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29.03.2004, 12:57

Bochum: Thomas Zdebel (30) beim VfL ein "Volltreffer"

"Ich habe alles richtig gemacht"

Beim 1. FC Köln galt er als "ewiges Talent". Über Umwege kehrte Thomas Zdebel (30) in die Bundesliga zurück. In Bochum erlebt er einen ungeahnten Höhenflug.

Standhaft: Bochums Thomas Zedebel im Duell mit Lauterns Dominguez.
Standhaft: Bochums Thomas Zedebel im Duell mit Lauterns Dominguez.
© Kicker

Dass er heute als Führungsspieler im defensiven Mittelfeld beim VfL Bochum, neben den Überfliegern aus Bremen sicherlich die Überraschungsmannschaft des Jahres, überzeugt, dies wurde Thomas Zdebel nicht an der Wiege gesungen.

Sein Einstieg in der Bundesliga verlief alles andere als Erfolg versprechend. Als "ewiges Talent", als "schlampiges Genie" mit dem sich nacheinander die Trainer Morten Olsen, Stephan Engels und Peter Neururer rumschlagen mussten, geriet er beim 1. FC Köln schnell auf die Rutschbahn nach unten. Als Zdebel vor sieben Jahren eher frustriert zum belgischen Meister Lierse SK wechselte, schien seine Zukunft im deutschen Profifußball besiegelt: Wieder einer weniger.

Erfolge in Belgien und der Türkei

Dass er vier Jahre später in die Türkei wechselte, nach Ankara zu Genclerbirligi, nahm schon fast keiner mehr wahr. Dass er mit Lier Champions League spielte und den belgischen Cup holte, dass er mit Genclerbirligi im türkischen Pokalfinale stand und UEFA-Cup spielte, dass ihn der damalige polnische Nationaltrainer Jerzy Engel in die Nationalelf seines Geburtslandes (Zdebel wurde in Kattowitz/Oberschlesien geboren, kam 15-jährig als Spätaussiedler nach Deutschland und bestritt bisher 14 Länderspiele) holte - wen interessierte dies in der Bundesliga?

Peter Neururer! Der Vater des Erfolges in Bochum bekam den Tipp von Henrik Andersen. Der Ex-Spieler des 1. FC Köln, mittlerweile Spielerberater, hatte Zdebel nie aus den Augen verloren. Man flog nach Ankara, beobachtete den dunkelhaarigen Techniker, und für den Spieler ergab sich etwas, "womit ich nie mehr gerechnet hatte": Ein Bundesliga-Comeback mit 30.

Doch nicht dem Vergessen anheim gefallen, in die richtige Richtung abgebogen, damals, als er in Köln am Scheideweg stand. Heute sagt er: "Ich rate jedem jungen Spieler, der Talent, aber Probleme hat, zum Schritt ins Ausland."

Wo Zdebel ist, da ist der Erfolg

Lier, Ankara, Bochum - drei vergleichsweise kleine Klubs, drei richtige Entscheidungen. Plötzlich hieß es: Wo Zdebel ist, da ist der Erfolg. Auf sich beziehen will er dies nicht, doch er sagt: "Ich habe alles richtig gemacht und jedes Mal die richtige Entscheidung getroffen."

Allein daran lag es freilich nicht. Zdebel, in Köln als Spielmacher-Talent gepriesen, doch nie in der zentralen Rolle eingesetzt, verschrieb sich selbst Nachhilfe, in Defensivarbeit, in Taktik, in Disziplin, "weil ich raus wollte aus der Schublade in die sich mich gesteckt hatten: Als Edeltechniker, verweichlicht und mit dem Hang, Pirouetten auf dem Platz zu drehen".

Seine folgenden Stationen waren wie gemacht für einen, der ohne den ganz großen Druck wichtige Erfahrung sammeln will. In Lier ließ Trainer Jos Daerden ihn im zentralen Mittelfeld ran, machte ihm ebenso klar, dass er gefälligst nach hinten zu arbeiten habe. Dieser Prozess, Verantwortung zu übernehmen, setzte sich in der Türkei fort, heute in Bochum ist er zum Automatismus gereift: "Spielerische Akzente allein reichen nicht. Du musst dir Respekt verschaffen, du musst kämpfen oder du gehst unter", lautet das Credo des mittlerweile fast 31-Jährigen. Und dies erfüllt er beim VfL mit Leben, Woche für Woche, in Konstanz. "Mein Quarterback", lobt Peter Neururer den Spieler, der mit einer Körpertäuschung den Gegner ins Leere laufen lässt und den schnellen, öffnenden Pass pflegt.

Bochum auf den Leib geschneidert

So drehen sich die Gespräche in Bochum plötzlich nicht mehr um den Abstiegskampf, sondern meist darum, wie der momentane Erfolgsweg weiter gepflastert werden kann, wie man tiefe Schlaglöcher verkraftet, einfach wie man, so Zdebel, "zum richtigen Zeitpunkt das Richtige macht". Er hat es für sich und seine Karriere geschafft. Was ihn mit seinem Trainer verbindet: "Bochum ist uns beiden als Verein auf den Leib geschneidert", sagt er, "für ihn wie für mich ist das der Sechser im Lotto." Sportlich, "weil hier das gepflegt wird, was ich mag: Dribbling, Passspiel, kultivierter Fußball eben." Menschlich, "weil die Truppe in Ordnung ist und jeder für die Ziele kämpft".

Bochum muss allerdings reichen als beruflicher Mittelpunkt. Privat spielt sich alles in und um Köln ab. Mit Lucrezia, seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn Yannes (3). Und mit den Freunden Ralf Sturm und Andrzey Rudy. Beide kickten vor Jahren mit ihm beim FC - die Verbindung zum Verein ist längst abgebrochen, die zu den ehemaligen Kollegen nicht. "Weil man nie vergessen sollte, wo man herkommt. Nur dann kann man richtig einschätzen, was man erreicht hat."

Frank Lußem

 

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