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Italien

Italien

5
:
3

im Elfmeterschiessen
1:1 (1:1,1:1)
Frankreich

Frankreich


ITALIEN
FRANKREICH
15.
30.
45.





60.
75.
90.





 
105.

120.












 

Finale: Italien - Frankreich 5:3 i. E. (1:1, 1:1,1:1)

Grosso endgültig der Held

Nach 120 Minuten stand es zwischen Italien und Frankreich 1:1. Zidane hatte die Franzosen früh mit einem abgezockten Elfmetertor in Front geschossen, doch Materazzi glich aus. In der Verlängerung passierte nicht viel Sportliches. Dafür leistete sich Zidane einen Kopfstoß und sah Rot. Beim Elfmeterschießen machte sich Grosso endgültig unsterblich.

Beide Trainer setzten im WM-Finale auf die Startformationen, die in den Halbfinals ebenso von Anfang an auf dem Platz standen. Die Italiener behielten in einem denkwürdigen Halbfinale mit 2:0 n.V. die Oberhand gegen Gastgeber Deutschland. Die Franzosen zogen durch ein 1:0 gegen Portugal ins Endspiel nach Berlin ein. Auf Seiten der "Squadra Azzurra" absolvierte Defensivmann und Kapitän Fabio Cannavaro sein 100. Länderspiel. Bei der "Equipe Tricolore" stand Mittelfeldspieler Zinedine Zidane das letzte Mal überhaupt auf dem Platz.

Künstler gegen Klette: Zidane bei seinem letzten Spiel gegen Gattuso.
Künstler gegen Klette: Zidane bei seinem letzten Spiel gegen Gattuso.
© dpa

Schock wegen Henry nach 46 Sekunden

Das Spiel begann nicht mit einem Paukenschlag, nein, die Anfangsphase des Finals der 18. Fußball-WM bescherte den 72.000 Zuschauern im Olympiastadion in den ersten sieben Minuten gleich drei prickelnde Szenen. Schon nach 46 Sekunden stockte den französischen Anhängern der Atem, denn nach einem Zusammenprall mit Cannavaro blieb der Ausnahmestürmer benommen liegen, konnte aber nach zweiminütiger Behandlung weitermachen.

Kaum war Henry zurück, krachte Zambrotta am gegnerischen Strafraum in die Beine von Vieira und sah von Schiedsrichter Elizondo (Argentinien) berechtigt die erste Gelbe Karte des Endspiels. Schon beim nächsten Angriff der Franzosen köpfte Henry maßgenau in den Lauf von Malouda, der energisch in den Strafraum der "Azzurri" eindrang und vom heranstürzenden Materazzi am Knie touchiert wurde - der Referee zeigte sofort auf den ominösen Punkt, womit das Duell Zidane gegen Buffon wartete: Im Gegensatz zum Elfmeter im Halbfinale gegen Portugal machte es Zidane diesmal aber mit Gefühl und lupfte den Ball - die Kugel streichelte die Unterkante der Latte und sprang dann knapp hinter die Linie (7.). Frankreich lag in Front.

Da hilft keine Unschuldsgeste: Malouda holt den Elfer für Frankreich heraus.
Da hilft keine Unschuldsgeste: Malouda holt den Elfer für Frankreich heraus. Cannavaro und Materazzi geschockt.
© dpaZoomansicht

In der Folge war die Lippi-Elf sichtlich geschockt, Pirlo und Totti versuchten Struktur in das Spiel der Italiener zu bringen, aber dies durchkreuzte Frankreich mit bissigem Zweikampfverhalten. Doch mit der zweiten Ecke der Italiener konnte Materazzi seinen Fehler wieder ausbügeln. Pirlo brachte den Ball wie eine Banane herein und am zweiten Pfosten gewann der Nesta-Ersatz das Kopfball-Duell gegen Vieira und wuchtete das Leder aus sechs Metern zum 1:1 in die Maschen (19).

