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08.02.2007, 11:18

Schuhfrage offen - Zoff um Nike-Deal und den WM-Film

Bierhoff steht im Kreuzfeuer

3:1 gegen die Schweiz. Gelungen ist der Start ins Länderspieljahr 2007. Und auch die Generalprobe für das so wichtige EM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien am 24.März in Prag um Gruppenplatz eins. Doch in Düsseldorf ging es nicht nur auf dem Fußballfeld zur Sache. Im Kreuzfeuer stand Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft.

Oliver Bierhoff
Erklärungsnotstand: DFB-Manager Oliver Bierhoff.
© dpaZoomansicht

Im Poker um den künftigen Ausrüster der Nationalmannschaft vom 1. Januar 2011 an und um die Rolle des Nationalmannschafts-Managers Oliver Bierhoff (38) gab es hinter verschlossenen Türen heftige Diskussionen. Wenige Stunden vor Spielbeginn traf sich Bierhoff im Hilton-Hotel, wo die deutsche Delegation ihr Quartier bezogen hatte, mit insgesamt sieben einflussreichen Spielerberatern, zunächst zum Vierergipfel mit Dr.Michael Becker, Jörg Neubauer, Norbert Pflippen und Dr.Peter Ruppert, anschließend zu Einzelgesprächen mit Alex Schütt, Manfred Schulte und Kon Schramm. Gleichzeitig tagte der Vorstand des Ligaverbandes. In den Gesprächen mit den Beratern konnte Bierhoff manches Missverständnis, aber nicht alle Vorbehalte aus dem Weg räumen.

"Ich-AG", "Frechheit" - Bierhoff rechnet mit Rummenigge ab

Der DFB hingegen gerät wegen seines Vorgehens im Ausrüster-Poker und wegen seines Verhaltens gegenüber Adidas, seit über 50 Jahren und mindestens bis Ende 2010 Partner des Verbandes, zunehmend unter Druck. Präsident Dr.Theo Zwanziger betonte, Adidas müsse finanziell "deutlich nachlegen". Das Herzogenauracher Unternehmen zahlt bis 2010 pro Jahr elf Millionen Euro, Nike bietet eine halbe Milliarde von 2011 bis 2018.

Am Montag hat Bierhoff erneut mit seinen Kritikern wie Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG, abgerechnet. Dessen Vorwurf ("Ich-AG vom Starnberger See") nannte Bierhoff "eine Frechheit". Ein Telefongespräch beider sei, so Bierhoff, "sehr emotional" und ohne Einigung verlaufen, Rummenigges Spruch wurde im Liga-Vorstand als treffend beurteilt. Vor allem nachdem vom kicker berichtet worden war, dass Bierhoff persönlich das Nike-Angebot an Dr.Zwanziger übermittelt und zum 1. März eine Agentur zur eigenen Vermarktung in Starnberg gegründet hat.

Karl-Heinz Rummenigge
Emotionales Telefon-Gespräch mit Bierhoff: Karl-Heinz Rummenigge.
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Bierhoffs Partner ist Marc Kosicke, bis vor wenigen Tagen Manager bei Nike. Der Name seiner Agentur: "Projekt B" - "B" für Bierhoff. Auf die Frage, ob es üblich sei, dass Leitende Angestellte des DFB nebenher eigenen Geschäften nachgehen können, hatte der DFB-Präsident vor einer Woche dem kicker gesagt: "Oliver Bierhoff macht seinen Job beim DFB hervorragend; andere Dinge interessieren in diesem Zusammenhang nicht." In der Liga sieht man das anders, da planen die Klubs gerade die Abtretung der Persönlichkeitsrechte ihrer gut bezahlten Vorstandskräfte und Manager, damit diese ausschließlich für das Unternehmen und nicht in eigener Sache Gelder akquirieren.

Am Montag präsentierte Bierhoff eine vom DFB in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage zu einem möglichen Ausrüsterwechsel. 72 Prozent der Befragten befürworten den Schritt von Adidas zu Nike, wenn der DFB die Mehreinnahmen von 40 Millionen Euro für die Nachwuchsförderung und den Bau von Bolzplätzen ausgeben sollte.

"Blödsinn" nennen die Spielerberater diese Fragestellung, und aus der Liga hieß es: "Würde Zwanziger vor den nächsten DFB-Präsidiumswahlen ankündigen, dass er im Fall seiner Wahl die Eintrittspreise bei Länderspielen um 50 Prozent senkt, bekäme er 100 Prozent der Stimmen." Adidas-Sprecher Oliver Brüggen sagte zu diesem Teil der Umfrage: "Wir überlassen es jedem selbst, sich aufgrund der Fragestellung und der daraus resultierenden, veröffentlichten Ergebnisse ein eigenes Urteil zu bilden." Zur generellen Frage, ob der DFB Nike den Zuschlag geben solle, sagten 19 Prozent Ja, 40 Nein. Unter Einbeziehung des ökonomischen Aspekts von jährlich 40 Millionen Euro mehr sprachen sich 34 Prozent für und 34 gegen einen Wechsel aus.

