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25.06.2011, 12:00

Hansa Rostock: kicker-Interview mit Stefan Beinlich

"Wir stecken weiter im Überlebenskampf"

Vor einem Jahr startete Stefan Beinlich (39) in seine zweite Karriere. Auch nach dem Aufstieg türmen sich vor dem Manager die Probleme. Im kicker-Interview spricht der ehemalige Bundesligaprofi über den Wiederaufstieg in Liga 2, die Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft und seine Tätigkeit als Sportdirektor bei den Hanseaten.

Stefan Beinlich
Möchte mit der "Hansa-Kogge" weiter nach oben segeln: Sportdirektor Stefan Beinlich.
© imagoZoomansicht

kicker: Bei Ihrem Amtsantritt vor einem Jahr wähnten Sie Hansa Rostock zwischen Intensivstation und Rehazentrum. Wo steht der Verein heute, Herr Beinlich?

Stefan Beinlich: So viel hat sich nicht verändert. Der Pluspunkt des Aufstieges war, dass wir den vor einem Jahr eingeschlagenen Weg weitergehen konnten. Denn wenn wir nicht aufgestiegen wären, hätten wir drastische Kürzungen vorantreiben müssen, um diesen Verein zu retten. Man darf nicht vergessen, dass wir im vergangenen Jahr nur über die millionenschwere Landesbürgschaft überlebt haben. Sonst wäre der Verein kaputt gewesen.

kicker: Ist er jetzt überm Berg?

Beinlich: Durch den sportlichen Erfolg, der uns die Fans und Sponsoren zurückgebracht hat, sind wir ein kleines Stück näher ans Rehazentrum gerückt. Aber wir stecken auch nächste Saison weiter im Überlebenskampf, als Verein wie auch als Mannschaft.

kicker: Sehen Sie Hansa sportlich für die 2. Liga gerüstet?

Beinlich: Ich glaube ja. Wir haben unser Vorhaben, die Mannschaft punktuell zu verstärken, mit den Verpflichtungen von Marek Mintal, Pavel Kostal, Timo Perthel und Tino Semmer ganz gut umgesetzt.

kicker: Was stimmt Sie da so zuversichtlich?

Beinlich: Wir hatten und haben eine homogene Mannschaft. Und eines lässt sich schon nach der ersten Trainingswoche sagen: Die Neuen passen von der menschlichen Seite hervorragend rein, und das ist ohnehin das Wichtigste. Nur wenn wir als Mannschaft auftreten, haben wir die Chance, die Klasse zu halten.

kicker: Trainer Peter Vollmann wünschte sich zwei Stürmer. Es kamen mit Semmer ein Drittliga-Angreifer aus Erfurt und mit Mintal ein Altstar, der in Nürnberg als Mittelfeldspieler geführt wurde.

Beinlich: Marek Mintal zähle ich als hängenden Stürmer. Er ist die zweite Spitze, der um den vorderen Angreifer herumspielt. Mit ihm haben wir viel Klasse und Erfahrung, aber bestimmt keinen Altstar geholt.

Hansa Rostock wird nicht der FC Hansa Mintal.Hansa-Manager Stefan Beinlich

kicker: Sind Sie sich da sicher?

Beinlich: Jeder hat die gleiche Wertschätzung in dieser Mannschaft, und gerade Marek Mintal legt darauf auch großen Wert. Natürlich ist er für uns kein Mitläufer, sondern Führungsspieler, der mit seiner Erfahrung und mit seiner Ruhe in schwierigen Situationen dafür sorgen soll, dass sich die Jungen anlehnen können. Aber der FC Hansa Rostock wird nicht der FC Hansa Mintal.

kicker: Ist es nicht ein großes Wagnis, auf jemanden zu bauen, der zwei Jahre kaum gespielt und nicht getroffen hat?

Beinlich: Ich glaube nicht. Die Verpflichtung ist für uns kein Risiko, sondern ein Gewinn. Marek ist, das zeigte schon der Laktattest, absolut fit. Er hat eine Super-Einstellung. Und er hat jahrelang nachgewiesen, dass er aus wenig sehr viel machen kann.

kicker: Damit würde er perfekt die Vereinsphilosophie verkörpern. Ist Hansa mit einem Personaletat von 4,2 Millionen Euro konkurrenzfähig?

Beinlich: Jammern hilft hier nicht. Wir hatten letztes Jahr in der 3. Liga auch längst nicht den besten Etat, da hatte uns kaum jemand auf der Rechnung. Aber dann haben wir gezeigt, was möglich ist, wenn der Verein und die Mannschaft geschlossen auftreten. Der Klassenerhalt ist mit diesem Etat und dieser Mannschaft möglich. Das ist das Ziel.

kicker: Die Erwartungshaltung der Fans ist eine andere.

