Bundesliga

Zuschauerfrage: Bund und Länder einigen sich auf sechswöchigen Testbetrieb

Chefs der Staatskanzleien haben getagt - Söder: "Eine Art Experiment"

Zuschauerfrage: Bund und Länder einigen sich auf sechswöchigen Testbetrieb

Fans des FC Magdeburg im Pokalspiel gegen Darmstadt.

Fans des FC Magdeburg im Pokalspiel gegen Darmstadt. imago images

Nach dpa-Informationen aus Teilnehmerkreisen der Beratungen der Chefs der Staatskanzleien verständigten sich beide Seiten am Dienstag auf einen sechswöchigen Testbetrieb unter Corona-Bedingungen mit Zuschauern. Die Grenze liegt demnach oberhalb einer Zahl von 1000 Zuschauern bei 20 Prozent der jeweiligen Stadion-Kapazität.

Die Zeit der Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga und den anderen großen Profiligen ist damit zumindest vorerst vorüber. Die Länder einigten sich am Dienstag in einer Videoschalte auf eine flächendeckende Fan-Rückkehr in die Fußballstadien und Sporthallen. Ende Oktober soll die Lage neu bewertet werden. "Es soll eine Art Experiment werden, ein Probestart", kündigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an.

Vor der Sitzung hatte er seine Forderung nach einer gemeinsamen Linie erneut bekräftigt. "Es kommt darauf an, dass wir eine einheitliche Regelung bekommen", sagte Söder am Dienstag am Rande einer Klausurtagung der CSU-Fraktion im Landtag in München. Alles andere wäre "für die Liga und die Akzeptanz sehr schwierig". Zudem gehe es nicht nur um Fußball, sondern auch um Volleyball, Handball, Basketball oder Eishockey.

DFB-Präsident Keller "sehr glücklich"

DFB-Präsident Fritz Keller nahm am Abend Stellung zur Entscheidung: "Ich finde das großartig und bin sehr glücklich, weil das die Arbeit der letzten Wochen widerspiegelt, die wir reingesteckt haben. Wir sind sehr dankbar. Dass sich alle Bundesländer geeinigt haben, ist ein gutes Zeichen. Mit 20 Prozent kann man anfangen."

Auch Watzke begrüßt Entscheidung

Auch Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer der Dortmunder Borussia begrüßte die Entscheidung in einer ersten Stellungnahme: "Die Fußball-Bundesligisten, aber auch die Klubs und Vereine anderer Sportarten, können am heutigen Tage sehr froh sein, und dieses Gefühl haben wir beim BVB auf jeden Fall", teilte er mit und bedankte sich "bei allen aus der Politik, die in den vergangenen Wochen an der heutigen Entscheidung mitgewirkt haben. Gleichzeitig fühle ich eine große Verpflichtung, dass wir als Klubs gemeinsam mit den beteiligten Fans mit dieser Probezeit in den kommenden Wochen äußerst verantwortungsvoll umgehen. Die nun genehmigte Teilwiederzulassung von Zuschauern ist jedenfalls ein ganz wichtiger Schritt für alle Fußballfans in Deutschland."

Watzkes Geschäftsführer-Kollege Fernando Carro von Bayer Leverkusen ergänzte zur aktuellen Entwicklung: "Schon die 300 Zuschauer beim Pokalspiel zuletzt haben die Atmosphäre in der BayArena spürbar verbessert. Nun können wir mit rund 6.000 Fans für das erste Heimspiel gegen Leipzig planen. Wir sind vorbereitet - und sehr glücklich darüber."

Können alle Vereine die Freigabe kurzfristig umsetzen?

Die von den Chefs der Staatskanzleien beschlossene Teilzulassung von Zuschauern unter Corona-Bedingungen verschafft dem gesamten Profisport bessere wirtschaftliche Perspektiven bei der Bewältigung der Corona-Krise.

Zudem steht nun einem stimmungsvollen Saisonauftakt in der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende nichts mehr im Wege. Allerdings ist offen, ob alle Vereine die Freigabe wegen der Kurzfristigkeit noch umsetzen können. Bereits am Freitagabend eröffnet Rekord-Champion Bayern München gegen den FC Schalke 04 die Spielzeit 2020/21.

Je 8500 Fans in Bremen und Leipzig

Immerhin vier Klubs hatten bereits zuvor von den zuständigen Gesundheitsämtern grünes Licht für einen Saisonstart vor Zuschauern erhalten. Für die Partien Werder Bremen gegen Hertha BSC und RB Leipzig gegen FSV Mainz 05 wurden jeweils 8500 Besucher zugelassen - in beiden Fällen das entspricht rund 20 Prozent des Stadion-Fassungsvermögens. Eintracht Frankfurt darf gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld von 6500 Fans unterstützt werden, der 1. FC Union Berlin erhielt für die Partie gegen den FC Augsburg die Freigabe für 5000 Personen im Stadion an der Alten Försterei.

Bislang war eine bundeseinheitliche Regelung bei der Fan-Rückkehr in die Stadien erst im Laufe des Oktobers erwartet worden. Die Ministerpräsidenten der Länder hatten nach ihrer Schalte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die eine Einigung erzielen sollte. Doch der Druck, gemeinsam vorzugehen, war in den vergangenen Wochen auch aufgrund der unterschiedlichen Beschlüsse der lokalen Gesundheitsbehörden weiter gestiegen.

Sieben-Tages-Inzidenz gibt den Ausschlag

Diese hätten auch weiterhin das letzte Wort bei der Teilzulassung von Zuschauern. Dabei müsse das aktuelle regionale Pandemiegeschehen berücksichtigt werden. Maßgeblich seien dafür die Zahlen des Robert-Koch-Instituts. Liegt die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner am Austragungsort größer gleich 35 und ist das Infektionsgeschehen nicht klar eingrenzbar, erfolgt in der Regel keine Freigabe für die Fans. So wie aktuell beim Zweitliga-Aufsteiger Würzburger Kickers geschehen, der sein Heimspiel gegen Erzgebirge Aue am Samstag vor leeren Rängen austragen muss.

Die Deutsche Fußball Liga hatte am vergangenen Freitag beschlossen, dass bei den Spielen der Bundesliga und der 2. Bundesliga an den ersten sechs Spieltagen in Ausnahmefällen auch Stehplätze in den Stadien besetzt werden dürfen, falls die Anzahl der Sitzplätze unter der freigegebenen Zuschauerzahl liegt.

Maskenpflicht zumindest bis zum Platz

Laut Söder müsse man nun einige Wochen lang beobachten, ob die einheitliche Regelung in der Praxis funktioniere. «Und dann werden wir sehen, ob man sich daran hält oder nicht.» Klar sei: Es brauche eine Maskenpflicht zumindest bis zum Platz, es brauche Abstand und Hygienemaßnahmen. Und auch der Zugang in die Stadien müsse sauber geregelt werden.

"Ich sage Ihnen ganz offen, ich hätte noch ein halbes Jahr ohne Zuschauer locker aushalten können", sagte Söder. Er spüre aber "den tiefen Wunsch vieler Menschen danach". Deswegen müsse man die Wünsche und die Sicherheitsinteressen in eine vernünftige Balance bringen.

dpa/kon

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