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03.08.2012, 12:08

1995/96 - Sensation in Rostock

Der "Kaiser" löst den "König" ab

Knatsch und Ärger - die Saison 1995/96 war keine besonders glanzvolle. Ausrutscher, Patzer, es lief nicht. Schließlich gewann mit Borussia Dortmund jene Mannschaft, die sich weniger davon leistete. "Wir waren kein berauschender Meister", gab Trainer Ottmar Hitzfeld später zu. Trotzdem hatte der BVB erfolgreich seinen Titel verteidigt.

"Kaiser" Franz Beckenbauer (r.) nahm am 31. Spieltag Platz auf der Trainerbank des FC Bayern, "König" Otto Rehhagel wurde gefeuert.
"Kaiser" Franz Beckenbauer (r.) nahm am 31. Spieltag Platz auf der Trainerbank des FC Bayern, "König" Otto Rehhagel wurde gefeuert.
© imagoZoomansicht

Der Saisonstart lief perfekt - für den FC Bayern. Der Herausforderer startete hochmotiviert in die neue Spielzeit, sieben Siege in Serie, wieder ein neuer Rekord für die Münchner. Dann grätschte Dortmund dazwischen. Im Westfalenstadion stoppten sie den FCB in Runde acht. Das 3:1 war die Kampfansage der Borussia. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Klubs begann. Bloß keine Nerven zeigen - wenn das doch so einfach wäre. In diesem Punkt schlugen sich die Dortmunder besser.

BVB hat sechs Punkte Vorsprung

Zwar erlebte auch der BVB viele Höhen, Tiefen und sportliche Totalausfälle wie das 0:5 gegen Karlsruhe am 31. Spieltag, doch der FCB patzte öfter. Gegen die Eintracht mussten die Münchner in der Hinrunde ein 1:4 einstecken, mit dem gleichen Ergebnis beendeten sie das Rückspiel gegen den KSC. Die Herbstmeisterschaft hatte sich der BVB bereits gesichert, im Saisonendspurt enteilten sie dem FCB endgültig: Die Münchner verloren gegen Gladbach (1:3), Rostock (0:1), Bremen (2:3) und Schalke (1:2) und damit gehörig an Boden. Mit sechs Zählern Abstand feierte die Borussia den Titel, bei den Bayern brodelte es.

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Mit großem Aufwand wollten sie den Titel zurückerobern. Den vermeintlich besten Trainer hatten sie an die Säbener Straße geholt: Otto Rehhagel. "König" Otto verließ Werder Bremen nach 14 Jahren, weil er sich neuen Herausforderungen stellen wollte. Die bekam er: Eifersüchteleien, Streitereien in der Mannschaft und selbstbewusste Spieler sorgten für Unruhe im Team. Da nützte es nichts, dass der Kader vor der Saison um die Spitzenspieler Jürgen Klinsmann, Thomas Strunz, Andreas Herzog und Ciriaco Sforza erweitert wurde.

Bilder der Saison 1995/96
Die Sensation in Rostock
Otto Rehhagel und Mehmet Scholl
Krach in München

Nach 14 Jahren in Bremen kam Otto Rehhagel (l.), der vermeintlich beste Trainer, zum FC Bayern. Mit großem Aufwand wollte man an der Säbener Straße den Titel zurückerobern, "König" Otto kam da gerade recht. Der wollte sich neuen Herausforderungen in München stellen - die sollte er bekommen. Konkurrent Dortmund sicherte sich die Herbstmeisterschaft, Mehmet Scholl (r.) wollte nicht länger mit dem neuen Trainer zusammenarbeiten und forderte: "Rehhagel oder ich!" Vorerst blieben beide.
© imago

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Nach der Niederlage gegen den BVB begann es zu kriseln, Mehmet Scholl äußerte bereits im Herbst Abwanderungsgedanken. "Rehhagel oder ich", verkündete der Bayern-Spieler im kicker-Interview. "Fakt ist, wir spielen seit acht Wochen und haben immer noch keine Taktik." Rehhagel sah das anders: "Meine Taktik ist immer richtig." Lange konnte das nicht gutgehen, am 27. Spieltag war Schluss. Der "König" wurde gefeuert, der "Kaiser" übernahm das Training. Zur Meisterschale reichte es nicht mehr, doch Franz Beckenbauer führte die Münchner im Finale gegen Girondins Bordeaux zum ersten Gewinn des UEFA-Pokals.

