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23.01.2015, 13:24

BFV-Präsident spricht über die Zukunft der Regionalliga

Dr. Koch: "Liga mit 16 Klubs halte ich für denkbar"

Der Präsident des Bayerischen Fußball Verbandes Dr. Rainer Koch (56) besuchte den kicker in Nürnberg und nahm Stellung zur Zukunft der Regionalliga. Außerdem sprach der BFV-Präsident offen über das brisante tagespolitische Thema des Mindestlohngesetzes und dessen Bedeutung für den Amateurfußball.

Dr. Rainer Koch
Hält den direkten Aufstieg aller Regionalligameister für nicht möglich: BFV-Präsident Dr.Koch
© imagoZoomansicht

kicker: Herr Dr. Koch, der ab 1. Januar flächendeckend eingeführte Mindestlohn beschäftigt auch den Fußball. Was kommt auf die Vereine konkret zu?

Dr. Robert Koch: Die meisten Amateurvereine werden nicht betroffen sein. Es bleiben aber noch viele Einzelfragen, zu denen derzeit keine verbindlichen Auskünfte möglich sind. Dies betrifft vor allem Vereine mit Vertragsspielern im höherklassigen Bereich. Dort könnten finanzielle Nachforderungen verschiedenster Art entstehen, die Vereine möglicherweise vor wirtschaftliche Probleme stellen.

kicker: Was sollen die Vereine denn Ihrer Meinung nach tun?

Koch: Das Mindestlohngesetz wirft im Fußball Fragen auf, zu denen wir den Vereinen aktuell keine verbindliche Rechtsauskunft erteilen können, so gerne wir das natürlich tun würden. Was aber nicht sein darf, ist, dass die Ehrenamtlichen in den Vereinen mit den bestehenden Unsicherheiten belastet bleiben.

kicker: Was unternehmen Sie, um daran etwas zu ändern?

Koch: Wir wenden uns an die Politik und die Behörden und fordern Klarstellungen ein. Dazu muss man die Abgeordneten, insbesondere die sportpolitischen Beauftragten der Fraktionen, zunächst aufklären, welche Probleme durch das Gesetz im Fußballbereich entstehen könnten. Wenn keine Klarheit geschaffen werden kann, werden in letzter Konsequenz Arbeitsgerichte über einzelne Fälle entscheiden müssen.

kicker: Erste Vertreter der Regionalligaklubs sehen für ihre Vereine düstere Perspektiven.

Koch: Prinzipiell muss jeder Vertrag, unabhängig von der Spielklasse, angesehen und überprüft werden. Nicht nur bei unseren insgesamt knapp 1300 Vertragsamateuren in ganz Bayern, sondern auch bei Trainern oder anderen bezahlten Funktionären in den Vereinen.

kicker: Wie gut funktioniert aus Ihrer Sicht die derzeit fünfgeteilte Regionalliga?

Koch: Die Beschlusslage ist eindeutig, nach dieser Saison wird eine Evaluierung stattfinden. Davor müssen jetzt die unterschiedlichen Sichtweisen aus den einzelnen Regionalverbänden und dem DFB-Spielausschuss zusammengeführt werden.

kicker: Wie ist die Stimmung in den Vereinen?

Koch: Ich kann Ihnen in meiner Funktion als Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes sagen, dass sich die Vereine aller fünf süddeutschen Landesverbände quasi einstimmig für die Beibehaltung der fünfgliedrigen Regionalliga ausgesprochen haben. Eine ganz ähnliche Erklärung haben auch die Klubs auf dem Verbandstag des Nordostdeutschen Fußballverbandes verabschiedet.

kicker: Bleibt für viele Kritiker aber noch das Problem, dass die Meister der jeweiligen Staffeln nicht direkt in die 3. Liga aufsteigen können.

Koch: Das ist auch aus meiner Sicht nicht gut, aber wohl unvermeidbar. Dass alle Meister der Regionalligen aufsteigen, halte ich nur theoretisch für möglich.

kicker: Welche Lösungen sind denkbar?

Koch: Über eine Aufstiegsrunde wären mehr Spieltage denkbar, sodass auch tatsächlich die drei sportlich besten Mannschaften aufsteigen und nicht die vielleicht stärksten Teams einander zugelost werden. Für mehr Spieltage zum Schluss einer Saison braucht man allerdings auch die nötige Zeit. Dazu müsste man über eine Reduzierung der Mannschaftszahl pro Liga nachdenken. Aber es geht nicht ausschließlich um den Aufstieg. Für viele Klubs ist die höchste Amateurspielklasse auch das Maximum, also quasi die persönliche Champions League. Trotz mancher kleinerer Vereine haben wir nicht nur in Bayern steigende Zuschauerzahlen.

kicker: Ist die Regionalliga fast schon ideal?

Koch: Ideal wäre, wenn der Meister aufsteigen würde. Aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist die Regionalliga in ihrer aktuellen Form eine gute Lösung. Ohne der geplanten Evaluierung viel vorwegnehmen zu wollen, halte ich eine Liga mit 16 Klubs für denkbar, denn für eine echte Aufstiegsrunde braucht es Spieltage. Relegationsspiele sind Highlight-Veranstaltungen, die viele Zuschauer sehen wollen.

Interview: Stefan Wölfel

 
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