Ausrüstervertrag: Die Liga reklamiert Mitspracherecht

Man hätte das im Vorfeld erledigen können und nicht alles sofort in die Öffentlichkeit hinausposaunen sollen. Das weckt nur Geister, die gar nichts damit zu tun haben."Franz Beckenbauer

Die Werbepartner des DFB zeigten sich irritiert über die Veröffentlichung der Umfrage. Aus den DFB-Reihen kritisierte Präsidiumsmitglied Franz Beckenbauer: "Das hätte man intern lösen müssen und können. Es ist schade, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Man hätte das im Vorfeld erledigen können und nicht alles sofort in die Öffentlichkeit hinausposaunen sollen. Das weckt nur Geister, die gar nichts damit zu tun haben."

Vor allem hat es die Geister bei der Liga geweckt, in der nun erneut die Frage diskutiert wird, ob die Nationalmannschaft nicht in ihren Zuständigkeitsbereich übergehen solle. Klar ist: Die Liga reklamiert jetzt ein Mitspracherecht beim neuen Ausrüstervertrag und bei der Verwendung der Gelder. Beim DFB indes sieht man gespannt der Überprüfung des Gutachtens entgegen, das der Verband beim Mainzer Universitätsprofessor Dr. Mathias Habersack in Auftrag gegeben hatte. Habersack kam zu dem Schluss, dass die zwischen DFB und Adidas am 31.August 2006 getroffene Vereinbarung über eine Vertragsverlängerung bis zum 31.12.2014 nicht rechtsverbindlich sei.

Bis zum Wochenende will Adidas nach kicker-Informationen seine Stellungnahme zu diesem Gutachten abgeben. Alles spricht dafür, dass es anschließend zu einem Wiedersehen vor einem neutralen Schiedsgericht kommt.

Adidas hatte Ende August dem DFB die freie Schuhwahl für die Nationalspieler eingeräumt, im Gegenzug wurde die Vertragsverlängerung vereinbart. Diese Vereinbarung bekam auch der Spielerrat der Nationalmannschaft; sie war allerdings nicht unterschrieben. Läuft der DFB Gefahr, dass Adidas bei der Nationalelf wieder auf die Schuhe mit den drei Streifen für alle Spieler bis Ende 2010 besteht, wenn der Verband mit Nike abschließt? Adidas wollte dazu am Mittwoch keine Stellungnahme abgeben.

Ärger über Gewinn-Verteilung aus dem WM-Film

Die Spielerberater traten am Mittwoch mit einem Fünf-Punkte-Katalog an Bierhoff heran und hielten ihm Interessenskollision vor. Ihr Kernargument: Indem Bierhoff sich selbst vermarkte, trete er bei der Verteilung der Werbegelder in direkte Konkurrenz zu den Spielern. Als Beispiel führen sie an, dass der Nationalmannschaftsmanager vor seinem Engagement beim DFB nur Repräsentant von Nike und Gastkommentator bei SAT.1 gewesen sei, inzwischen aber auch als Werbefigur der DFB-Partner Bitburger, Mercedes-Benz, CocaCola auftrete sowie Repräsentant der Schweizer Uhrenmanufaktur IWC und weiterer Unternehmen sei.

Ihren Ummut brachten die Berater auch darüber zum Ausdruck, dass aus dem WM-Film "Deutschland. Ein Sommermärchen" nur ein Euro pro verkaufter Kino-Eintrittskarte an die SOS-Kinderdörfer fließe. "Vereinbart wurde, dass der Reingewinn komplett an die SOS-Kinderdörfer geht", sagt Michael Becker, der Berater Ballacks. Die Agenten haben eine namhafte Hamburger Anwaltskanzlei eingeschaltet, die unter anderen Alt-Kanzler Gerhard Schröder und Dieter Bohlen vertritt.

Solange der Fall nicht geklärt ist, werden die Nationalspieler der Auslandsvermarktung des WM-Films nicht zustimmen. SOS-Kinderdörfer hatte bei der Premiere des von über 3,5 Millionen Menschen besuchten Films einen ersten Abschlag in Höhe von 100.000 Euro bekommen. Wie der kicker am Mittwoch erfuhr, teilte die FIFA den SOS-Kinderdörfern mit, dass in den nächsten Tagen eine weitere Zahlung in Höhe von 2,1 Millionen Euro angewiesen werde. Beim EM-Qualifikationsspiel gegen San Marino am 2. Juni in Nürnberg soll das Schlussergebniss präsentiert werden. Mit dem DVD-Verkauf, der in dieser Woche beginnt, können die SOS-Kinderdörfer mit etwa vier Millionen Euro rechnen. Bekommen sie nun doch den Nettoerlös, wird es mehr.

Rainer Franzke

 

kicker

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