Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Nicht registriert?
12.07.2014, 17:47

Ex-Weltmeister Bixente Lizarazu im Interview

"Argentinien hat nur Messi, Deutschland ist ein Team"

Bixente Lizarazu (44) wurde mit Frankreich 1998 Weltmeister und 2000 Europameister. Mit dem FC Bayern München gewann er neben vielen anderen Titeln die Champions League. Als TV-Kommentator verfolgt er die WM in Brasilien, sah unter anderem den 1:0-Sieg der DFB-Auswahl gegen Frankreich im Viertelfinale und wird an diesem Sonntag das Finale Deutschland gegen Argentinien kommentieren. kicker-Chefreporter Karlheinz Wild sprach mit ihm in Rio de Janeiro.


Aus Brasilien berichtet kicker-Reporter Karlheinz Wild

Bixente Lizarazu
Stand dem kicker in Brasilien Rede und Antwort: Ex-Weltmeister Bixente Lizarazu.
© imagoZoomansicht

kicker: Monsieur Lizarazu, was spricht für die deutsche Mannschaft im WM-Finale?

Bixente Lizarazu: Die Argentinier haben nur Lionel Messi, sie hängen total von ihm ab, während die deutsche Mannschaft mehr ein Team ist. Und wenn ein Spieler im DFB-Team nicht so gut drauf sein sollte, kann es sofort ein anderer richten. Deutschland hat viele gute Spieler, die den Unterschied ausmachen können.  

kicker: An wen denken Sie vor allem? 

Bixente Lizarazu: Manuel Neuer im Tor hält wie Oliver Kahn 2002 in Japan-Südkorea, er gewinnt Spiele allein. Er ist der beste Torwart der Welt. Dieser Junge hat eine unglaubliche Ausstrahlung. Auch Thomas Müller mit seinem ganz speziellen Stil kann die Entscheidung bringen, er ist extrem effizient. Mats Hummels ist als Abwehrchef sehr wichtig.   

kicker: Sie sagten vor dem Frankreich-Spiel im kicker, Philipp Lahm müsse nach rechts. Nun spielt er rechts, es läuft.   

Bixente Lizarazu: Er ist da der Beste. Nun hat das deutsche Spiel eine Balance, auch weil Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira im Mittelfeld gute Arbeit machen. Beide sind jetzt 100-prozentig fit. Die deutsche Mannschaft hat sich im Turnierverlauf stark verbessert und ihre defensiven Probleme behoben. Bundestrainer Löw hat verändert, was er verändern musste. Im Viertelfinale gegen Frankreich stand die deutsche Elf viel kompakter. Benedikt Höwedes - auch wenn er nicht wie Lahm nach vorne geht - leistet nach hinten sehr gute Arbeit, weil Mesut Özil da wenig tut. Wenn alle deutschen Spieler ihre Form bringen, sind sie schwer zu schlagen. 

kicker: Was könnte für Argentinien sprechen?

Bixente Lizarazu: Die Deutschen müssen das 7:1 gegen Brasilien vergessen. Die einzige Gefahr könnte darin bestehen, dass sie nach dem Kantersieg im Halbfinale zu relaxed in dieses Finale gehen. Außerdem sind die Argentinier taktisch sehr clever, sie wollen den Willen, den Rhythmus des Gegners brechen. Die deutsche Mannschaft muss deshalb das Tempo hochhalten. Aber darin hat sie sich sowieso verbessert und aus der 1:2-Niederlage gegen Italien im Halbfinale 2012 gelernt.    

kicker: Was hat sie gelernt?

Bixente Lizarazu: Damals rannten die Spieler wie verrückt nach vorne. Obwohl sie die bessere Mannschaft waren, verloren sie. Das tut verdammt weh. Heute spielen sie taktisch cleverer, wechseln den Rhythmus: Mal abwarten - wie zu Beginn gegen Brasilien -, dann attackieren, wie nach der 1:0-Führung. Seit 2006 spielen die Deutschen neben Spanien den schönsten und besten Fußball, hatten aber nur eine taktische Option. Jetzt haben sie mehr Strategie und können während eines Spiels reagieren.

kicker: Sind die Deutschen dieses Mal einfach dran, nachdem sie seit 2006 das fünfte Mal das Halbfinale erreichten und jetzt im Endspiel sind?  

Bixente Lizarazu: Eigentlich ist es normal und logisch, dass diese aktuelle Generation einmal einen großen internationalen Titel gewinnt. Lahm, Schweinsteiger und die anderen hätten es verdient, es wird Zeit für sie. Aber wenn die Argentinier gewinnen, haben sie es genauso verdient. Die jetzige deutsche Generation hat Talent, aber Talent allein reicht nicht: Man muss Titel gewinnen.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 12.07., 11:44 Uhr
Löws Wandlung - Vom Schönspieler zum Pragmatiker
Bundestrainer Joachim Löw musste sich vor und während der WM schon viel Kritik gefallen lassen. Die Fakten sprechen bisher für ihn, denn am Sonntag steht er mit seiner Mannschaft im WM-Finale gegen Argentinien. Aus dem Lager der Nationalelf gibt es ohnehin nur lobende Worte für und über Löw. Assistent Hansi Flick, Manager Oliver Bierhoff und Kapitän Philipp Lahm unterstreichen, dass er "klare Vorstellungen" habe und bewerten das ausdrücklich positiv. Oldie Miroslav Klose kommt zu dem Schluss: "Ein fantastischer Trainer."
Alle Videos in der ÜbersichtAlle Videos per RSS
12.07.14
 
Seite versenden
zum Thema

weitere Infos zu Neuer

Vorname:Manuel
Nachname:Neuer
Nation: Deutschland
Verein:Bayern München
Geboren am:27.03.1986

weitere Infos zu T. Müller

Vorname:Thomas
Nachname:Müller
Nation: Deutschland
Verein:Bayern München
Geboren am:13.09.1989

weitere Infos zu Lahm

Vorname:Philipp
Nachname:Lahm
Nation: Deutschland
Verein:Bayern München
Geboren am:11.11.1983

weitere Infos zu Hummels

Vorname:Mats
Nachname:Hummels
Nation: Deutschland
Verein:Bayern München
Geboren am:16.12.1988