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14.10.2012, 21:05

Offener Brief des Ex-Bundestrainers

Schobels bittere Anklage

Am vergangenen Mittwoch wurde Erhard Wunderlich in Augsburg beigesetzt. Der Handball-Weltmeister war im Alter von 55 Jahren einem Krebsleiden erlegen. In einem offenen Brief, den wir an dieser Stelle veröffentlichen, kritisiert Ex-Bundestrainer Simon Schobel ehemalige Mitspieler und aktuelle Funktionäre, die Wunderlich nicht die letzte Ehre erwiesen.

Ex-Handball-Bundestrainer Simon Schobel.
Ex-Handball-Bundestrainer Simon Schobel.
© imago

DANKE SEPP,

Als ich am Freitag, den 05.10.2012, von Uli Roth angerufen wurde und mir von Deinem Tod berichtet wurde, war ich sehr traurig und geschockt.

Da keiner wusste, wann die Beerdigung stattfindet, habe ich für jeden Tag dieser Woche einen Flug von Hermannstadt (Rumänien) nach München reserviert, um Dich auf Deinem letzten Weg zu begleiten. Es stellte sich für mich gar nicht die Frage, irgendeine fernmündliche Anteilnahme zu bekunden, sondern es war mir ein absolutes Bedürfnis, Dir die letzte Ehre zu erweisen. Nun sind wenige Stunden vergangen, seit ich mich von Dir für immer verabschiedet habe und ich sitze in der Abendmaschine München-Sibiu und habe irrsinnige Schmerzen und bin sehr traurig über die Ereignisse des heutigen Tages.

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Ich landete heute Morgen in München, mietete einen Wagen und fuhr nach Augsburg zum Hauptbahnhof. Dort traf ich Uli und Michael Roth sowie Matthias Anthuber. Wir sprachen nur von Dir und von all den vielen ehemaligen Spielern, Trainern und Funktionären, die wir heute treffen werden.

Wir fuhren beizeiten zum Westfriedhof in Augsburg, wo der Parkplatz bereits voll belegt war. Und wieder dachten wir, dass die ganze Welt des Handballs da sein wird. Diese Erwartung wurde aber prompt gebremst, da in der Kapelle bereits eine andere Beerdigung stattgefunden hat, und wir erst um 14.30 Uhr an der Reihe waren, uns von Dir zu verabschieden.

Wir blieben alle sehr stumm, weil wir die Spieler von 78 und 84 suchten, weil wir die Spieler von Gummersbach suchten, weil wir die Funktionäre und Trainer des Deutschen Handballbundes suchten. Aber wir fanden keinen. Wir trafen dann beim Betreten der Kapelle Kurt Klühspies und Manfred Hofmann von der 78er Mannschaft und Uli und Michael Roth, Andreas Thiel und Rüdiger Neitzel von der 84er Mannschaft.

Von Deinem Erzrivalen Großwallstadt waren die genannten Klühspies und Hofmann sowie Klaus Zoll mit Gattin gekommen. Ich zolle diesen Leuten großen Respekt.

Seit meinem Rückzug als Bundestrainer habe ich mich aus jeglichen Diskussionen rausgehalten, doch jetzt habe ich zu große Schmerzen und frage mich ständig, wo war denn der Rest? Wo waren die Spieler von 78? Wo waren die Spieler von 84? Wo waren die Funktionäre und der Trainerstab des Deutschen Handballbundes?

Wenn diese Leute noch einen Funken Ehre in sich haben, sollten sie von ihren Ämtern zurücktreten. Ich rufe die Landesfürsten auf, diese Leute endlich ihrer Ämter zu entheben. Diese Schande kann der deutsche Handball nicht einfach schweigend hinnehmen.

Unsere Sportart hat durch diese Leute großen Schaden genommen. Darum werde ich nicht mehr schweigen! Die ehemaligen Spieler, die da waren, haben die gleiche Meinung wie ich.

Die Trauerzeremonie begann mit der wunderbaren Melodie des Gefangenenchores aus Verdis Oper Nabucco. Wo es unter anderem heißt: "Teure Heimat, wann seh ich dich wieder ..." Dies passt perfekt zu Dir, denn Du warst ein Spieler, dem seine Heimat sehr viel bedeutet hat und für die Du 140-mal das Nationaltrikot angezogen hast und 504 Tore geworfen hast. Für Deutschland zu spielen war für Dich eine Ehre. Im Anschluss kam Vlado Stenzel mit seinem persönlichen, schönen Abschied von Dir. Danach kam nichts mehr.

Die Schlussmelodie "My way" passte genau zu Dir auf Deinem letzten Weg. Du warst ein König des Handballs und als solcher bist Du gegangen. Und Du kannst wissen, dass Dich einige wenige in großem Respekt auf Deinem letzten Weg begleitet haben.

Ich sage DANKE SEPP, für die wunderbaren Jahre mit Dir, ich sage DANKE SEPP, für die Art und Weise wie Du die jungen Spieler 1984 geführt hast, und ich sage DANKE SEPP, dass Du mich durch Deine Beerdigung bewogen hast, nicht mehr zu schweigen.

Ich danke Dir, dass es Dich in meinem Leben gegeben hat.

Dein Simon Schobel

14.10.12
 
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