Regionalliga

Zwischen Kompromiss und Blockade: Die Regionalligen im Fokus

So sieht die Lage in den vierten Ligen aus

Zwischen Kompromiss und Blockade: Die Regionalligen im Fokus

Gewissheit: Leere Ränge sind auch in den Regionalligen vorprogrammiert.

Gewissheit: Leere Ränge sind auch in den Regionalligen vorprogrammiert. imago images

Es ist davon auszugehen, dass die DFL-Klassen ab Mitte Mai ihre Saison fortsetzen. Und angesichts der 7,5-Millionen-Euro-Spritze für die 3. Liga (und die Frauen-Bundesliga) gehen selbst den klammsten der klammen Drittligisten die Argumente aus für einen Abbruch - sofern die behördliche Genehmigung für (Geister-)Spiele überall vorliegt versteht sich. Eine Ebene drunter geht es unterdessen drunter und drüber.

Weitgehende Einigkeit im Westen, kein konkretes Bild im Osten

Im Westen herrschte am Mittwochabend weitgehender Konsens über einen Abbruch; Gladbachs U 23 enthielt sich, einzig Rot-Weiss Essen sprach sich bei einer Probeabstimmung vorerst gegen diese Maßnahme aus. Verständlich: Da Tabellenführer SV Rödinghausen auf einen Lizenzantrag verzichtete, könnte im Falle eines Abbruchs eine Variante lauten, den Zweitplatzierten SC Verl in die Aufstiegsspiele zu schicken. Essen würde mit zwei Zählern Rückstand in die Röhre schauen. Gegner des West-Vertreters wäre der Spitzenreiter im Nordosten, aktuell die VSG Altglienicke, die punktgleich mit Lok Leipzig das Tableau anführt, aber auch eine Partie mehr ausgetragen hat.

In den neuen Bundesländern zeichnet sich bislang noch kein konkretes Bild ab. Sprach sich vor einer Woche noch die Mehrheit der Regionalligisten in einer Video-Schalte für eine Fortführung mit Geisterspielen aus - laut Darstellung des zuständigen Nordostdeutschen Fußballverbandes NOFV - widersprach der SV Babelsberg 03 tags darauf: Demnach würde die Mehrheit der Klubs für einen Abbruch oder eine Annullierung plädieren. Seitdem herrscht Funkstille, zumindest öffentlich.

Kein Konsens im komplexen Südwesten in Sicht

Eine Meinungsabfrage findet derzeit im Norden statt, die Vorsitzenden von NFV-Spielausschuss und NFV-Regionalligaausschuss, Jürgen Stebani und Reenald Koch, erstellen mögliche Szenarien, die den Klubs mit auf den Weg gegeben werden sollen. Der Norden hofft auf einen Konsens bis Ende April. Im Südwesten ist ein solcher nicht in Sicht - Abbruch, Fortsetzung, Annullierung? "Die konkrete Frage haben wir noch nicht gestellt, weil wir uns noch mit den Vereinen und den Gremien austauschen und die verschiedenen Szenarien noch der Rechtsprüfung unterliegen", sagt Sascha Döther, Geschäftsführer der Trägergesellschaft Regionalliga Südwest GbR. Für diese Staffel ist die Aufgabe ähnlich wie im Nordosten (sechs Landesverbände) noch einmal komplexer mit sieben Landes- und zwei Regionalverbänden. Zudem unterstreicht Döther: "Wir hängen auch an der 3. Liga. Bevor da nichts entschieden ist, können auch wir nicht entscheiden."

Bayern und die Meisterfrage

Markus Wolf

Offen für Kompromisse: Markus Wolf. imago images

Dagegen beschloss nun in Bayern der Vorstand des BFV eine Pause bis 31. August und - sofern die Behörden es zulassen - die Wiederaufnahme der Saison ab dem 1. September, basierend auf einer Umfrage unter allen Klubs. 68,13 Prozent der 3197 teilnehmenden Vereinen hatten sich dafür ausgesprochen. Was für die Regionalliga aber ein Problem darstellt: Denn wenn die 3. Liga analog zu Bundesliga und 2. Liga den Spielbetrieb zeitnah wiederaufnimmt, würde sie womöglich schon im September in die Saison 2020/21 starten. Doch was wäre dann mit dem Aufsteiger aus der Regionalliga Bayern, deren Meister ja nach dem rollierenden Modell einen Aufstiegsplatz sicher hätte (genau wie der Norden und der Südwesten)?

Derzeit führt Türkgücü München die Tabelle an. Die SpVgg Bayreuth als Vierter sprach vor dem Beschluss bereits in einem offenen Brief von "nicht zu lösenden wettbewerbsverzerrenden Problemen"; eine Verlängerung der Saison sei "kostenintensiv und gegen zahlreiche Rechtsverpflichtungen verstoßend", so die Oberfranken. Auch für Markus Wolf ist die aktuelle Lösung suboptimal, weil er Probleme bei Verhandlungen mit Sponsoren sowie arbeitsrechtliche und wettbewerbstechnische Schwierigkeiten erwartet - Stichwort Spielerverträge.

Der Präsident des FC Schweinfurt 05 plädiert für den Fall, dass die 3. Liga zeitnah weiterkickt, für einen Abbruch - in jedem Fall aber soll die bayerische Regionalliga ihren Drittliga-Platz wahrnehmen. Und Schweinfurt, auf Rang zwei hinter neun Zähler Türkgücü liegend, sendet Signale. Der aktuelle Spitzenreiter aus München soll hochgehen, die Unterfranken dafür einen der beiden bayerischen Amateur-Startplätze (Meister Regionalliga Bayern und Landespokalsieger) im DFB-Pokal erhalten. "Das wäre ein Kompromiss, mit dem ich gut leben könnte", sagt Wolf in einer Zeit, in der der goldene Mittelweg schwer zu finden ist.

Benni Hofmann

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