,65 belegen. Bekommt er dennoch das Vertrauen oder zählt das aktuell Geleistete?

Dann führt eigentlich kein Weg an Logan Thompson von den Washington Capitals vorbei, der 91,2 Prozent der Schüsse auf sein Tor abgewehrt hat und nur 2,45 Treffer im Schnitt kassiert. Dritter im Bunde ist Darcey Kuemper von den Los Angeles Kings, mit 35 Jahren der Routinier und 2022 Stanley-Cup-Gewinner mit der Colorado Avalanche.

Defense: Ein Superstar und große Kontroversen

Hier setzt Kanada komplett auf die Besetzung aus dem "4 Nations". Keine Debatten gab es um Cale Makar (Colorado), den vermutlich komplettesten Verteidiger der Welt. Er soll auch der Quarterback des Powerplays werden. Neben Makar wird sein Avalanche-Kollege Devon Toews auflaufen, ein eingespieltes Duo.

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Shea Theodore (Vegas Golden Knights) und Josh Morrissey (Winnipeg Jets) haben ihre Berechtigung, die vier weiteren Verteidiger jedoch lösten heftige Debatten aus. Sind Travis Sanheim (Philadelphia), Thomas Harley (Dallas Stars), Colton Parayko (St. Louis Blues) und der alternde Drew Doughty (Los Angeles Kings) tatsächlich besser als Bouchard und andere starke Verteidiger wie Jakob Chychrun (Washington) oder Rookie-Sensation Matthew Schaefer (N.Y. Islanders)? Zweifel sind erlaubt.

Diese gilt es in Mailand zu widerlegen. Es bleibt der Verdacht, dass mehr auf die Vergangenheit als auf die gegenwärtige Form bei der Nominierung geachtet wurde. Der 36-jährige Doughty könnte seine dritte Goldmedaille nach 2010 und 2014 gewinnen.

Offense: Brillianz, aber auch Härte

Alllein die beiden verletzungsbedingten Wechsel kurz vor dem Turnier zeigen die unfassbare Auswahl an Qualität, die Kanada hat. Für Brayden Point und Anthony Cirelli (beide Tampa Bay) rückten Sam Bennett (Florida Panthers) und Seth Jarvis (Carolina Hurricanes) nach. Beide gehörten beim Turnier 2025 zum Kader, Bennett traf im Finale und erhielt beim Stanley-Cup-Sieg seiner Panthers im vergangenen Frühjahr die Auszeichnung als bester Spieler der Playoffs, die Conn-Smythe-Trophy.

Neben diesen zwei liest sich die Offense wie das Aufgebot eines Allstar-Games: Captain Sidney Crosby (Pittsburgh Penguins), der wie Doughty nach seinem dritten Gold strebt. Dazu mit McDavid und Nathan MacKinnon (Colorado) die beiden Topscorer der NHL, Sam Reinhart (Florida Panthers), Mitch Marner und Mark Stone (beide Vegas Golden Knights), Jungstar Macklin Celebrini (San Jose Sharks), der in den ersten Trainingseinheiten sogar an der Seite McDavids agiert - oder Nick Suzuki, Captain der Montreal Canadiens.

Weil neben spielerischer Klasse aber auch etwas Härte und defensive Aufgaben wie das Unterzahlspiel gefordert sein werden, verkörpern Brad Marchand (Florida), Tom Wilson (Washington), aber auch Bennett dieses Element. Dieses Trio in einer Sturmreihe lehrt jeden Gegner das Fürchten. Wobei Routinier Marchand (37), der zuletzt in der NHL allerdings längere Zeit Verletzungsprobleme hatte, auch jederzeit Spiele entscheiden kann. Was für ein Luxus! Brandon Hagel (Tampa) und Bo Horvat (NY Islanders) runden die herausragende Offensive ab.

Ein Topfavorit, der dem Druck standhalten muss

Der Weg zur Goldmedaille führt nur über Kanada. Diese Offensive wird jeden Gegner 60 Minuten lang beschäftigen. Fragezeichen hinterlassen jedoch die Defensive und die Torhüterposition, zudem ist der Druck enorm, die Zeit zur Eingewöhnung und dem Einspielen knapp. Und vor allem die USA sind ein beinahe ebenbürtig stark besetzter Gegner, deren Treibstoff daraus besteht, endlich Kanada bei einem wichtigen Turnier zu besiegen. Auch Schweden kann den Kanadiern an einem guten Tag in einem Spiel gefährlich werden. Dennoch wäre alles andere als ein goldenes Ahornblatt am Ende eine kleine Überraschung.

lin