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30.10.2017, 00:40

Der Schiedsrichter über die Rote Karte in Stuttgart

Verlierer Videobeweis: Stielers unglückliche Figur

Erst ließ er weiterspielen, dann entschied er doch auf Rot, was er hinterher bereute - ein wenig zumindest: Schiedsrichter Tobias Stieler gab beim 3:0-Sieg des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg nicht nur auf dem Rasen eine unglückliche Figur ab.

Tobias Stieler im Mittelpunkt
Schiedsrichter im Mittelpunkt: Tobias Stieler hat gerade Caglar Söyüncü vom Platz gestellt.
© imagoZoomansicht

Hatte Caglar Söyüncü mit seinem Handspiel im Laufduell mit Daniel Ginczek eine klare Torchance vereitelt und somit zu Recht Rot gesehen? Diese Frage entzweite Freiburger und Stuttgarter beim letzten Spiel des zehnten Bundesliga-Spieltags, vor allem aber entzweite sie Freiburger und Schiedsrichter Tobias Stieler.

Der 36-Jährige hatte das Handspiel in der zwölften Minute zunächst nicht geahndet, sich die Szene dann nach Hinweis von Video-Assistent Felix Zwayer aber doch noch mal auf dem Bildschirm angesehen - und Söyüncü voller Überzeugung vom Platz gestellt: Den Freiburger Profis und auch Sportvorstand Jochen Saier erklärte er noch auf dem Platz bzw. in der Halbzeit, dass Söyüncü nun mal eine klare Torchance vereitelt hatte.

Stieler: "Für das Spiel wäre Gelb wahrscheinlich besser gewesen"

Das allerdings sah er falsch, Ginczek war bei Söyüncüs Aktion gar nicht am Ball und wäre auch ohne das Handspiel nicht zwangsläufig an ihn gekommen. Die Freiburger ärgerten sich entsprechend maßlos über die wohl spielentscheidende Fehlentscheidung, die dem VfB den Weg zu einem 3:0-Heimsieg ebnete - und auch darüber, dass Stieler keine Zweifel an seiner Entscheidung gelten ließ.

Das jedoch änderte sich weit nach Abpfiff, ein bisschen jedenfalls. "Es gibt Argumente für beides", erklärte er da plötzlich bei der ARD. "Wahrscheinlich wäre dann für das Spiel Gelb besser gewesen, weil dann vielleicht doch, wenn ich es mir noch mal mit Abstand und in Ruhe angucke, Zweifel überwiegen. Doch in dieser kurzen Zeitspanne auf dem Feld mit Unterstützung war ich für Rot - und dafür stehe ich auch jetzt."

Der Video-Assistent hätte gar nicht eingreifen dürfen

Es machte den Videobeweis oder zumindest dessen derzeitige Ausführung endgültig zu einem weiteren Verlierer dieses Spiels: Erstens meldete sich der Video-Assistent, obwohl keine klare Fehlentscheidung vorlag - fällt die Beurteilung einer Szene in den Ermessensspielraum des Schiedsrichters, darf sich dieser bekanntlich gar nicht einschalten. Zweitens traf Stieler nach Ansicht der Bilder eine folgenschwere Fehlentscheidung, zu der es sonst nicht gekommen wäre. Und drittens sah er die Sache nach einer erneuten Überprüfung der gleichen Bilder doch wieder anders - und äußerte Bedenken, die ihm beim ersten Einsehen unter Druck noch nicht gekommen waren.

Für die Freiburger bleibt das späte Zurückrudern ohnehin ein schwacher Trost. "Ich habe gehofft, dass es durch den Videobeweis mit einer weiteren Kontrollinstanz zu mehr Gerechtigkeit kommt, auch hinsichtlich des Drucks, der auf den Schiedsrichtern lastet", sagte Trainer Christian Streich nach der bitteren Auswärtsniederlage. "Wenn ich aber betrachte, was bei uns in den vergangenen Wochen passiert ist, bin ich sprachlos."

jpe

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