Fehler ausgebügelt: Materazzi (Nr. 23) dreht jubelnd an, Ribery sieht den Ball im Netz zappeln.
Fehler ausgebügelt: Materazzi (Nr. 23) dreht jubelnd an, Ribery sieht den Ball im Netz zappeln.
© dpaZoomansicht

Nun war die Partie vom Ergebnis wieder offen und so wurde sie auch weiterhin geführt. Beide Teams gingen enormes Tempo, ohne dass sich jedoch einer der Finalisten Vorteile oder klare Torchancen herausspielen konnte.

Doch nach rund 30 Minuten machten sich die Italiener auf, den zweiten Treffer zu erzielen. Aus dem Spiel heraus hatte Luca Toni die Großchance, doch Thuram blockte ab (35.). Sekunden später köpfte der Stürmer aus Florenz nach einer weiteren gefährlichen Ecke aus fünf Metern an die Latte (36.). Auf der Gegenseite konnten die Mittelfeldspieler Frankreichs ihre einzige Spitze Henry kaum mehr in Szene setzen, so dass das 1:1 zur Halbzeit den Franzosen trotz einem Klassestart eher schmeichelte.

Frankreich mit flottem Wiederbeginn

Mit Beginn des zweiten Abschnitts übernahm Frankreich wieder eindeutig die Initiative. Vor allem dem enorm agilen Henry war es in dieser Phase zu verdanken, dass die "Equipe" Oberwasser bekam. Schon in der 46. Minute prüfte der Arsenal-Stürmer Keeper Buffon mit einem allerdings nicht allzu platzierten Flachschuss. Vier Minuten später wurstelte sich Henry gegen drei italienische Abwehrspieler durch und passte im Strafraum quer auf Malouda, doch der Linksfuß wartete am zweiten Pfosten, so dass Zambrotta klären konnte. Und wiederum vier Minuten darauf hatte Italien Glück, dass Elizondos Pfeife nach einem riskanten Tackling von Zambrotta gegen Malouda sechs Meter vor Keeper Buffon stumm blieb.

Riskantes Tackling: Zambrotta gegen Malouda.
Riskantes Tackling: Zambrotta gegen Malouda.
© dpaZoomansicht

Mit der Einwechslung von Iaquinta als zweiter Spitze neben Luca Toni in der 61. Minute wurden die Franzosen wieder etwas vorsichtiger und zogen sich mehr zurück. Zudem mussten sie den verletzungsbedingten Ausfall von Ihrem "Sechser" Vieira verkraften, der mit einer Oberschenkelverletzung raus musste. Einen ersten Aufreger im zweiten Abschnitt mussten die Franzosen überstehen, als Grossos weite Freistoßflanke den Kopf von Luca Toni fand und der Stürmer den Ball ins lange Eck köpfte, doch der Referee entschied zu Recht auf Abseits (61.).

Nach dieser Aktion verflachte die Partie für 15 Minuten ein wenig, beide Teams schienen durchschnaufen zu wollen, um im Schlussspurt die mögliche Entscheidung zu suchen. Den Auftakt dazu machte Italiens Standardspezialist Pirlo mit einem Freistoß aus 28 Metern, der hauchdünn vorbeistrich (77.). Doch dies war es dann schon mit dem erhofften großen Sturmlauf in der letzten Viertelstunde der 90 Minuten. Zwar zeigten sich die Franzosen frischer und williger, doch die Italiener retteten sich in ihre zweite Verlängerung des Turniers.

Verlängerung: Frankreich weiter obenauf

In der Verlängerung wollten sich beide Teams nicht vorschnell aus der Reserve locken lassen, auch wenn die Franzosen eher im Vorwärtsgang waren. So dauerte es bis zur 100. Minute, ehe die Domenech-Elf gefährlich vor das Tor von Buffon kam. Nach einem Doppelpass zwischen Malouda und Ribery strich das Leder nur Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Für den Akteur aus Marseille war dies die letzte Aktion - nun kam Trezeguet, womit die Franzosen nominell auch zwei Stürmer auf dem Platz hatten. Sekunden darauf hatte Zidane nach Sagnols butterweicher Flanke die Riesenkopfball-Chance, doch Buffon ließ den französischen Torschrei mit einem Superreflex verstummen (103.).

