Es ist einer dieser Sätze, die jeder Fußballfan kennt. Die sich eingebrannt haben. Die nicht mehr aus den Geschichtsbüchern zu streichen sind. Bundestrainer Joachim Löw und Mario Götze standen an jenem Sonntagabend von Rio de Janeiro an der Seitenlinie des Maracana, es lief die 88. Minute. Es war ein zermürbender Kampf, den sich die deutsche Nationalmannschaft bis dahin mit Argentinien geliefert hatte - und jetzt, da Götze eingewechselt werden sollte, da gab er ihm noch einen letzten Auftrag mit: "Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi!"
Das war die Anweisung, das war das Gebot. Und Götze, damals 22 Jahre alt, gehandelt als kommender Weltfußballer, zeigte tatsächlich, dass er Lionel Messi zumindest an diesem Abend etwas voraus hatte: 113. Minute, eine Flanke von André Schürrle in den Strafraum der Argentinier, eine Brustannahme von Götze - und dann der Schuss, der Bundeskanzlerin Angela Merkel oben auf der Tribüne aus dem Sitz riss. Es war das entscheidende Tor. Deutschland hatte Argentinien in einem erbitterten Duell besiegt, 1:0 nach Verlängerung, die DFB-Elf war zum vierten Mal Weltmeister.
Wie ein Reporter solch ein Finale erlebt
Als das Maracana nach Schlusspfiff in deutscher Ekstase und argentinischer Trauer versank, saß Karlheinz Wild auf der Pressetribüne und kämpfte mit dem Internet. "Ich habe gedacht, ich werde wahnsinnig", sagt der kicker-Reporter im Podcast "Der vierte Stern". "Für mich war das Spiel, ohne dass ich jetzt übertreibe, fast sekundär. Für mich war entscheidend: Der Text musste nach Deutschland kommen - an den Leser."
Dieses Finale war für mich ein Nervenstress ohne Ende.
kicker-Reporter Karlheinz Wild
Weil das Spiel aber derart lange offen war und dann auch noch das Internet hakte, stand Wild unter Dauerstrom. "Dieses Finale", sagt er, "war für mich ein Nervenstress ohne Ende." Schließlich gab es gleich mehrere Geschichten zu erzählen - nicht zuletzt die von Bastian Schweinsteigers Auferstehung.
Immer wieder war der Mittelfeldspieler in diesem Finale zu Boden gegangen, immer wieder war er aufgestanden. Trotz harter Fouls, trotz Schmerzen, trotz Platzwunde. Und später, als es geschafft war und alles abfiel, der Druck, die Anspannung, da wurde der schier unverwundbare Schweinsteiger gefeiert.
Manches brennt sich ein
Sein Auftritt ist bis heute ein Sinnbild für unbändigen Willen und Einsatz, der über Grenzen hinausgeht. Schweinsteigers Leistung ist ebenso unvergessen wie Schürrles Flanke, Götzes Tor und die Rufe von TV-Kommentator Tom Bartels im Moment des Treffers: "Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn!".
Bartels kommentierte das WM-Finale für die ARD. Trotz seiner Erfahrung war das WM-Finale auch für ihn als Kommentator ein besonderes: "Du willst es nicht versauen. Es gibt immer den Gedanken: 'Oh Gott, heute sollte wirklich nichts schief gehen und ich sollte den Sieg-Torschützen auch erkennen. Sofort'", erinnert er sich im Podcast.
Auch zehn Jahre später wird er auf seine berühmten Worte angesprochen. "Eigentlich werde ich nur noch so vorgestellt. Der Mann, der uns zum WM-Finalsieg kommentiert hat. Dabei habe ich eigentlich keinen Anteil daran."
Der neue kicker-Podcast "Der vierte Stern" geht auf eine Zeitreise und lässt ein Turnier Revue passieren, bei dem für die deutsche Mannschaft nicht von Anfang an die Zeichen auf Sieg standen. Isabella Fischer (Audio-Redakteurin) und Matthias Dersch (DFB-Reporter) nehmen die Hörerinnen und Hörer mit auf eine Reise durch ein Land, das fußballverrückt ist. Spieler wie Sami Khedira und Reporter wie TV-Kommentator Bela Rethy sprechen emotional und unterhaltsam über ihre Erinnerungen an die Weltmeisterschaft in Brasilien.
Alle fünf Folgen des Podcasts "Der vierte Stern" gibt es in der kicker-App, auf kicker.de und überall, wo es Podcasts gibt.


