Ein märchenhafter Abgang, wie man ihn sich nicht schöner ausmalen könnte, wäre da nicht die 108. Minute des WM-Finals gegen Italien und Zidanes häßlicher Kopfstoß gegen Marco Materazzi gewesen. Mit seiner letzten Aktion im Weltfußball beraubt sich der Superstar selbst einem würdigen Ende, das dem "Magier" gerecht gekommen wäre.
Trotz dieses "Schönheitsfehlers" blickt der Mittelfeld-Regisseur auf eine beeindruckende Karriere, gekrönt mit dem Weltmeistertitel 1998 zurück. Bei der WM 2006 führte er die "Equipe Tricolore" sechs Mal als Kapitän auf das Feld und schoss sein Team mit zwei Toren und zwei Assists ins Endspiel, wo er zur 1:0-Führung der Franzosen traf.
Ein Erfolg, den kaum jemand dem Team von Raymond Domenech zugetraut hätte. Denn selbst die Qualifikation zur WM war stark gefährdet - bis Zidane seine Rückkehr bekannt gab. Anschließend qualifizierte man sich als Gruppen-Erster direkt für die Endrunde in Deutschland und legte den Grundstein zum Vize-Weltmeister-Titel.
Trotzdem glaubte nach einer durchwachsenen Saison bei Real Madrid kaum ein Außenstehender an diesen erneuten Höhepunkt in der Karriere des 108-maligen Nationalspielers. Doch "Zizou" war total fixiert auf diese Weltmeisterschaft. Intensiv hatte er sich vorbereitet und sich unter Anleitung des Fitness-Trainers Robert Duveren in eine überragende körperliche Verfassung gebracht. Er stellte im Viertelfinale gegen Brasilien alle "Zauberer vom Zuckerhut" in den Schatten und traf am Mittwoch Halbfinale per Elfmeter gegen Portugal.
Auch dem Finale gestern drückte er seinen Stempel auf, erzielte mit einem, an Überheblichkeit grenzenden aber genialen, Strafstoß die 1:0-Führung und verabschiedete sich schließlich mit dem 14. Platzverweis seiner Karriere von der Fußball-Bühne.
Zinedine Zidane setzte sich in der Wahl gegen die frisch-gebackenen Weltmeister Fabio Cannavaro und Andrea Pirlo durch. Er löst damit Oliver Kahn, der 2002 in Japan und Südkorea die Auszeichnung der Journalisten erhielt, als wertvollsten Spieler einer WM-Endrunde ab.
Auch wenn der Kopfstoß einen großen Schatten auf die WM-Gala des Zinedine Zidane wirft: Mit dem stillen, in der Mannschaft aber immer bestimmten Franzosen, verliert der Fußball einen ganz großen Spieler. Danke, Zizou!
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