So sah's in der Verlängerung aus: Frankreich mit Henry obenauf
So sah's in der Verlängerung aus: Frankreich mit Henry obenauf
© dpa

Gleich nach Wiederbeginn der letzten 15 Spielminuten gab es eine unglaubliche Szene. Nach einem kurzen Verbalaustausch zwischen Materazzi und Zidane streckt der Kapitän der Franzosen den Defensivmann der Italiener mit einem heftigen Kopfstoß gegen den Brustkorb nieder. Keiner der drei Schiedsrichter hatte die Aktion mitbekommen, doch der vierte Offizielle erstattete Bericht und Zidane musste mit rot vom Platz (110).

In sportlicher Hinsicht tat sich nicht mehr viel. Allein ein Schuss des Jokers Trezeguet über den Kasten aus der 120. Minute verdiente noch Erwähnung.

 

Aufstellungen, Einwechslungen & Reservebänke

Italien
Aufstellung:
Buffon (2,5) - 
Zambrotta (3,5)    
F. Cannavaro (2,5) , 
Materazzi (2,5)    
Grosso (3) - 
Camoranesi (4,5)    
Gattuso (2) , 
Pirlo (3,5) , 
Perrotta (4,5)    
Totti (5)    
Toni (4)

Einwechslungen:
61. de Rossi (3,5) für Totti
61. Iaquinta (4,5) für Perrotta
86. del Piero (5) für Camoranesi

Trainer:
Lippi
Frankreich
Aufstellung:
Barthez (3,5) - 
Sagnol (3)    
Thuram (3) , 
Gallas (2,5) , 
Abidal (4) - 
Makelele (3)    
Vieira (3,5)    
F. Ribery (4)    
Zidane (5)        
Malouda (4)    
Henry (2)    

Einwechslungen:
56. A. Diarra (3,5) für Vieira
100. Trezeguet für F. Ribery
107. Wiltord für Henry

Trainer:
Domenech

Tore & Karten

 
Torschützen
0:1
Zidane (7., Foulelfmeter, Rechtsschuss, Malouda)
1:1
Materazzi (19., Kopfball, Pirlo)
 
Elfmeterschießen
1:0
Pirlo (verwandelt)
1:1
Wiltord (verwandelt)
2:1
Materazzi (verwandelt)
2:1
Trezeguet (nicht verwandelt)
3:1
de Rossi (verwandelt)
3:2
Abidal (verwandelt)
4:2
del Piero (verwandelt)
4:3
Sagnol (verwandelt)
5:3
Grosso (verwandelt)
Rote Karten
Italien:
-
Frankreich:
Zidane
(110., Tätlichkeit, Materazzi)

Gelbe Karten
Italien:
Zambrotta
(3. Gelbe Karte)
Frankreich:
Sagnol
(3. Gelbe Karte)
,
Makelele
(2.)
,
Malouda
(1.)

Spielinfo

Anstoß:
09.07.2006 20:00 Uhr
Stadion:
Olympiastadion, Berlin
Zuschauer:
69000 (ausverkauft)
Spielnote:  3,5
Chancenverhältnis:
3:6
Eckenverhältnis:
5:7
Schiedsrichter:
Horacio Elizondo (Argentinien)   Note 2,5
er benachteiligte keine Mannschaft, bekam das Spiel dank der schnellen Verwarnung gegen Zambrotta in den Griff. Bei beiden strittigen Szenen entschied er für den Angreifer, Zidanes Platzverweis war korrekt.
Spieler des Spiels:
Thierry Henry
Beweglich, agil, suchte immer wieder den Weg zum Kasten. War der gefährlichste Franzose und hatte drei große Torszenen.