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17.12.2018, 16:39

Wie Verbände und Klubs Prävention betreiben

Kampf gegen Spielmanipulation: BVB engagierte Schauspieler

40 Milliarden Euro - diese gigantische Summe setzten Wetter weltweit anno 2017 auf Wettbewerbe im deutschen Fußball. Und die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Die DFL versucht, mit Prävention besonders im Juniorenbereich vorzubeugen, zahlreiche Klubs aber werden aus dem Wettbereich gesponsert. Über den schwierigen Kampf gegen Spielmanipulation.

Prävention im NLZ: Der BVB zeigt sich beim Kampf gegen Spielmanipulation durchaus findig.
Prävention im NLZ: Der BVB zeigt sich beim Kampf gegen Spielmanipulation durchaus findig.
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Es kommt schon häufiger vor, dass Carsten Thiel von Herff an einem Montag elektronische Post erhält. Oft ist der Inhalt verschwörungstheoretischer Natur. Da werden die Schiedsrichterleistungen vom Wochenende zum Anlass genommen, auf eine etwaige Manipulation hinzuweisen. Und es ist gut möglich, dass sich die Schreiben an den Ombudsmann, der von DFB und DFL gemeinsam finanziert wird, in den nächsten Monaten häufen. Denn der Ligaverband wird ab dieser Woche eine Integritäts-App für jedermann zum Download bereitstellen, in der sowohl persönlich als auch anonym auf etwaigen Wettbetrug hingewiesen werden kann. Die Botschaft aber, die die DFL in Kooperation mit dem DFB ausstrahlen will, ist klar: Wir nehmen das Thema ernst.

Die vielleicht wichtigste Säule: Prävention. In den Nachwuchsleistungszentren (NLZ) der 36 DFL-Klubs, aber seit der laufenden Saison auch bei den Profiteams, halten Experten Schulungen mit E-Learning-Tools, ebenso in den weiteren NLZ unterhalb der 2. Liga. "Ich versuche, den jungen Spielern zu zeigen: Da ist einer, den ihr ansprechen könnt", erklärt Ombudsmann Thiel von Herff, der aber weiß: "Zu 100 Prozent kann man es nicht ausschließen."

"Spielmanipulation findet kaum noch in den Topligen statt"

Es - das ist der Worst Case: Spielmanipulation. Der deutsche Fußball hat da seit dem Bundesliga-Skandal der frühen 1970er, spätestens aber dem Fall Robert Hoyzer eine wunde Stelle. 2005 schloss die DFL eine Kooperation mit dem Datenanbieter Sportradar, um auffällige Wetteinsätze zu entdecken und gegebenenfalls zu überprüfen. Der letzte Report datiert aus dem Juni 2018. Jürgen Paepke (DFL-Direktor Recht) betont, dass in der vergangenen Saison "kein Match verdächtige Abläufe auswies". Nur: Es handelt sich hierbei um die Bundesliga und die 2. Liga. Keine Frage, das sind in Sachen Wettumsatz die großen Bringer.

Weltweit wurden 2017/18 29,8 Mrd. Euro auf die beiden Topligen in Deutschland gesetzt. 40 Mrd. waren es 2017 insgesamt, die auf Fußball-Wettbewerbe in Deutschland platziert wurden. Wohlgemerkt bei lizenzierten Unternehmen. Und auch das ist lediglich eine Schätzung. Gigantische Summen sind im Markt. "Spielmanipulation findet kaum noch in den Topligen statt. Das hat auch viel mit Live-Berichterstattung durch Kameras zu tun", sagt Christina Gassner von der DFL-Rechtsabteilung. Auch hohe Gehälter machen die Kicker weniger anfällig für Bestechung.

Der BVB engagierte einen Schauspieler, der Jugendliche wenig seriös ansprach

Was im Umkehrschluss aber heißt: Kriminelle legen den Fokus eher auf die unteren Ligen. Erstaunlicherweise erfreut sich auch der Nachwuchs größter Beliebtheit bei Zockern. Rund 460.000 Euro werden durchschnittlich auf ein U-19-Bundesligaspiel gesetzt. Vor etwa zehn Jahren, berichtet Thiel von Herff, wurde sogar ein Nachwuchskicker bedroht, um sein Verhalten auf dem Feld zu beeinflussen. Insofern ist der Ansatz von DFL und DFB, vor allem in die NLZ zu gehen, nachvollziehbar.

Dabei zeigen sich die Klubs durchaus findig. Borussia Dortmund etwa engagierte unter Nachwuchskoordinator Lars Ricken einen Schauspieler, der die Jugendlichen abseits des Platzes wenig seriös ansprach. Die Jungkicker wähnten sich plötzlich in einer Situation, in der sie rein theoretisch in den Sog von Manipulation hätten kommen können. Realistisch, greifbar, wodurch eine andere Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgen kann als durch schnöden Frontalunterricht. Natürlich wurde die Situation rechtzeitig aufgelöst, im Nachgang besprachen Talente und Verantwortliche die jeweiligen Reaktionen und Gedanken auf das vermeintliche unmoralische Angebot.

Die Klubs nehmen das Geld aus der Branche gerne mit

Problematisch insgesamt ist die Rechtslage: Denn der neue Glücksspielstaatsvertrag ist nach wie vor nicht ratifiziert. Folglich können Online-Wettanbieter, die beispielsweise über eine Lizenz in Gibraltar oder Malta verfügen, ereignisorientierte Wetten anbieten. Etwa, wer den nächsten Einwurf oder die nächste Gelbe Karte erhält - solche Konstrukte verbietet der Glücksspielstaatsvertrag eigentlich. "Viele Anbieter fühlen sich nicht an Regularien gebunden", sagt Gassner und betont, dass man sich für eine rechtlich bindende Regelung kämpfe. Paepke findet, dass solche Wetten eher einen geringen Teil des Marktes ausmachen.

So oder so, die Vereine nehmen das Geld aus der Branche gerne mit. Nahezu alle 36 DFL-Klubs verfügen über Partnerschaften mit Anbietern, ebenso viele Dritt- und manche Regionalligisten. Gibt es eine rechtliche Handhabe gegenüber Klub-Sponsoren, zum Beispiel leicht manipulierbare Ereigniswetten nicht ins Programm zu nehmen? Da sind der DFL die Hände gebunden, erklärt man in Frankfurt/Main.

Die SOKO Flankengott ist längst nicht mehr existent

Ebenso problematisch: Die Sonderkommission (SOKO) Flankengott, die von 2009 an erfolgreich den Bochumer Wettskandal aufarbeitete, ist längst nicht mehr existent. Über 200 Partien waren europaweit betroffen. Doch in der Folge haben es die Bundesländer nicht geschafft, eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft zu etablieren. "Wir stehen aber in Kontakt mit der damals zuständigen Staatsanwaltschaft und auch Ermittlern", erklärt Thiel von Herff. Das damals eingesetzte Frühwarnsystem übrigens schlug nicht an. Immerhin rief der Skandal die Politik auf den Plan, um Sportbetrug zum Straftatbestand zu machen. Doch erst am 19. April 2017 trat das entsprechende Gesetz zum Sportwettbetrug in Kraft.

Benni Hofmann

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