U21: Interview mit Dieter Eilts
"Ich bin maßlos enttäuscht"
kicker: Haben Sie Ihre Entlassung verwunden, Herr Eilts?
Dieter Eilts: Ja natürlich, weil sie mich nicht mehr überrascht hat und ich damit gerechnet hatte. Dennoch bin ich maßlos enttäuscht, ich hätte gerne die EM gespielt und bin überzeugt, dass wir in Schweden eine gute Rolle gespielt hätten.
kicker: Wann war Ihnen klar, es geht zu Ende?
Eilts: Nach dem Gespräch mit Mathias Sammer nach der Qualifikation.
kicker: Also bereits vor den Play-offs gegen Frankreich?
Eilts: Ja.
kicker: Es soll zwei Gespräche mit dem Sportdirektor gegeben haben.
Eilts: Stimmt. Aber beim ersten nach dem 0:1 in Moldawien ging es in erster Linie um die direkte Kommunikation untereinander.
kicker: Die war gestört?
Eilts: Matthias Sammer und ich sind uns in gewissen Dingen sehr ähnlich, in anderen aber auch meilenweit auseinander. Wir hatten damals vereinbart, wir müssen offener miteinander umgehen, ohne zu taktieren. Ich habe das als gutes Gespräch in Erinnerung.
kicker: Das zweite, nach dem 0:0 gegen Israel, dann offensichtlich nicht mehr. Hat dieses unansehnliche und ängstliche Ballgeschiebe, das letztlich den Gruppensieg brachte, den Ausschlag für Sammers Entscheidung gegeben?
Eilts: Ich weiß es nicht.
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kicker: Sammer sprach von inhaltlich unterschiedlichen Auffassungen. Welche waren das konkret?
Eilts: Weiß ich auch nicht.
kicker: Sammer wünscht, dass alle DFB-Teams immer und überall dominant und attraktiv nach vorne spielen. Das hat Ihre Mannschaft nicht nur in den erwähnten Spielen nicht geschafft. Auch gegen Frankreich nicht.
Eilts: Frankreich ist auch nicht irgendein Gegner. Sie haben hohe Qualität und sie waren besser. Aber wir haben uns durchgesetzt, wenn auch mit Glück. Wir haben entsprechend der DFB-Philosophie immer versucht, sehr offensiv zu spielen, auch wenn das nicht immer gelungen ist. Das war sicher nicht alles überragend, aber auch nicht so schlecht, wie es jetzt dargestellt wird. Wir hatten seit Sommer 2007 elf Siege, vier Unentschieden und eine Niederlage zu verzeichnen, dazu ein gutes Torverhältnis. Mit ständig wechselnder Mannschaft. Die Leistung war nicht schlecht, sie war gut.
kicker: Dann können Sie die Trennung nicht nachvollziehen?
Eilts: Nein.
kicker: Sie sollen andere begleitende Maßnahmen wie Videoanalyse, Fitness- und Athletiktraining oder psychologische Betreuung nicht wie gewünscht umgesetzt haben.
Eilts: Wir haben sehr wohl Videomanagement eingesetzt, teilweise haben das die Spieler sogar eigenständig gemacht. Auch die anderen Bereiche haben wir versucht, unseren Bedürfnissen anzupassen. Man kann das nicht eins zu eins von einem Team aufs andere übertragen, weil jedes andere Voraussetzungen hat. Was wir in welchem Maß dazunehmen, muss der Trainer entscheiden.
kicker: Hätten Sie sich verbiegen müssen, um den Job zu retten?
Eilts: Das wäre nicht authentisch gewesen, das hätten die Spieler sofort gemerkt, es wäre nicht glaubwürdig.
kicker: Sie haben einmal gesagt, es sei das Schlimmste für Sie, nicht eigenständig arbeiten zu können. Ist der Trainer Eilts nur bedingt teamfähig?
Eilts: Eigenständig heißt ja nicht allein. Es geht doch heute gar nicht mehr anders, als im Team zu arbeiten, dazu sind die Bereiche um die Mannschaft zu vielfältig.
kicker: Aber eigenständig in dem Sinn, dass der Cheftrainer letztlich entscheidet und sich dabei nicht von konzeptionellen Vorgaben einschränken lassen möchte?
Eilts: Noch mal: Ich kann nicht erkennen, dass wir gegen die Philosophie des DFB gearbeitet hätten.
kicker: Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?
Eilts: Sicher kann man alles nachher hinterfragen, aber zu dem jeweiligen Zeitpunkt war ich von allen Entscheidungen überzeugt und würde wieder so entscheiden.
kicker: Was planen Sie jetzt?
Eilts: Ich werde weiter Spiele schauen und bei Vereinen hospitieren.
kicker: Wollen Sie weiter im Nachwuchsbereich arbeiten?
Eilts: Oder im Profibereich, vielleicht auch in anderer Funktion.
kicker: Nämlich?
Eilts: Als Sportdirektor etwa, warum nicht?
Interview: Michael Pfeifer
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