Dortmund: Interview mit Torjäger Alexander Frei
kicker: Gegenüber der Neuen Züricher Zeitung äußerten Sie sich verwundert darüber, dass in Dortmund nach Niederlagen "alles drunter und drüber" gehe. Erleben Sie die Borussia nach dem Wechsel von Stade Rennes als eine Art Kulturschock, Herr Frei?
Alexander Frei: Der BVB ist ein großer Klub - mit großer Tradition, mit viel Leid und vielen Emotionen. Hier ist immer was los. Das muss man aber nicht gut finden.
kicker: Was stört Sie?
Frei: Man sollte seinen Weg kontinuierlich gehen und nicht immer alles sofort kritisch hinterfragen, wenn mal ein oder zwei Spiele verloren wurden. An die eigene Stärke glauben, an das Potenzial von Mannschaft und Verein - darauf kommt es an. Drunter und drüber kann es gehen, wenn wir vier- oder fünfmal in Folge verlieren, aber bitte doch nicht sofort nach jedem schlechten Spiel.
kicker: Von Ihnen wissen wir, dass Sie der große Druck in Dortmund anfangs irritiert und "über Gebühr" beschäftigt hat. Kommen Sie inzwischen damit besser klar?
Frei: Hier herrscht eine riesige Erwartungshaltung, weil viel mehr Leute - Fans, Journalisten - sich mit den Leistungen eines Spielers befassen. Mir billige ich einfach eine gewisse Anlaufzeit zu, zumal ich mich auch erst an eine andere Mentalität gewöhnen musste.
kicker: Wo liegt das Problem für einen Schweizer in Deutschland?
Frei: Ich habe drei Jahre "auf französisch" gelebt. Wenn ich heute nicht komme, komme ich morgen. Und wenn ich morgen nicht komme, dann eben übermorgen. Hier in Deutschland ist alles sehr strikt.
kicker: Man könnte nach den Querelen der Vorrunde meinen, dass Dortmund ein vermintes Feld ist. Erklärt oder entschuldigt das die Leistungen der Mannschaft?
Frei: Querelen sollten nie eine Ausrede sein. Stattdessen sollte sich jeder Spieler selbst überprüfen. Jeder Einzelne hat in den Ferien Zeit, seine eigene Analyse zu machen. Jeder kann sich fragen: Wieviel Prozent von meinem Leistungspotenzial habe ich dem BVB und der Mannschaft gegeben?
kicker: Und diese ehrliche Reflektion führt ernsthaft zu einer Steigerung im neuen Jahr?
Frei: Es ist nicht irgendein Geplapper, sondern ein echtes Anliegen, wenn ich sage: Am Schluss wird abgerechnet. Bis dahin heißt es: "Klappe halten und arbeiten." Draufhauen kann man später immer noch - oder auch nicht.
kicker: Sie kündigten für 2007 einen besseren BVB an. Worauf basiert Ihre Zuversicht?
Frei: Ich bin überzeugt, dass jeder selbstkritisch und ambitioniert genug ist, um zu sagen: Ich will viel mehr herausholen.
Ein Spieler darf auch mal seinen Unmut zeigen. Alexander Frei
kicker: In Schalke verlor der BVB, obwohl acht aktuelle oder ehemalige Nationalspieler im Team standen. Fehlt die Qualität?
Frei: Sicher nicht. Dortmund hat sehr gute Spieler, junge Spieler, Spieler mit viel Potenzial. Das muss nur alles noch besser zusammenwachsen. Dass der Verein vor zwei Jahren fast tot war, darf kein Alibi sein, vergessen sollte man es aber auch nicht. Man kann nicht fast die Schlüssel abgeben und die Lichter vom Stadion löschen und zwei Jahre später meinen, dass man wieder mit Bremen oder Bayern konkurrenzfähig ist.
kicker: Sie waren in der Vorrunde der gefährlichste Dortmunder. Können Sie sich einen Reim darauf machen, dass Sie ungeachtet dessen so häufig ausgewechselt wurden wie kein anderer Dortmunder Profi?
Frei: Neunmal in 16 Spielen.
kicker: Aus welchem Grund?
Frei: Ich bin noch keine 32 oder 33, sodass meine Luft vielleicht nicht mehr für 90 Minuten reichen würde. Grundsätzlich muss ich die Entscheidungen des Trainers eben akzeptieren.
kicker: Was Ihnen in Schalke erkennbar schwerfiel.
Frei: Man kann immer über die Art und Weise streiten, mit der ich mich aufrege. Doch wenn ich mich nicht mehr darüber aufrege, dass ich ausgewechselt werde, dann bin ich komplett fertig mit dem Fußball. Ein Spieler muss nicht immer einer Meinung mit dem Trainer sein, er darf auch mal seinen Unmut darüber zeigen, dass er ständig ausgewechselt wird.
kicker: Unter Bert van Marwijk hatten Sie eine taktisch anspruchsvolle und kräftezehrende Doppelaufgabe zu erfüllen als Vollstrecker und Vorbereiter. Ging das zwangsläufig zu Lasten Ihrer Kernkompetenz als Mittelstürmer?
Frei: Hätten wir schon 27, 28 Punkte, dann könnten die Stürmer vorne stehen bleiben. Aber wir haben diese Punkte nicht, also musst du Sachen erledigen, die nicht deine Stärken sind.
Interview: Thomas Hennecke
| Verein | Name | Datum | Position |
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16.08.10
Sturm
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27.07.10
Mittelfeld
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