Int. Fußball

Zuschauer-Rückkehr verschoben - Premier League reagiert enttäuscht

Liga sieht "verheerenden Effekt" auf Klubs

Zuschauer-Rückkehr verschoben - Premier League reagiert enttäuscht

Stamford Bridge

Das Topspiel zwischen Chelsea und Liverpool fand an der Stamford Bridge vor leeren Ränge statt - das bleibt in England vorerst auch so. imago images

Der britische Staatsminister Michael Gove kündigte am Dienstag in der TV-Sendung "BBC Breakfast" an, dass bei Sportereignissen in England vorerst doch keine Zuschauer zugelassen werden. Die Pläne, ab Oktober unter anderem bei Fußballspielen wieder Fans zu erlauben, seien erst einmal gestoppt worden. Damit reagiere die Regierung auf den Anstieg der Corona-Infektionen im Land. Die Übertragungsgefahr in Großbritannien wird von den Behörden derzeit als "hoch oder exponentiell steigend" eingestuft.

Die Premier League reagierte am Dienstagnachmittag in einem Statement "enttäuscht" auf die Entscheidung. Man sei sich sicher, dass Fans dank der ligaweiten Richtlinien und des Sicherheitskonzeptes "in Stadien genauso sicher oder sogar sicherer" seien als bei jeder anderen Aktivität in der Öffentlichkeit, die derzeit erlaubt sei - das zeige sich in anderen europäischen Ligen bereits.

"Fußball ist nicht das gleiche ohne Zuschauer und die Fußball-Wirtschaft ist nicht nachhaltig ohne sie", fuhr die Liga in ihrer Mitteilung fort. Die beträchtlichen Verluste (nach eigenen Angaben umgerechnet rund 109 Millionen Euro im Monat) hätten langsam, aber sicher einen "verheerenden Effekt" auf Klubs.

In den vergangenen Wochen waren testweise mehrere große Sportevents vor Live-Publikum ausgetragen worden, darunter das Finale der Snooker-WM in Sheffield vor rund 300 Zuschauern im Crucible-Theater. Auch bei einigen unterklassigen Fußballspielen wurden probeweise bis zu 1000 Menschen ins Stadion gelassen. Bei einem Testspiel zwischen den Premier-League-Klubs Brighton & Hove Albion und Chelsea waren Ende August sogar 2500 Zuschauer dabei.

"Wir hatten ein schrittweises Programm geplant, bei dem nach und nach mehr Leute zurückkehren, es war nicht so, dass sich die Fans in den Stadien drängen sollten", betonte Gove, der versicherte, man werde Zuschauer zulassen, "wenn die Umstände es erlauben".

Vor allem die Klubs unter der Premier League hart getroffen

Damit müssen die englischen Sportvereine weiter gänzlich ohne Zuschauereinnahmen auskommen. Im Fußball trifft das vor allem die unteren Ligen hart. Zuletzt war der 1874 gegründete Fünftligist Macclesfield Town vom einem Gericht abgewickelt worden.

Vergangene Woche hatten mehr als 100 britische Sportorganisationen in einem gemeinsamen Schreiben mehr Unterstützung von der Regierung gefordert, sonst bestehe "die Gefahr einer verlorenen Generation".

ski/dpa

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