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19.05.2017, 09:15

BVB-Geschäftsführer äußert sich zu relevanten Themen

Watzke: "Investoren sind größte Gefahr für den Fußball"

Sichtlich gut gelaunt und schlagfertig präsentierte sich Hans-Joachim Watzke am Donnerstagabend bei einem Vortrag samt anschließender Diskussionsrunde zum Thema "Fußball verbindet - die gesellschaftliche Rolle der Bundesliga" an der Universität Oldenburg. Der BVB-Geschäftsführer nahm gewohnt eloquent Stellung zu zahlreichen Themen, die den Fußball und Borussia Dortmund bewegen, gab auch Einblicke in seiner Anfangszeit bei Schwarz-Gelb und verriet, wie es um die Trainerfrage in Dortmund bestellt ist.

Hat zu vielen Themen eine klare Meinung: Hans-Joachim Watzke.
Hat zu vielen Themen eine klare Meinung: Hans-Joachim Watzke.
© imagoZoomansicht

...gesellschaftlichen Bedeutung des Fußballs:

Drei der fünf mitgliederstärksten Vereine der Welt kommen aus Deutschland - allein das zeigt bereits die hohe Relevanz in diesem Land. Die gesellschaftliche Rolle des Fußballs ist heutzutage so groß wie nie zuvor, wobei die große Zeit erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann, auch wenn die Schalker das nicht gerne hören, weil sie fast alle ihre Meistertitel davor gewonnen haben (lacht). Früher war Fußball allerdings eine reine Männerveranstaltung. Da ist der Vater zum Fußball gegangen und die Mutter hat sich währenddessen um die Kinder gekümmert. Dies hat sich enorm gewandelt, mittlerweile sind über ein Drittel der Zuschauer bei BVB-Heimspielen weiblich. Eine enorme Rolle spielte in dieser Entwicklung sicherlich die WM 2006, die den Fußball als echtes Familienevent etabliert hat. In Zeiten der Politikverdrossenheit, die derzeit wieder etwas zurückgeht, ist der Fußball zudem eines der wenigen gemeinschaftlichen Themen, über das die Menschen diskutieren können.

...Entwicklung des Gefahrenpotentials für den Fußball:

Der Deutsche ist grundsätzlich sehr bindungsstark und möchte immer das Gefühl haben, Teil einer Entwicklung und nicht nur zahlender Kunde zu sein. Wir müssen daher insgesamt darauf achten, die Schraube in diesem Business nicht zu überdrehen. Beispielhaft dafür stehen die Eintrittsgelder in England, wo die gesamte "working class" aufgrund der Ticketpreise aus den Stadien verschwunden ist, und nur noch die Investmentbanker auf der Tribüne sitzen. Fußball muss bezahlbar bleiben. Zugleich müssen wir den friedlichen Effekt des Fußballs erhalten. Dieser Sport ist allerdings auch immer ein Spiegelbild der Gesellschaft und daher kommt es eben gelegentlich auch zu Randalen, die keiner gutheißen kann.

...Gefahr für den Fußball durch Investoren:

Investoren sind die größte Gefahr für den Fußball. Die Menschen verwechseln häufig Sponsoren und Investoren: Als Sponsor lasse ich dem Verein Geld zukommen, als Investor hingegen möchte ich den gesamten Klub besitzen und irgendwann auch mein Geld zurückhaben. Dadurch steigen dann, wie in England, auch die Ticketpreise. Ich bin daher ein großer Anhänger der 50+1-Regelung, damit der Verein die strategische Mehrheit behält und die Mitbestimmung der Mitglieder und der Fußball als Kulturgut erhalten bleiben.