Beinlich: Klar herrscht jetzt nach dem Aufstieg eine Euphorie, fangen die Fans an zu träumen. Wir träumen auch, aber nur nachts. Am Tage müssen wir hart am Klassenerhalt arbeiten. Es wäre vermessen und unfair gegen- über der Mannschaft, von anderen Zielen zu sprechen.

kicker: Kommt noch ein Stürmer?

Beinlich: Nein. Unser Kader ist komplett, alle haben ihren Vertrag.

kicker: Wenn Radovan Vujanovic oder Sergej Evljuskin, die keine Perspektive mehr haben, einen neuen Verein finden?

Beinlich: Dann ist eine neue Situation eingetreten. Wenn sich Dinge ergeben und wir reagieren müssen, werden wir das machen.

kicker: 18 Saisonspiele von Hansa sind wegen der Rostocker Fan-Problematik als Sicherheitsspiele eingestuft. Droht die brisanteste Zweitliga-Saison aller Zeiten?

Beinlich: Wir können die Dinge so oder so sehen. Ich gehe erst einmal positiv ran: Es werden viele Zuschauer kommen, weil es attraktive Spiele und Derbys gibt. Es ist eine tolle Liga, von der Qualität und vom Fanpotenzial. Wir werden nicht vor 3000 Zuschauern spielen, sondern meist Fällen vor 15 000 bis 30 000. Und 98 Prozent unserer Fans sind sehr positiv eingestellt, die Atmosphäre und Unterstützung im Stadion ist genial.

kicker: Im Fokus stehen die zwei Prozent, die in der vergangenen Saison 76 000 Euro Geldstrafe kosteten und im letzten Heimspiel gegen Ahlen Pyrotechnik zündeten.

Beinlich: Wir waren natürlich darüber extrem enttäuscht, das ging klar einen Schritt zu weit. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es kein Hansa-Rostock-Problem ist. Der Verein muss schauen, dass er den Dialog mit den Fans aufrecht- erhält, aber er wird dieses gesellschaftliche Problem nicht alleine beheben können.

kicker: War Vollmanns Verpflichtung der größte Glücksgriff von Ihnen und dem Vorstands-Vorsitzenden Bernd Hofmann?

Beinlich: Kann man so sagen. Er erfüllt alle Kriterien, wie ich mir die Zusammenarbeit mit einem Trainer vorstelle. Er ist ein sehr guter Pädagoge, ein akribischer Arbeiter, legt großen Wert auf Disziplin, möchte im Team arbeiten. Er stellt sich nicht über andere. Und es war ganz wichtig, einen Trainer zu holen, der sich in der 3. Liga auskennt.

Vollmann erfüllt alle Kriterien, wie ich mir die Zusammenarbeit vorstelle. Wir werden unseren Weg geschlossen weitergehen.Hansa-Manager Stefan Beinlich

kicker: In der 2. Liga kennt er sich weniger gut aus, und nirgendwo war er länger als zwei Jahre. Was macht Sie so sicher, dass die Zusammenarbeit langfristig funktioniert?

Beinlich: Sicher kann man sich nie sein, aber ich habe ein gutes Gefühl und bin zu hundert Prozent von ihm überzeugt. Keiner von uns beiden ist ein Jasager, wir diskutieren und besprechen die Dinge, ziehen an einem Strang. Und wir werden unseren Weg geschlossen weitergehen, auch wenn es nicht so positiv läuft wie in der letzten Saison, wenn wir auch mal drei Spiele verlieren.

kicker: Haben Sie als Manager Ihren Traumjob gefunden?

Beinlich: Den hatte ich schon vorher. Meist ist es ja im Leben so, dass man in die Lehre geht und anschließend Sprosse für Sprosse die Leiter nach oben klettert. Ich war mit 18 ganz oben, weil es etwas Schöneres als Profi zu sein gibt nicht, und bin jetzt eine Stufe nach unten gegangen. Ich hab jetzt den zweitschönsten Job, den ich mir vorstellen kann.

kicker: Warum sind Sie nicht Trainer geworden?

Beinlich: Ich bin lieber bei der Mannschaft als im Büro. Aber täglich auf dem Platz Trainingseinheiten zu machen, ist nicht unbedingt mein Ding. Ich mag die konzeptionelle Arbeit in dem Bereich, in dem ich mich auskenne: Wie soll ein Team zusammengestellt sein? Welche Charaktere braucht man? Wie funktioniert eine Mannschaft? Wie ist die Taktik? Darüber tausche ich mich gern mit dem Trainer aus, habe ich ja schon als Spieler gemacht.

kicker: Zurück zur Eingangsfrage: Wann wird der Patient Hansa gesundet die Reha verlassen und in die Bundesliga zurückkehren?

Beinlich: Der Verein hat es zehn Jahre geschafft, in der 1. Liga zu überleben, was eine Topleistung war. Das langfristige Ziel ist es, da irgendwann auch wieder hin zu kommen. Aber wir können als Verein wunderbar damit leben und auch überleben, wenn wir über die nächsten Jahre hinweg in der 2. Liga bleiben.

Oliver Hartmann

25.06.11
 

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