Der Torschützenkönig

Für seinen Klub lief es gar nicht gut. Nur Platz zehn war für den VfB Stuttgart drin. Die Torjägerkanone des kicker konnte Fredi Bobic über das schlechte Abschneiden der Schwaben hinwegtrösten, allerdings war seine Ausbeute von 17 Treffern eher mager.

Was sonst noch geschah

Neben der Meisterschale gab es für den Dortmunder Matthias Sammer einen weiteren Titel. Er wurde zum "Fußballer des Jahres" gewählt. Sammer verband mit seinem damaligen Trainer Hitzfeld eine stete Streitkultur. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagt über Sammer, er sei "positiv nervig" - wie positiv oder negativ er Hitzfeld auf die Nerven ging, ist nicht bekannt.

Rein positive Schlagzeilen gab es in Rostock zu vermelden: Der Aufsteiger fiel durch eine souveräne Leistung auf, selbst die großen Klubs bissen sich an den Nordlichtern die Zähne aus. Schalke kassierte eine 1:3-Pleite, elf Tage darauf unterlag Dortmund in Rostock (2:3). Die Bilanz der Hanseaten: 49 Punkte, 47:43 Tore und ein überragender sechster Rang.

Einführung der Drei-Punkte-Regel

49 Punkte? Richtig, in dieser Spielzeit wurde die Drei-Punkte-Regel in der Bundesliga eingeführt. Der HSV glänzte ebenfalls, zumindest nach einem beispiellosen Zwischenspurt. Der Architekt des Erfolgs war Felix Magath, der im Oktober 1995 vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen war und seine erste Bundesligamannschaft coachte. Als Magath das Ruder übernahm, rangierten die Hanseaten noch im Tabellenkeller. Am Ende stand das Team auf dem fünften Platz und löste ein Ticket für den UEFA-Pokal.

Der VfB Stuttgart hingegen erlebte einen steilen Absturz. Viel Lob für attraktiven Fußball und einen ausgezeichneten dritten Platz hatten sich die Schwaben herausgespielt - vor der Winterpause. Die Rückrunde verlief holprig, schließlich konnten sie gerade noch auf Rang zehn Halt machen.

Erster Abstieg für Kaiserslautern und Frankfurt

Für zwei Gründungsmitglieder der Bundesliga ging die Talfahrt noch weiter: Frankfurt und Kaiserslautern landeten auf den Abstiegsplätzen. Nach 32 Jahren im Oberhaus war Schluss für die beiden Klubs. Die "Roten Teufel" verabschiedeten sich aber nicht mit leeren Händen: Mit einem 1:0-Erfolg gegen Karlsruhe gewannen sie den DFB-Pokal.

Das "Bosman-Urteil"

Der Europäische Gerichtshof mischte in dieser Saison ebenfalls mit - und prägte die Bundesliga nachhaltig. Das "Bosman-Urteil" löste das bis dahin geltende Transfer-Entschädigungssystem ab. Bei einem Wechsel eines Spielers innerhalb der EU durfte nach Vertragsende keine Ablösesumme mehr verlangt werden. Betroffen von dem Urteil war auch die Ausländerregelung, die in einigen Ländern galt. Für Spieler aus der EU gab es keine Beschränkungen mehr.

Video zum Thema
Saison 1995/96- 15.01., 11:12 Uhr
Das magische Dreieck zaubert, der BVB jubelt
7 Spiele, 7 Siege zum Auftakt für den FC Bayern, Meister wird aber Borussia Dortmund zum zweiten Mal hintereinander. Die Titelverteidigung gelingt am vorletzten Spieltag ausgerechnet in München bei den Löwen. Das magische Dreieck mit Elber, Bobic und Balakov begeistert nicht nur Stuttgart und das Schwabenland. Vor allem in der Hinrunde zelebriert das Trio sein Spiel mit dem Ball. Im Abstiegskampf schießt Leverkusen am letzten Spieltag den FCK in die Zweite Liga. Andreas Brehme liegt Rudi Völler weinend in den Armen - das Bild der Saison 1995/96.
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03.08.12
 
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