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08.05.2018, 19:39

Absturz in die Zweitklassigkeit ist möglich

Deutsches Eishockey zurück in der Realität

Olympia-Silber war einmalig. Zehn Wochen nach dem dramatischen Finale von Pyeongchang ist das deutsche Eishockey zurück in der Realität und muss bei der Weltmeisterschaft in Dänemark sogar den Absturz in die Zweitklassigkeit fürchten. Gegen Außenseiter Südkorea benötigt die Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm am Mittwoch (16.15 Uhr) Punkte, um die drohende Abstiegsgefahr zu vermeiden.

Marco Sturm & Co. brauchen am Mittwoch dringend Punkte gegen Südkorea.
Marco Sturm & Co. brauchen am Mittwoch dringend Punkte gegen Südkorea.
© imagoZoomansicht

Nur mit einem Sieg wahrt das Team auch die nur theoretische Chance auf das dritte WM-Viertelfinale in Serie. Bislang hat Südkorea dreimal glatt verloren, auch am Dienstag beim 0:5 gegen Lettland.

Der Umbruch im Nationalteam ist schwieriger als gedacht, das hat aber nachvollziehbare Gründe. Insgesamt 17 Ausfälle durch Rücktritte, Absagen und Verletzungen musste Sturm verdauen. Er muss die zurückgetretenen Leistungsträger Christian Ehrhoff (35), Marcel Goc (34) und Patrick Reimer (35) ersetzen. Ihr Fehlen hätte ein ansonsten komplettes Olympia-Sensationsteam vielleicht aufgefangen, nicht aber das WM-Team mit nur zehn Silbergewinnern, auch mit dem NHL-Trio um Leon Draisaitl nicht. Derart zahlreiche Ausfälle hatte selbst Sturm nicht einkalkuliert. "Wir wussten, dass die WM eine große Herausforderung wird", sagte er.

Dass die Meisterentscheidung in der Deutschen Eishockey Liga für München erst im siebten Finale gegen Berlin fiel, machte das Zusammenstellen des Kaders und die Vorbereitung noch komplizierter. "Es ist in letzter Zeit vieles zusammengekommen. Es war auch nicht alles so geplant, wie wir aufgestellt sind", sagte Sturm. Auch mit "Erschöpfungszuständen" begründete Verbandschef Franz Reindl die Absagen: "Die, die da sind, wollen unbedingt spielen. Das ist doch besser, als angeschlagene Spieler zu überreden, mitzufahren."

Das Leistungsgefälle ist groß

Früh hatte Sturm nach dem größten Erfolg der deutschen Eishockey-Geschichte im Februar begonnen, vor zu hohen Erwartungen zu warnen, und auch an die Vergangenheit erinnert. 1976 nach Olympia-Bronze war Deutschland fast in die B-Gruppe abgestiegen. Das Wunder von Südkorea war mit elf Profis über 30 Jahren gelungen. In Dänemark versucht nun ein Team mit 13 Spielern, die 25 Jahre oder jünger sind, daran anzuknüpfen. Sturm setzte acht WM-Debütanten ein, er plant auch für die Zukunft. Das Leistungsgefälle ist groß, manch ein Spieler stößt an Grenzen. "Es funktioniert noch nicht so wie bei den letzten Turnieren", sagte Silbergewinner Yannic Seidenberg. Olympia-Kollege Moritz Müller meint: "Wir sind in einem Lernprozess."

Deutlich sprach Sturm die hohe Fehlerquote, die schwache Passqualität und die Schwächen in Unter- und Überzahl an. "Es ist natürlich für den Marco auch nicht leicht, durch die vielen Absagen die Chemie in den Reihen zu finden", erläuterte Stürmer Patrick Hager. Hätte Deutschland gegen WM-Gastgeber Dänemark und Norwegen im Penaltyschießen das glücklichere Ende für sich gehabt und vier statt zwei Punkte, würden die Probleme kaum im Fokus stehen. Beim 0:3 gegen die USA steigerte sich Sturms Nationalteam klar.

"Es schaut momentan einfach ziemlich mager aus"

Grundsätzlich beklagt der Coach den mangelnden Nachwuchs. "Wir haben in der Breite nicht die Qualität wie manch andere Nationen", sagte der deutsche NHL-Rekordprofi. "Es schaut momentan einfach ziemlich mager aus. Es ist einfach nicht gut genug." Aus Mangel an Alternativen hat er diesmal auch Spieler wie Krefelds Daniel Pietta dabei, den er in den vergangenen Jahren stets aussortierte.

Den erfahrenen Torhüter Dennis Endras, WM-Held von 2010, nahm er dagegen diesmal freiwillig nicht mit. Sturm hatte darauf spekuliert, in Philipp Grubauer einen möglichen Sieggaranten in den eigenen Reihen zu haben. Der NHL-Goalie kommt nach dem Einzug mit Washington ins Playoff-Halbfinale der NHL jetzt aber auch nicht mehr für eine Nachnominierung infrage. "Das ist eine Position, auf der wir momentan gut besetzt sind. Auch wenn Grubi nicht dabei sein sollte. Wir haben mit Danny einen überragenden Torwart", hatte Sturm vor der WM gesagt. Doch Olympia-Held Danny aus den Birken sagte ihm verletzt ab.

Nach teils unsicheren Auftritten von Timo Pielmeier ruhen die Hoffnungen im Tor auf dem 27 Jahre alten Niklas Treutle, der gegen die USA ein grandioses WM-Debüt gab. Der Nürnberger soll auch gegen Aufsteiger Südkorea ein Rückhalt sein: "Das ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen. Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft auch im nächsten Spiel positiv reagiert", sagte Sturm.

dpa

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