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Cucurella hinterfragt Chelseas Jugendstil und Maresca-Aus

Nach Pleitenserie und CL-Aus

"Entmutigend": Cucurella hinterfragt Chelseas Jugendstil und Maresca-Entlassung

Marc Cucurella hätte Ex-Chelsea-Coach Enzo Maresca (li.) nicht unter der Saison entlassen.

Marc Cucurella hätte Ex-Chelsea-Coach Enzo Maresca (li.) nicht unter der Saison entlassen. IMAGO/Shutterstock

Das 0:3 beim FC Everton im letzten Ligaspiel war der passende wie schmerzhafte Schlusspunkt von enttäuschenden anderthalb Wochen für die Blues. Nicht nur waren sie in diesem Zeitraum aus den Top 5 der Premier League gerutscht, sondern hatten zudem ihre Königsklassen-Träume nach zwei deutlichen Achtelfinal-Niederlagen gegen Paris aufgeben müssen.

Die letzten vier Spiele

"Ergebnisse wie diese sind immer schwer zu verkraften", blickt Marc Cucurella im Gespräch mit The Athletic auf die Duelle mit PSG zurück. "Du kämpfst und trainierst jeden Tag, nur um ganz am Ende festzustellen, dass wir, wenn es wirklich zählt, noch ein Stück vom Topniveau entfernt sind", bilanziert der Spanier, der in diesem Zusammenhang die Kaderplanung der Verantwortlichen hinterfragt.

So könne er zwar nachvollziehen, dass der Transferfokus auf junge Spieler "Teil der Vereinsstrategie" sei, doch andererseits fühlen sich solche Momente für all diejenigen "entmutigend" an, "die noch hier sind und große Titel gewinnen wollen".

Wenngleich die "Grundlagen" vorhanden seien, müsse man aus Cucurellas Sicht "die Balance zwischen beiden Welten finden", um "große Trophäen wie die Premier League oder die Champions League" ins Visier nehmen zu können. "Nur junge Spieler zu verpflichten, könnte es erschweren, diese Ziele zu erreichen. Gegen PSG haben uns Spieler gefehlt, die solche Situationen schon erlebt haben."

Maresca-Aus "hatte großen Einfluss auf uns"

Den Jugendstil verfolgt BlueCo auch bei Racing Straßburg, das ebenfalls dem US-amerikanischen Investorenkonsortium angehört. In Ex-Chelsea-Profi Ben Chilwell (29) und Ersatztorwart Karl-Johan Johnsson (36) sind lediglich zwei Spieler im aktuellen Racing-Kader älter als 24 Jahre.

Liam Rosenior

Liam Rosenior trat im Januar die Nachfolge von Enzo Maresca an. IMAGO/Mark Pain

So hatte es Anfang des Jahres nicht unbedingt verwundert, als ausgerechnet Liam Rosenior, bis dato Chefcoach in Straßburg, zum Nachfolger des kurz zuvor entlassenen Enzo Maresca bei den Blues ernannt worden war. Ein Trainerwechsel, den Cucurella nicht vollzogen hätte: "Der Moment, als Maresca gegangen ist, hatte großen Einfluss auf uns. Das sind Entscheidungen, die vom Verein getroffen werden. Wenn du mich fragst: Ich hätte diese Entscheidung nicht getroffen."

Nach einer dürftigen ersten Saisonvorbereitung unter Maresca hätte man zum Ende seiner Amtszeit hin "fast blind gespielt", meint Cucurella positiv und fügt an: "Wenn wir das System geändert haben, wussten wir, was zu tun ist. Du brauchst diese Zeit." Außerdem seien durch den zwischenzeitlichen Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft "großartige Beziehungen" zum Italiener entstanden.

Rosenior fehlt die nötige Zeit

Die "Zeit" ist auch das Stichwort, das der Defensivmann in Bezug auf Rosenior und den jüngsten Negativlauf in den Vordergrund stellt: "Wir trainieren in Pflichtspielen, weil wir alle drei Tage spielen, und das lässt dir keine Zeit, auf dem Trainingsplatz zu arbeiten. In diesem Kontext ist es normal, dass deine Pläne manchmal nicht aufgehen, und dann durchlaufen wir schwierige Phasen."

Die "Fußballideen" des Engländers, dem Cucurella eine "großartige" Teamführung attestiert, "sind gut, aber wir haben nicht die Zeit, sie zu trainieren." Diese Auffassung bekräftigt seine These: "So eine Veränderung vorzunehmen, da ist das Beste, bis zum Ende der Saison zu warten. Du würdest allen - den Spielern und dem neuen Trainer - Zeit geben, sich vorzubereiten, eine komplette Vorbereitung zu haben."

So wie es eben bei Maresca, dem "wichtigsten" Trainer während Cucurellas Chelsea-Zeit, gleich zweimal der Fall gewesen war.

jko