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"Wahres Duell" um die Schach-Krone: Caruana vs. Carlsen

WM beginnt am Freitag

"Wahres Duell" um die Schach-Krone: Caruana vs. Carlsen

"Ein Duell Schlag auf Schlag": Magnus Carlsen (li.) und Fabiano Caruana.

"Ein Duell Schlag auf Schlag": Magnus Carlsen (li.) und Fabiano Caruana. picture alliance

Es stehen zwölf Partien auf dem Programm. Bei Gleichstand von 6:6 wird der Champion in einem Tiebreak bei Partien mit verkürzter Bedenkzeit gekürt. Eine Million Dollar (875 000 Euro) liegen im Prämientopf. "Dieses Mal ist es das wahre Duell", sagt Carlsen und gibt zu: "Weltmeister zu sein, ist Teil meiner Identität geworden, und dementsprechend geht es um viel. Es kümmert mich gar nicht so sehr, Weltmeister zu sein. Ich möchte aber nicht, dass es jemand anders ist", meint der 27 Jahre alte Norweger. "Das ist ein wenig beschämend, muss ich ehrlich gestehen. So sollte es eigentlich nicht sein." Diese Aussage charakterisiert Carlsen treffend: Der beste Schachspieler der Welt gönnt seinen Gegnern keinen Sieg und zeigt seinen Unmut nach Niederlagen deutlich.

Carlsen ist seit Juli 2011 die unangefochtene Nummer 1 der Schachwelt und seit 2013 Weltmeister. Er gewann den Titel gegen den Inder Viswanathan Anand vor fünf Jahren mit 6,5:3,5 und verteidigte ihn ein Jahr später gegen den gleichen Gegner in Sotschi souverän mit 6,5:4,5. Etwas spannender machte er es 2016 gegen den Russen Sergej Karjakin: Nach 6:6 siegte Carlsen erst im Tiebreak mit 3:1.

Der Titelverteidiger führt die Weltrangliste an, doch Caruana folgt mit nur drei Punkten Rückstand auf Rang zwei. Das ist ein Wimpernschlag im Schachsport. 33 Mal standen sich die zwei Großmeister im klassischen Schach schon gegenüber. 18 Mal endete die Partie unentschieden, zehnmal gewann Carlsen, fünfmal Caruana. Damit geht der Weltmeister als leichter Favorit ins Rennen.

Caruana will Bobby Fischers Erbe antreten

Für den gut ein Jahr jüngeren Amerikaner ist der Griff nach dem WM-Titel die logische Konsequenz seiner zahlreichen Erfolge in den vergangenen Jahren. Viele Experten hatten ihn schon 2016 auf der Rechnung, doch er landete beim Kandidatenturnier in Moskau knapp hinter Karjakin auf Platz zwei. Im April dieses Jahres machte er es in Berlin besser. Er ließ beim Kandidatenturnier seine sieben Kontrahenten hinter sich. Caruana ist seit Bobby Fischer im Jahr 1972 der erste Amerikaner, der um die Weltmeisterschaft kämpft. So liegen nun die Hoffnungen aller Schachfans aus Übersee auf dem schmächtigen, aber - genau wie Carlsen - körperlich austrainierten jungen Mann. Caruana erwartet ein verbissenes Duell. Für ihn ist Schach ein Kampfsport.

"Es ist ähnlich wie Boxen oder Mixed Martial Arts. Es ist ein Duell Schlag auf Schlag, in dem wir beide versuchen werden, die Oberhand zu gewinnen und unseren Willen dem anderen aufzudrängen", sagt der 26 Jahre alte Amerikaner beim Internetportal time.com. "Es ist zwar kein physischer Sport, aber wenn die Leute diese Eins-gegen-eins-Duelle mögen, sind sie beim Schach richtig."

dpa