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03.08.2012, 12:08

2003/04 - Ailton wird Torschützenkönig - Hildebrand-Rekord

Werder Bremen: Vom Kabinenschwur zur Meisterschaft

16 Punkte Vorsprung zum Zweiten: Eine Bestmarke seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96. Oliver Kahn überbietet seinen eigenen Rekord mit 802 Minuten ohne Gegentor und spielt 17-mal zu Null. Bayern München feiert 2003 die 17. Meisterschaft und wird wieder mal Double-Sieger. Wer soll diese Übermannschaft stoppen. Und wenn ja, wie? Bremen, die 2003 als Sechster über die Ziellinie gingen?

So sehen Sieger aus: Die Bremer Ailton, Lagerblom und Borowski (v.l.) feiern die Meisterschaft 2004.
So sehen Sieger aus: Die Bremer Ailton, Lagerblom und Borowski (v.l.) feiern die Meisterschaft 2004.
© imago Zoomansicht

Ailton ist untröstlich. Weinend kniet er am Boden und lässt seinen Tränen freien Lauf. Am 8. Mai 2004 sehen 65.000 Zuschauer im ausverkauften Münchner Olympiastadion den neuen Deutschen Meister. Nicht die Bayern, Werder Bremen ist am 32. Spieltag nach dem 3:1 gegen München vorzeitig ganz oben. Die drei Säulen der Mannschaft haben sich gegen die Hitzfeld-Elf verewigt mit ihren Toren: Stürmer Ivan Klasnic (0:1, 19.), Mittelfeld-Stratege Johan Micoud (0:2, 26.) und Torjäger Ailton (0:3, 35.) stellen bereits zur Halbzeit ihre Titelambitionen eindrucksvoll zur Schau. Das 1:3 der Münchner durch Roy Makaay in der 56. Minute ist nur noch Ergebniskosmetik. Seine erste Meisterschaft widmet Ailton seiner verstorbenen Mutter und seinem tödlich verunglückten Bruder.

Wer ist diese Mannschaft, die es geschafft hat, den Bayern Einhalt zu gebieten? Es ist ein Team, das sich in der Kabine in Pasching geschworen hat: So kann es nicht weitergehen! In Oberösterreich, beim SV Superfund, präsentiert sich Werder Bremen drei Tage vor Saisonbeginn im UI-Cup wie ein Absteiger. 0:4 gehen sie baden. Mit jenem Kabinenschwur geht die Mannschaft in eine Saison, die es in sich haben sollte. "Wir wollen mutig sein", so Trainer Thomas Schaaf. Er, dem die Kritiker vorwerfen, er könne mit seiner ruhigen Art nicht das Letzte aus seiner Mannschaft herauskitzeln, weshalb Bremen in den vergangenen Jahren stets im Mittelmaß versinken würde. Er wird alle Kritiker Lügen strafen.

Bilder zur Saison 2003/04
Werders "Papageien" mischen die Liga auf
Deutscher Meister Werder Bremen
"Werder-Papageien" feiern

Werder Bremen ist Deutscher Meister. Zum vierten Mal gewinnen die Grün-Weißen die Schale. Im ungewohnten "Papageien-Trikot" mit orangenen Ärmeln schockt Werder zunächst seine Anhänger, anschließend seine Gegner. Nur vier Niederlagen, dafür aber 74 Zähler hat der SVW am Ende auf dem Konto. Bayern München folgt sechs Punkte dahinter.
© imago

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Schaaf schickt seine Wunschelf zum Start in Berlin auf den Rasen: Die "magische Raute" im Mittelfeld (Frank Baumann, Fabian Ernst, Krisztian Lisztes und Johan Micoud), in der Abwehr Neuzugang Valerien Ismael neben Mladen Krstajic, vorne Ailton mit Angelos Charisteas. Der griechische Europameister von 2002 ist für drei Millionen Euro nach der EM verpflichtet worden. Die größte Transfer-Investition der Klub-Geschichte steht unter Druck. Er kann die Erwartungen nicht erfüllen. Neben Ailton blüht künftig Ivan Klasnic auf. Zwei Mal Ailton, einmal Micoud: Werder gewinnt zum Auftakt 3:0. Bremen findet die ideale Mischung aus hanseatischer Gelassenheit, brasilianischer Heißblütigkeit, französischer Brillanz und kroatischer Schlitzohrigkeit.

