Pogatetz war nach zwei Spielzeiten in Hannover im Sommer zum Lokalrivalen VfL Wolfsburg weitergezogen und vergangenen Sonntag erstmals auf die alten Kollegen getroffen (0:4). Dass er dabei von einigen Zuschauern aus dem Gästeblock minutenlang beschimpft wurde, löste bei ihm Kopfschütteln aus.
"Das gibt es leider überall, dass manche Anhänger immer depperter werden", sagte Pogatetz im Trainingslager der österreichischen Nationalmannschaft. "Die wissen überhaupt nicht, warum ich den Klub gewechselt habe." Zwei Jahre lang habe er für Hannover sein "Herzblut gegeben. Dass ich dann so behandelt werde, finde ich nicht in Ordnung. Es ist schade, dass so etwas passiert ist, mit so etwas hätte ich nicht gerechnet."
Sein Ex-Klub veröffentlichte noch am Sonntag eine Mitteilung, in der sich Präsident Martin Kind bei Pogatetz entschuldigte. Außerdem bezeichnete der Klubboss die betroffenen 96-Fans als "Arschlöcher". "Herr Kind ist ein großartiger Präsident", sagte Pogatetz nun. "Er hat wirklich große Klasse."
„Unser Problem sind die vielen Leute, die mitmachen, bei denen man es aber nicht beweisen kann.“Martin Kind
Und er hat einen neuen Vorschlag, um eine derart große Gruppe pöbelnder Zuschauer belangen zu können: "Da müssen gesetzliche Normen geändert werden. In Wolfsburg haben 100, 150, vielleicht auch 200 Leute den Spruch minutenlang gesungen. An wen wollen Sie da rangehen? Da müssen wir prüfen, inwiefern wir Strafen und Stadionverbote aussprechen können, ohne dass man es im Einzelfall zu 100 Prozent beweisen kann", sagte er dem SID.
Er gab zwar zu, dass das - zumal in einem Rechtsstaat - "schwierig" sei, derzeit könne man "viel nur aussprechen, wenn wir es 100-prozentig beweisen können". Aber: "Wir müssen in der Lage sein, in einer Massenveranstaltung reagieren zu können, wenn sich da so viele Leute derart austoben. Unser Problem sind die vielen Leute, die mitmachen, bei denen man es aber nicht beweisen kann."
Vorfälle wie in Wolfsburg ließen befürchten, so Kind, "dass das erst der Beginn einer Entwicklung ist, dass die Grenzen sich verschieben und wir nicht wissen, wo das endet". Seine harte Wortwahl gegenüber den entsprechenden Anhängern habe er "ganz bewusst" getroffen: "Eine sehr plakative Aussprache verstehen die besser als eine diplomatische Sprache. Ich sage: Wehret den Anfängen, das ist eine bedrohliche Entwicklung."
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