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14.02.2019, 09:09

BVB nach der 0:3-Schlappe in London

Dortmunds erste Krise: Mehr als nur eine Delle

Eine Woche nach dem Pokal-Aus kann Borussia Dortmund jetzt nur noch ein Wunder vor dem Ausscheiden in der Champions League bewahren. Die heile Welt bei den Westfalen ist in Unordnung geraten. Lucien Favre muss die erste Krise seiner Amtszeit managen. Überraschend beteuert der Trainer, dass er sich "keine Sorgen" mache. Dabei hätte er Anlass genug dazu.


Aus London berichtet Thomas Hennecke

Jadon Sancho & Co.
Rätselraten beim BVB: Jadon Sancho & Co. in London.
© Getty ImagesZoomansicht

Tottenham Hotspur wurde in den Analysen vor dem Spiel nicht als Übermannschaft identifiziert, nicht mit dem Format des FC Liverpool oder von Manchester City, eher als schlagbarer Gegner, der Dortmund vor keine unlösbaren Probleme stellen würde. Gegen den Tabellendritten der Premier League dann aber mit 0:3 (0:0) unterzugehen und nach ansprechender erster Hälfte ohne Gegenwehr zu kollabieren, gehört nun zu den bittersten Erfahrungen einer bis vor zwei Wochen nahezu makellosen Saison.

Fluchtartig und schweigend vor Entsetzen verließ der Großteil der BVB-Offiziellen den Ort des Geschehens. Nach jetzt schon vier Spielen ohne Sieg, nach zuletzt drei Spielen mit jeweils drei Gegentoren, nach dem Pokal-K.-o. gegen Werder Bremen und dem Untergang in London schließt das schwarz-gelbe Schlaraffenland fürs Erste seine Pforten. Rückschläge hatten die Bosse in den Entwicklungsprozess ihres neu zusammengesetzten Ensembles eingepreist - in diesem Takt und in dieser Heftigkeit wohl nicht.

Favres angebliche Lässigkeit: "Das gehört dazu"

Sebastian Kehl, der als ehemaliger Profi alles erlebt hat, auch Wunder in vermeintlich aussichtslosen Situation, klammert sich an die höchstens noch in Spurenelementen vorhandene Hoffnung, im Rückspiel am 5. März eine Sternstunde zu erwischen und den Schaden von Wembley noch zu reparieren. "Ich weiß, was in der Mannschaft steckt", sagt der Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, "wir können das eine oder andere Tor erzielen und müssen versuchen, keines zu kassieren." Dass Dortmunds Chancen gegen null tendieren, ist die unausgesprochene und unausweichliche Erkenntnis, die Kehl mit in die Nacht und mit ins naheliegende Mannschaftshotel genommen hat.

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Zwei Stockwerke über ihm sitzt Lucien Favre in der Pressekonferenz, seine Mimik ist schwer zu deuten, Dortmunds Trainer referiert vor der Presse so emotionslos wie er zuvor an der Seitenlinie gecoacht hat. Er mache sich "keine Sorgen", sagt er, so als habe sich die Borussia gerade nur einen verzeihbaren Ausrutscher erlaubt. Eine Art lässliche Sünde. Das drohende Aus, den nächsten Rückschlag oder die anfängerhaften Fehler, die Achraf Hakimi fast schon zu kultivieren scheint, erträgt Favre ohne erkennbare Regung. "Das gehört dazu", versichert er, "im Fußball gibt es Phasen, die nicht top, top, top sind."

Mentalität, Biss, Disziplin: Was ist das Dortmunder Problem?

Man wird mit einiger Spannung beobachten, wie der Fußballlehrer die erste Krise unter seiner Stabführung meistert, es ist nicht nur eine Delle, wie man nach dem samstäglichen 3:3 gegen Hoffenheim noch wohlmeinend glauben mochte. Wenn Roman Bürki "rigoroseres Verteidigen" fordert, klingt das wie ein Verzweiflungsruf. Dortmunds Torhüter hat fehlende Robustheit schon häufiger bemängelt, er muss sich fühlen wie eine Platte mit Sprung, es ändert sich nichts. Hat die Mannschaft doch wieder ein Mentalitätsproblem, das durch geschickte Zukäufe im Sommer längst überwunden schien? Kann sie nicht mehr beißen? Sich in Zweikämpfe werfen und Widerstand zeigen? Wohin ist die Disziplin entschwunden, die die Mannschaft unter neuer Führung wieder gewonnen hatte?

In London fehlten der Borussia fünf Spieler der Top-Kategorie, allen voran Marco Reus, dazu Lukasz Piszczek, Manuel Akanji, Julian Weigl und Paco Alcacer. Das sind Säulen, Leistungsträger. "Diesen Substanzverlust merken wir natürlich", stöhnt Kehl. Aus diesem Problem entsteht ein noch viel größeres, weil derzeit keine Hilfe von der Bank kommt. Jacob Bruun Larsen, Maximilian Philipp, Christian Pulisic - alle sind weit von ihrer Bestform entfernt. Oder noch nicht wieder in Bestform wie Dan-Axel Zagadou, der in London nach zehn Wochen Pause nur so lange eine Hilfe war, wie ihn seine Füße trugen.

Reus und Akanji fehlen auch in Nürnberg

Reus und Akanji werden auch am Montag in Nürnberg nicht zur Verfügung stehen. Bei den drei anderen hofft Favre noch. Er will jetzt "analysieren und noch mehr arbeiten." Um sich Sorgen zu machen, ist es ja noch viel zu früh.

Champions League, 2018/19, Achtelfinale
Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund 3:0
Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund 3:0
VAR-Technik in Wembley bereit

Im CL-Achtelfinale zwischen den Spurs und dem BVB kam der Video-Beweis zum Einsatz - die Technik stand schon lange vor Anpfiff bereit.
© imago

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Vorname:Lucien
Nachname:Favre
Nation: Schweiz
Verein:Borussia Dortmund

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Vorname:Roman
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