Bundesliga

Zuschauer-Zoff: Eintracht Frankfurt klagt

Frankfurt: Oberbürgermeister schreibt offenen Brief an Bouffier

Zuschauer-Zoff: Eintracht klagt vor dem Verwaltungsgericht

Eintracht Frankfurt plant den Gang vors Gericht.

Eintracht Frankfurt plant den Gang vors Gericht. imago images/HMB-Media

Seit Tagen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankfurt über der kritischen Schwelle von 35, laut den am Montag aktualisierten Auslegungshinweisen zur Coronavirus-Schutzverordnung des Landes Hessen dürfen deshalb maximal 5.000 Zuschauer ins Stadion. Ursprünglich ließ sich die am 22. Juli aktualisierte Verordnung so interpretieren, dass zusätzlich genesene und/oder geimpfte Fans bis zu einer maximalen Auslastung von 25.000 in die Arena dürfen. Gegen St. Etienne sollte der Anfang mit 10.000 Anhängern gemacht werden.

Urteil könnte für Präzedenzfall sorgen

Noch im Laufe des Montags erwartet die Eintracht vom Gesundheitsamt einen abgeänderten Bescheid, in dem nur noch 5.000 Fans genehmigt werden. Sobald der Bescheid vorliegt, wird der Klub über eine auf Verwaltungsrecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei eine einstweilige Verfügung vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt beantragen. Das Ziel: Über ein Eilverfahren soll noch vor Samstag über die Zuschauerfrage entschieden werden. Das Urteil dürfte auch an anderen Bundesligastandorten mit großer Spannung erwartet werden, da es für einen Präzedenzfall sorgen könnte.

Reschke sieht sich bestärkt

Die Kopplung eines Inzidenzwerts an die Zulassung einer bestimmten Anzahl von Zuschauern "halten wir insgesamt für nicht begründbar, sachlich und rechtlich nicht gerechtfertigt", betont Reschke. Der Jurist bemängelt das Fehlen von virologischen Erkenntnissen und Erfahrungswerten in den Auslegungshinweisen. Zudem teilten nicht nur das Gesundheitsamt und das Rechtsamt der Stadt Frankfurt, sondern sogar das - in dieser Frage allerdings nicht maßgebliche - hessische Innenministerium die Auffassung, dass mehr Zuschauer unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein sollten. "Das bestärkt uns in der Vorgehensweise, für eine rechtliche Klärung zu sorgen", sagt Reschke.

Er betont: "Das entschied der Vorstand mit der vollen Unterstützung des Aufsichtsrats und des Präsidiums unseres Hauptaktionärs Eintracht Frankfurt e.V. - und damit mit der Rückendeckung von 92.000 Mitgliedern sowie der organisierten Fanszene, die wir über den Fanbeirat mit ins Boot genommen haben." Gerade mit Blick auf den Ligabetrieb benötige man "mehr Klarheit und andere Parameter".

Die Zuschauerzulassung ausschließlich anhand von Inzidenzwerten zu regeln, sei "sachlich falsch und rechtlich nicht haltbar". Natürlich wolle niemand "fahrlässig mit der Gesundheit der Zuschauer umgehen", die Vorzeichen seien nun aber andere als noch vor einem Jahr. "Massentests waren damals noch eine kühne organisatorische Idee, von Testcentern an jeder Straßenecke konnte man nur träumen", ruft der Justiziar in Erinnerung. Ganz zu schweigen von der Zulassung mehrerer Impfstoffe und dem Impffortschritt.

Die Genehmigung der 10.000 Zuschauer gegen St. Etienne sah vor, dass mindestens 5.000 der Fans geimpft oder genesen sein müssen. Dies sei, so Reschke, eine "salomonische und akzeptanzfähige Entscheidung" gewesen - die nun gekippt wurde. Sollte die Eintracht vor dem Verwaltungsgericht Erfolg haben, hätte das eine wichtige Signalwirkung. In dem angestrebten Gerichtsentscheid wird allerdings lediglich über das Spiel am Samstag geurteilt, weil sich der Bescheid allein auf die Partie gegen St. Etienne bezieht.

Offener Brief an Ministerpräsident Bouffier

Unterstützung erhält die Eintracht auch von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der in einem offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier und Staatsminister Kai Klose unter anderen schreibt: "Warum können bei Sport- und Großveranstaltungen über die zulässigen 5.000 Zuschauerinnen und Zuschauer hinaus keine Geimpften und Genesenen Einlass finden, auch wenn die Inzidenz über 35 liegt? Und wieso müssen sich nun auch Geimpfte testen lassen, wenn sie beispielsweise in einem Restaurant Platz nehmen wollen? Das ergibt aus meiner Sicht keinen Sinn. Mehr noch: Gerade jetzt, da genug Impfstoff da ist und die Impfbereitschaft zugleich merklich zurückgeht, braucht es doch solche Anreize. (…) Ich appelliere daher an Sie: Erlauben Sie Geimpften und Genesenen den Zutritt zu Veranstaltungen über die jeweiligen Höchstgrenzen hinaus."

Julian Franzke

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