...Verteilung der Fernsehgelder in Deutschland:

Konflikt: Chancengleichheit in der Liga vs. Internationale Konkurrenzfähigkeit.
Konflikt: Chancengleichheit in der Liga vs. Internationale Konkurrenzfähigkeit.
© imagoZoomansicht

Bei der Verteilung gibt es den Konflikt, dass die Chancengleichheit in der Liga erhalten bleiben soll und zugleich die Topvereine auch in der Champions League gegen die Klubs aus Manchester oder Real Madrid konkurrenzfähig sein sollen. Die Bundesliga muss daher auch in Fernost weiter wachsen, auch wenn das einigen Traditionalisten nicht passen mag. Das sind unfassbare Märkte dort, auf denen wir Präsenz zeigen müssen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Am Samstagvormittag hat Norbert Dickel mit einer Webcam eine virtuelle Stadionführung ausgestrahlt. Das haben sich allein in China 1,3 Millionen Menschen angeschaut. Diese Entwicklung hat die Bundesliga die letzten 30 Jahre verschlafen. Die Engländer haben dort einen historischen und sprachlichen Vorteil, aber wir müssen uns da mit unserem Produkt sicherlich nicht verstecken.

...Gehälterexplosion im chinesischen Fußball:

Das sollten wir nicht so dramatisch sehen. Bis jetzt habe ich ohnehin das Gefühl, dass alle Klubs ganz froh sind, wenn ein chinesischer Klub sich meldet, weil dann eine riesige Ablösesumme lockt. Die Chinesen kriegen ihre Liga bisher lediglich durch ausländische Stars zum Laufen. Klar ist aber auch: Der erste Verein in Europa, der einen Chinesen findet, der wirklich kicken kann, hat gewonnen (lacht). Aber das ist nicht so einfach, da werden sämtliche Scouts bereits alles abgegrast haben.

...generellen Entwicklung der Gehälter im Profifußball:

Der Fußball ist Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft und wird durch Angebot und Nachfrage reguliert. Am Montag spielt unsere U 19 das Finale um die deutsche Meisterschaft, jeder dieser Jungs träumt von der Profikarriere und davon, eines Tages in der Nationalmannschaft zu spielen. Dort haben alle die letzten zehn Jahre ihr gesamtes Leben dem Fußball untergeordnet - und selbst von denen schaffen es dann am Ende immer nur ein oder zwei Prozent.

...Anfangszeit beim BVB:

Der Verein war 2005 im Grunde genommen pleite. Reinhard Rauball als frischgewählter Präsident hat mich damals angerufen: "Hier gehen die Lichter aus. Komm doch zu uns nach Dortmund und versuche das nochmal umzudrehen. Wird zwar vermutlich nicht klappen, aber dann kannst du zumindest dafür sorgen, dass es vernünftig zu Ende geht." Wir machten damals 75 Millionen Euro Umsatz, hatten zugleich aber 122 Millionen Schulden, von denen 91 Millionen direkt fällig waren. Es sah nicht gut aus bei der Gläubigerversammlung, aber mit viel Glück haben wir es hinbekommen. Ein paar Jahre später habe ich Reinhard Rauball dann mal gefragt, weshalb er ausgerechnet mich angerufen habe. Reinhards Antwort: "Du warst der Einzige, der damals noch rangegangen ist, als er meine Nummer aufm Display gesehen hat..." (lacht)

...Trainerfrage beim BVB:

Da sage ich seit drei Wochen immer das Gleiche, aber das interessiert ja keinen: Wir setzen uns nach der Saison zusammen und besprechen, wie es weitergeht: Wenn wir jetzt schon mit einem anderem Trainer fix wären, warum sollten wir das dann noch machen? Wir führen diese Diskussion aktuell nicht, mehr möchte ich dazu auch nicht sagen. Ganz egal, wie ich mich ansonsten äußere: Es würde das geplante Gespräch mit Thomas Tuchel vorbelasten.

Karsten Lübben

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Vereinsdaten

Vereinsname:Borussia Dortmund
Gründungsdatum:19.12.1909
Mitglieder:139.088 (01.07.2016)
Vereinsfarben:Schwarz-Gelb
Anschrift:Rheinlanddamm 207-209
44137 Dortmund
Telefon: (02 31) 90 20 0
Telefax: (02 31) 90 20 105
E-Mail: info@bvb.de
Internet:http://www.bvb.de

weitere Infos zu Tuchel

Vorname:Thomas
Nachname:Tuchel
Nation: Deutschland
Verein:Borussia Dortmund


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