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01.07.2015, 09:26

Heute vor 25 Jahren: Deutschland schaltet die CSFR aus

Bitterer Tag endet für Kadlec mit Happy End

Es war ein hartes Stück Arbeit, bis die deutsche Nationalmannschaft am 1. Juli 1990 zum dritten Male hintereinander das Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht hatte. Am Ende musste allerdings mächtig gezittert werden, ehe die Tschechoslowakei mit einem 1:0 im Viertelfinale ausgeschaltet wurde.

Verloren und doch gewonnen: Miroslav Kadlec (re.) gegen Karl-Heinz Riedle (1. Juli 1990).
Verloren und doch gewonnen: Miroslav Kadlec (re.) gegen Karl-Heinz Riedle (1. Juli 1990).
© imagoZoomansicht

Kapitän Lothar Matthäus hatte unsere Mannschaft vor 73.347 Zuschauern im Meazza-Stadion in Mailand mit einem an Jürgen Klinsmann verursachten Foulelfmeter früh in Führung gebracht (24.). Kurios: Ausgerechnet in Überzahl, als der bereits verwarnte Lubomir Moravcik wegen einer Unsportlichkeit Rot gesehen hatte (70.), verlor die DFB-Auswahl völlig die Ordnung. Sie war eine Stunde überzeugend aufgetreten, hatte dem hohen Tempo bei extremen Temperaturen dann aber Tribut zollen müssen. "Plötzlich bekamen die Deutschen Angst, wir haben Alles oder Nichts gespielt. Und durch Vaclav Nemecek eine riesen Chancen zum Ausgleich", erinnert sich Miroslav Kadlec noch sehr gut an die höchst spannende Schlussphase. Torwart Bodo Illgner hielt mit einer Glanztat den hauchdünnen Vorsprung fest. Das Aus für die CSFR.

Straka: "Jürgen ist ein ganz cleverer Junge"

"Trotzdem war es für uns eine gute WM", sagt Kadlec rückblickend. Damit, in Italien nach Siegen gegen die USA (5:1), Österreich (1:0) und Costa Rica (4:1 im Achtelfinale) die Runde der acht weltbesten Teams erreicht zu haben, hatte die Tschechoslowakei die Erwartungen weit übertroffen nach einer enttäuschend verlaufenen Vorbereitung. Denn bis zum Turnier in Italien hatte das Team von Trainer Dr. Jozef Venglos im WM-Jahr jedes Testspiel verloren. Auch die Generalprobe in Düsseldorf gegen Deutschland (0:1). Beim erneuten Aufeinandertreffen im WM-Viertelfinale war es Gladbachs Bundesligaprofi Frantisek Straka, der die unglückliche Niederlage einleitete. Zu seinem Einsteigen gegen Klinsmann, das Schiedsrichter Helmut Kohl (Österreich) mit Strafstoß ahndete, meinte Straka nur: "Jürgen ist ein ganz cleverer Junge. Er ist einfach zwischen mir und Chovanec hindurch geflogen." Auch den Platzverweis von Moravcik empfand Straka als krasse Fehlentscheidung: "Die Hilfe eines Schiedsrichter hätten die Deutschen wirklich nicht gebraucht."

Kadlec und das schwer zu fassende Angebot

Straka hatte mit Kadlec, der Rudi Völlers Vertreter Karl-Heinz Riedle in Schach hielt, das Manndecker-Duo gebildet. Für den Abwehrchef von TJ Vitkovice brachte der Tag des bitteren Ausscheidens in Mailand noch ein Happy-End. Nach der Rückkehr ins CSFR-Quartier in Cernobbio in der Nähe des Comer Sees wartete schon ein "Unterhändler" des Bundesligisten 1.FC Kaiserslautern auf den 26-Jährigen. Trainer Karl-Heinz Feldkamp suchte nach dem Weggang von Franco Foda einen neuen Libero für den DFB-Pokalsieger. Da Jan Kocian (FC St.Pauli) nicht zu haben war, fiel Feldkamps erste Wahl auf Kadlec. Der Ludwigsburger Rechtsanwalt Christoph Schickhardt verhandelte für die Roten Teufel mit Kallis Wunschspieler. Der staunte nicht schlecht, als er die verlockende Offerte schwarz auf weiß auf einem Zettel vor Augen sah. "In Vitkovice hatte ich im Monat meist 12000 tschechische Kronen verdient, das waren etwa 500 D-Mark. Nun wurden mir 15000 D-Mark pro Monat angeboten. Plus 5000 D-Mark Einsatzprämie." Extra-Geld nur für's Auflaufen? Kadlec wollte es gar nicht glauben und fragte mehrfach nach. Am Ende war man sich einig. Wenige Tage später war der Deal perfekt, der damals 25-fache-CSFR-Nationalspieler wechselte für 900.000 Mark Ablöse von Vitkovice ins Fritz-Walter-Stadion und die Bundesliga.

FCK und Kadlec - die zwei Gewinner

Ein Transfer, der sich für beide Seiten mehr als auszahlte. Mit Kadlec als Abwehrorganisator wurde Kaiserslautern 1991 sensationell Deutscher Meister vor Bayern München. Sieben Jahre später wiederholte Kadlec mit Kaiserslautern dieses Kunststück. Zudem auf ganz besondere Weise: Die Roten Teufel, die 1996 als DFB-Pokalsieger erstmals aus der Bundesliga abgestiegen waren, marschierten als Aufsteiger zur Meisterschaft durch. Das ist in der Bundesliga-Historie einmalig! "Ich hätte nie gedacht, dass ich acht Jahre in Deutschland bleibe", erklärte Kadlec bei seinem Abschied in der Pfalz. Fazit: Mit dem Aus in Mailand hatte für Miroslav Kadlec die erfolgreichste Zeit seiner Karriere begonnen.

Uli Gerke

 
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