Launischer Ailton gewinnt an Selbstbewusstsein

Nach dem 3:1 in Leverkusen übernimmt Bremen am 16. Spieltag die Tabellenführung - und gibt diese bis Saisonende nicht mehr ab. Die stoische Ruhe eines Thomas Schaaf überträgt sich auf sein Team: Ein launischer Ailton gewinnt mit seinen Toren immer mehr Selbstbewusstsein. Der als schwieriger Charakter verschriene Ismael mausert sich zum Weltklasse-Innenverteidiger. Ivan Klasnic steigt nach monatelanger Verletzungszeit wie Phönix aus der Asche auf und wird zu einem der gefürchtetsten Angreifer der Liga.

Geführt wird das Team vom Mittelfeld-Dirigenten Johan Micoud, an dem sich jeder einzelne seiner Mitspieler hochzieht. Bezeichnend für die Gelassenheit der Bremer ist der Umstand, dass obwohl im Oktober binnen 24 Stunden die Wechsel von Krstajic und Ailton nach Schalke bekannt werden, keine Unruhe aufkommt. Trotz folgender 1:3-Heimpleite gegen Stuttgart folgt keine Niederlage mehr und Bremen wird mit sechs Punkten Vorsprung vor den Bayern Meister.

Im DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion machen die Bremer den Triumph perfekt und holen mit einem 3:2-Sieg gegen Alemannia Aachen auch den Pott an die Weser.

Der Torschützenkönig

Die Bundesliga tanzt Samba! Die Brasilianer beglücken Deutschland mit ihren Toren. Angefangen hat der südamerikanische Rhythmus mit Marcio Amoroso. In Diensten der Dortmunder Borussia angelt er sich die Torjägerkanone 2002 mit 18 Treffern gemeinsam mit Martin Max von 60 München. Ein Jahr später lächelt Landsmann Giovane Elber über 21 Tore. Der Bayernspieler teilt sich ebenfalls den Erfolg, denn Bochums Thomas Christiansen trifft genau so oft. Und jetzt kommt der "Kugelblitz": Ailton Gonçalves da Silva weint nach der Meisterschaft und lacht über die Kanone, die ihm der kicker nach 28 Toren übergibt. Er ist damit bester Bremer Torjäger aller Zeiten, noch vor Rudi Völler (25 Tore 1984/85). Einziger Wehrmutstropfen: Statt Champions League muss Ailton im UI Cup ran, denn er wechselt von Bremen zu Schalke.

Was sonst noch geschah

Timo Hildebrand, Keeper des VfB Stuttgart, knackt den Rekord von Oliver Kahn, den dieser in der Vorsaison aufgestellt hatte. Waren es für den Bayern-Keeper noch 802 Minuten ohne Gegentor, übertrumpft den Titan der junge Stuttgarter Torwart mit einer weißen Weste in 884 Minuten. Der VfB schließt die Saison als Vierter ab, mit der mit Abstand besten Abwehr der Liga (24 Gegentore in 34 Spielen). Mehr als doppelt so viele Gegentore kassieren der 1. FC Köln (57), der TSV 1860 München (55) und Eintracht Frankfurt (53), damit steigen sie als Schlusslichter der Liga ab.

Video zum Thema
Saison 2003/04- 10.12., 12:51 Uhr
884 Minuten, Eier und Meister Bremen - die Höhepunkte der Saison 2003/04
Werder Bremen spielt sich spektakulär zum Meistertitel, Timo Hildebrand bleibt 884 Minuten ohne Gegentor, ein Rekord! Oliver Kahn fordert Eier, der Stern von Lukas Podolski geht auf und der VfL Bochum ist auf dem Weg nach Europa. Die Höhepunkte der Saison 2003/04.
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03.08.12
 
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zum Thema

1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Werder Bremen79:3874
 
2Bayern München70:3968
 
3Bayer 04 Leverkusen73:3965
 
4VfB Stuttgart52:2464
 
5VfL Bochum57:3956
 
6Borussia Dortmund59:4855
 
7FC Schalke 0449:4250
 
8Hamburger SV47:6049
 
9Hansa Rostock55:5444
 
10VfL Wolfsburg56:6142
 
11Bor. Mönchengladbach40:4939
 
12Hertha BSC42:5939
 
13SC Freiburg42:6738
 
14Hannover 9649:6337
 
151. FC Kaiserslautern39:6236
 
16Eintracht Frankfurt36:5332
 
171860 München32:5532
 
181. FC Köln32:5723
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