Alemannia Aachen im Abwärtstrend
Aufruhr im Niemandsland
Noch fünf Spiele finden auf dem altehrwürdigen Tivoli statt, dann zieht die Alemannia in ein neues Stadion um. Doch genießen können die Fans den Abschied von ihrem geliebten Kultkasten derzeit nicht. Nach nur fünf Punkten und Platz 14 in der Rückrundentabelle mussten die Aachener alle Aufstiegshoffnungen begraben. Zuletzt brachte die leblose Vorstellung beim 1:3 gegen St. Pauli das Fass zum Überlaufen: "Seeberger raus", forderten die Fans.
Diesem Wunsch kam Andreas Bornemann, der den Vertrag mit dem Trainer jüngst im Februar um ein Jahr verlängert hatte, freilich nicht nach. Stattdessen gab es eine Aussprache mit dem Mannschaftsrat und dem Trainerteam. Rund 300 Fans machten dabei ihrem Unmut Luft. Jürgen Seeberger bringe die Mannschaft spielerisch nicht weiter, die Profis selbst zeigten nicht genügend Leidenschaft, hieß es.
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Der ungeliebte Coach rechtfertigte sich mit seiner Punkteausbeute von 58 Zählern im Kalenderjahr 2008 - und das unter schwierigen Rahmenbedingungen. "Wir stecken mitten in einem Veränderungsprozess", sagte Seeberger, der damit das Ende der Schmadtke-Ära ansprach, den bevorstehenden Umzug ins neue Stadion und den verletzungsbedingten Ausfall von Charaktertypen wie Plaßhenrich oder Stehle. Neue Hierarchien müssten erst langsam nachwachsen. Aber der 43-Jährige räumte auch ein, dass das zuletzt Gezeigte nicht das war, was er sich vorgestellt hatte. Und das liegt vor allem an zwei Dingen: "Wir sind auswärtsschwach, und wir erholen uns zu langsam von Rückschlägen, wie etwa einem Gegentor." Ein Patentrezept, wie das abzustellen sei, habe er nicht, gestand Seeberger ein.
Die Negativspirale durchbrechen - in Mainz
Dabei war Sportdirektor Bornemann bei seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn noch von einer realistischen Aufstiegschance ausgegangen. Doch zwischenzeitlich hat er das finanzielle Potenzial der Alemannia auf Rang 6 bis 8 in der 2.Liga taxiert - und etwa dort, im Niemandsland der Liga, scheint sich das Team auch einzupendeln. Freilich nur, wenn "die Negativspirale", wie Seeberger die Serie von drei Pleiten nennt, durchbrochen wird. Eine schwere Aufgabe, wenn es am Sonntag nach Mainz geht.
Sollte der Abwärtstrend rechtzeitig gestoppt werden, wird Bornemann in der kommenden Saison in etwa mit dem gleichen Etat planen können wie in diesem Jahr (17,5 Millionen Euro). Doch ein Wunsch bleibt: "Vielleicht gelingt es uns, ein paar mehr Typen in die Mannschaft zu bekommen, die mehr Engagement und Leidenschaft an den Tag legen", sagt Bornemann. Zumindest damit spricht er den Fans aus dem Herzen.
Holger Richter
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