Naki kommt aus Leverkusen
St. Pauli: Die neue Philosophie
Der Umbruch, nach den Abgängen der Leistungsträger Filip Trojan (Mainz 05) und Alexander Ludwig (TSV München 1860) sowie der Absage von Leihspieler David Hoilett (Blackburn Rovers), die für St. Paulis 4-2-3-1-System so wichtig waren, wurde vollzogen. Es galt die so offensive Abteilung im Mittelfeld komplett neu zu besetzen, Matthias Lehmann (26) kommt aus Aachen, Max Kruse (21) von Werder Bremen, Charles Takyi (24) kehrt von Greuther Fürth zurück, und Rouwen Hennings (21) wurde nach einjährigem Leihgeschäft vom HSV fest verpflichtet. Hinzu kommt Deniz Naki (19, Bayer Leverkusen), der einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat. "Deniz ist ein junger Spieler mit riesigem Potenzial", sagte St. Paulis Trainer Holger Stanislawski vor der Fahrt am Freitag ins Trainingslager nach Teistungen (Thüringen).
Dafür bezahlte der Verein nach acht Jahren erstmals wieder mehr als eine halbe Million Euro an Ablösesummen. Umbruch und Aufbruch am Millerntor. "Man hat ja immer die Wahl, ob man den Etat für Löhne und Gehälter ausgibt, oder aber ob es Sinn macht, Transfers zu bezahlen", sagt Schulte, "wir haben seriös wie hanseatische Kaufleute gewirtschaftet und uns im Mittelfeld zum Vorjahr garantiert verbessert."
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Deniz NakiEbenfalls wichtig für die Hamburger: Sie konnten trotz der personellen Zwänge ihre neue Philosophie weiter verfolgen. St. Pauli setzt auf die Jugend und will sich mittelfristig zu dem Ausbildungsverein im Norden entwickeln. Die Verpflichtungen der deutschen Junioren-Nationalspieler Kruse, Hennings und Naki - zudem erhielt Nachwuchsmann Davidson Drobo-Ampem (19) einen Profivertrag - sind da mehr als Indizien. "Wir wollen junge Talente an uns binden und versuchen dabei primär die talentiertesten Spieler aus Norddeutschland zu holen", so Schulte, der vor seiner Rückkehr ans Millerntor im März 2008 zehn Jahre für den Nachwuchsbereich von Schalke 04 verantwortlich war.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Talent im Profibereich eingesetzt wird, ist bei uns einfach höher als in Bremen oder beim HSV. Sportchef Helmut Schulte
Trotz der Abstiege der U19 und U17 aus der Bundesliga verfügt St. Pauli beim Werben um den Nachwuchs über einen großen Trumpf: die Durchlässigkeit. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Talent im Profibereich eingesetzt wird, ist bei uns einfach höher als in Bremen oder beim HSV", weiß Schulte.
Neben dem Nachwuchs hat der Sportchef einen zweiten Schwerpunkt gesetzt. Vor einem halben Jahr wurde Ex-Profi Stefan Studer als Scout eingestellt. Was sich bei der Kaderplanung nun erstmals positiv auswirkte. "Wir sind dabei, eine funktionierende, seriöse Abteilung aufzubauen", sagt Schulte, "der Scoutingbereich ist der am meisten unterschätzte im Profifußball. Wir orientieren uns an der PSV Eindhoven und Bayer Leverkusen. Es geht darum, jederzeit kurzfristig handeln zu können."
Schließlich will Schulte den Sommer auch in den kommenden Jahren nicht vor dem Bildschirm verbringen.
Lutz Wöckener
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